Im Lehrerzimmer des Solitude-Gymnasiums sind 80 Schränke aufgebrochen und durchwühlt worden. Foto: Solitude-Gymnasium

Viele Schulen und Kindergärten in Stuttgart, aber auch im Umland sind in den Weihnachtsferien von Einbrechern heimgesucht worden. Die Beute ist gering, der Schaden enorm.

Der Beginn im neuen Jahr am Mittwoch ist in vielen Stuttgarter Schulen und Kindergärten mit großer Fassungslosigkeit einher gegangen. Teils sind die Ferien für Leitungs- und Lehrkräfte sowie Hausmeister auch schon früher zu Ende gewesen – weil über die Weihnachtsferien Einbrecher die Einrichtungen heimgesucht haben. Und zwar in einem Ausmaß und mit Auswirkungen, die alles bisher Dagewesene sprengen.

 

Bis zum Donnerstag zählte die Stuttgarter Polizei Einbrüche in neun Schulen und drei Kindergärten – nicht auszuschließen, dass das noch nicht das Ende der Fahnenstange ist. Dazu kommen weitere in den Landkreisen Esslingen und Ludwigsburg. „Einzelne Fälle gibt es immer wieder, gerade in den Ferien. Aber in dieser Häufung ist das absolut außergewöhnlich“, sagt der Stuttgarter Polizeisprecher Stephan Widmann. Betroffen seien Schulen und Kindergärten im ganzen Stadtgebiet. Zum Teil hätten die Täter „randaliert wie verrückt“.

80 Schränke aufgebrochen

Das Solitude-Gymnasium in Wolfbusch hat es mit am härtesten getroffen. Dort haben Reinigungskräfte am vergangenen Samstag die Bescherung entdeckt. „Die Täter sind in verschiedene Räume der Verwaltung, ins Büro der Schulleitung, ins Sekretariat und ins Lehrerzimmer eingedrungen“, berichtet Schulleiterin Susanne Schwahn. Und das jeweils einzeln über die Glasoberlichter an der Decke – in jeden Raum separat, weil die Türen zwischen den Zimmern verschlossen und offenbar nicht zu knacken waren. Im Lehrerzimmer wurden alle 80 Schränke der Lehrkräfte aufgebrochen, die Inhalte herausgezerrt und durchwühlt. Außerdem wurden ein Display, Computermonitore, Türen und ein Schlagzeug zertrümmert.

Die Beute: Wohl ein geringer Geldbetrag. Der Sachschaden liegt weitaus höher. Wie hoch genau, kann die Schulleiterin noch nicht beziffern. Um am Mittwoch mit dem Unterricht beginnen zu können, sind am Feiertag Lehrerinnen und Lehrer zur Schule gekommen, um alles aufzuräumen. Die Schulgemeinschaft sei ebenfalls informiert worden, so Susanne Schwahn.

Das gilt auch für das Fanny-Leicht-Gymnasium in Stuttgart-Vaihingen, wo die Schulleiterin Antje Rannert die Elternschaft über einen Einbruch am 29. Dezember informiert hat. Dort ist laut Polizei die rund zehn Meter lange Deckenbeleuchtung der großen Halle heruntergerissen worden. „Diese Schäden bedeuten, dass zum einen unsere große Halle noch für einige Wochen nur eingeschränkt genutzt werden kann. Der Haupteingang ist bis auf Weiteres geschlossen. Zum anderen, dass für viel Geld die Schäden behoben werden müssen“, schreibt die Schulleiterin. Die Polizei schätzt den Sachschaden dort auf 20.000 Euro.

Heftig gewütet haben Unbekannte auch in der Wolfbuschschule in Weilimdorf. Die Täter haben eine Terrassentür aufgehebelt und sind so ins Untergeschoss gelangt. Dort zerstörten sie ein Waschbecken, sodass ein Rohrbruch entstand, Das Untergeschoss wurde geflutet. Im Gebäude brachen die Täter Türen und Schränke auf, durchwühlten sie und beschädigten in der Küche einen Herd sowie die Einrichtung im Lehrerzimmer. Der Schaden beträgt nach ersten Schätzungen mehrere Hunderttausend Euro.

Tür am Solitude-Gymnasium nach dem Einbruch Foto: Solitude-Gymnasium

Und gerade so geht es weiter. Betroffen sind außerdem zwei Kindergärten in Untertürkheim und einer in Weilimdorf. Dazu kommen zwei berufliche Schulen im Stuttgarter Norden, eine Schule im Süden, die Grundschule Kaltental, wo sämtliche Räume verwüstet und unter anderem Fernseher, Bildschirme und Tablets zerstört worden sind, sowie zwei Schulen in Hohenheim. Darunter findet sich das Paracelsus-Gymnasium. Dort wurden nicht nur Türen und Spinde aufgebrochen. „Die Täter haben zudem im Lehrerzimmer einen Wasserhahn aufgedreht und das Zimmer unter Wasser gesetzt“, sagt Widmann.

Konkrete Hinweise auf die Täter hat die Polizei noch nicht. Im Raum steht dabei die Frage, ob es sich um eine zufällige Häufung der Vorfälle handelt oder womöglich eine Gruppe am Werk ist. Allerdings ist die Art und Weise der Einbrüche sehr merkwürdig und entspricht nicht dem üblichen Raster.

Ungewöhnliches Vorgehen

„Die Intention ist völlig unklar. Für Schüler, ehemalige Schüler oder Jugendliche als Täter spricht der Vandalismus“, sagt Polizeisprecher Widmann. Solche sinnlosen Zerstörungen gingen normalerweise nicht auf das Konto von professionellen Einbrechern: „Die machen so etwas nicht.“ Schließlich kostet der Zerstörungswahn Zeit und erhöht die Gefahr, entdeckt zu werden. Außerdem sind an verschiedenen Schulen mögliche Beutestücke wie Tablets oder Fernseher nicht mitgenommen, sondern zerstört worden. Die schiere Zahl der Vorfälle allerdings passt wiederum nicht zu Schülern oder Gelegenheitstätern.

Geprüft wird auch, ob die zahlreichen Einbrüche in und um Stuttgart etwas mit einem Quartett junger Männer zu tun haben könnten, das am Montagabend in Filderstadt-Bernhausen festgenommen worden ist. Ein Zeuge hatte einen Einbruch in eine Schule bemerkt und die Polizei verständigt. Die Verdächtigen im Alter zwischen 16 und 18 Jahren sitzen in Untersuchungshaft.

Sicher ist vorläufig nur: Die betroffenen Schulen und Kindergärten werden noch einige Zeit mit den Aufräumarbeiten zu tun haben. Und die Allgemeinheit kosten die Zerstörungen sehr viel Geld. Wie viel genau, steht derzeit noch nicht fest – es könnte in die Millionen gehen.