Mitten auf dem Bürgerplatz steht seit Donnerstag ein auffälliges Symbol: Eine orangene Bank macht auf häusliche Gewalt aufmerksam – und soll Betroffenen Mut machen, nicht zu schweigen.
„Kein Platz für Gewalt – auch nicht zuhause“ steht in Großbuchstaben auf der Bank, darunter ein Versprechen : „Leonberg schaut hin“. Seit Donnerstag ergänzt die sogenannte „Orangene Bank“ den Bürgerplatz vor der Leonberger Stadthalle. Die knallorange leuchtende Bank soll auf häusliche Gewalt aufmerksam machen und symbolisch für Solidarität mit Betroffenen stehen.
Sie ist Teil einer Initiative, die es bereits in mehreren Städten im Landkreis Böblingen gibt. Gestiftet wurde sie vom Seehaus Leonberg und dem Weißen Ring Böblingen, gefertigt hat sie das Seehaus selbst.
„Ein schönes Zeichen, gerade hier mittendrin auf dem Bürgerplatz, weil das Thema häufig im Hintergrund steht“, so Oberbürgermeister Tobias Degode. Die Bank diene als Anknüpfungspunkt, um über das Thema ins Gespräch zu kommen.
Orangene Bank in Leonberg: „Eine Stimme mitten in der Stadt“
Auch Elvira Pfleiderer, Leiterin der Opfer- und Traumaberatung im Seehaus Leonberg, ist überzeugt: „Diese Bank ist ein großartiges Zeichen der Stadt von Respekt, Aufmerksamkeit und Wertschätzung für Betroffene“. Sie gebe Opfern eine Stimme mitten in der Stadt. Wie groß der Bedarf an Hilfe ist, zeigen die Zahlen: Häusliche Gewalt ist der häufigste Beratungsgrund im Seehaus. Im vergangenen Jahr suchten 22 Prozent der insgesamt 506 Klientinnen und Klienten deshalb Unterstützung.
Das Seehaus betreibt derzeit fünf Opferberatungsstellen in der Region – von Herrenberg bis Sinsheim. Eine weitere Einrichtung soll im Herbst in der Leonberger Hindenburgstraße eröffnen. Geplant sind dort auch Selbstverteidigungskurse für Betroffene.
Häusliche Gewalt ist ein großes Problem
Solche Hilfsangebote sind laut Reimar Schappach vom Weißen Ring, einer Hilforganisation für Kriminalitätsopfer, essenziell. Der Landkreis Böblingen sei insgesamt gut aufgestellt, wenn es um Unterstützung für Kriminalitätsopfer gehe. Neben dem Seehaus nennt er unter anderem die Einrichtungen Thamar und Amila sowie die Präventionsarbeit der Polizei.
Doch trotz dieses Netzes bleibe häusliche Gewalt ein großes Problem. „Häusliche Gewalt spielt sich meist nicht unter den Augen der Öffentlichkeit ab, sagt Schappach. „Die Bank ist daher ein Hinweis: Haltet die Augen offen.“ Auch die an der Bank angebrachte Plakette mit Hilfsangeboten sei eine Erinnerung und ein Angebot für alle. Zwar werde die Bank Täter leider kaum abschrecken, doch sie könne Betroffenen „gedanklich Rückhalt geben“.
Bank soll Tabu brechen und zum Handeln ermutigen
Angestoßen wurde das Projekt von Martina Kühnle, Opferschutz-Koordinatorin beim Polizeipräsidium Ludwigsburg, im Rahmen des „Runden Tisches gegen Häusliche Gewalt“. Stadt, Seehaus und Weißer Ring hätten die Idee schnell aufgegriffen und umgesetzt.
Ihre Hoffnung: „Dass häusliche Gewalt so etwas mehr aus dem Tabubereich kommt.“ Noch immer hielten viele Menschen Gewalt im eigenen Zuhause für eine private Angelegenheit – oder fürchteten negative Konsequenzen, wenn sie sich einmischen. Dabei sei es wichtig, aufmerksam zu bleiben und im Zweifel zu handeln. „Selbst wenn nur eine Person dadurch ihr Schweigen bricht, hat die Bank etwas gebracht“, sagt Kühnle. Denn eines müsse klar sein: Das Zuhause soll kein Ort der Angst sein.
Hilfe für Betroffene
Beratung vor Ort
Amila – Beratungsstelle bei Häuslicher Gewalt: 07031 632 808/www.amila-beratung.de, Thamar – Beratungsstelle gegen sexualisierte Gewalt: 07031 222 066/www.thamar.de, Seehaus – Opfer- und Traumaberatung: 07152 33 123 315/www-seehaus-ev.de, Weisser Ring – Hilfe für Opfer von Kriminalität und Gewalt: 0711 90713990/www.weisser-ring.de
Weitere Hilfsangebote
Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen: 116 016/www.hilfetelefon.de, Hilfetelefon Gewalt an Männern: 0800 123 99 00/www.maennerhilfetelefon.de, Hilfetelefon für Kinder und Jugendliche: 116 111/www.nummergegenkummer.de