Ein Duo aus Ostfildern hat das Online-Konzept Kitamia entwickelt, das Abläufe optimieren soll. Ein Kindergarten im Ostfilderner Stadtteil Nellingen nutzt die Software bereits.
Was für ein Heckmeck nur für eine warme Mahlzeit. Wenn man Maria Krämer und Sandro Coletti glauben darf, kommt die Bestellung eines Mittagessens für Kindergartenkinder nahezu einem Staatsakt gleich. Eltern sprechen sich in drei Whatsapp-Gruppen ab, das Erziehungspersonal arbeitet zusätzlich mit einem Aushang vor Ort und jeder Menge Papier. Der Snack muss zwei Wochen im Voraus bestellt und auch vorab bezahlt werden. Und wenn dann das Kind am betreffenden Tag keinen Appetit auf Tortellini hat oder einfach nicht in der Kita ist, weil es krank im Bett liegt? Pech gehabt.
Maria Krämer und Sandro Coletti haben derartige Vorgänge so oder so ähnlich bereits selbst erlebt. Die 32-Jährige aus Kemnat und der 37-jährige Nellinger sind Eltern von jeweils zwei Kindern. Maria Krämer spricht von einem „Riesendurcheinander“, das bei solchen Dingen entstehen kann. Das koste Nerven und Zeit – für die Eltern und das Team in der Betreuungseinrichtung.
Krämer und Coletti haben eine Firma gegründet
Um Abläufe zu vereinfachen und Entlastung im organisatorischen Alltag zu schaffen, haben sich die beiden Kitamia ausgedacht, ein Online-Konzept. „Wir digitalisieren analoge Prozesse“, sagt Sandro Coletti. Sprich: Der Essenswunsch, der bislang mitunter über Zettel weitergereicht werden musste, wird per Klick geäußert. Sandro Coletti hat das System, die Homepage und auch die dazu gehörige Handy-App als selbstständiger Entwickler kreiert. „2019 habe ich damit begonnen, Excel-Listen zu digitalisieren“, erzählt er. In diesem Jahr haben die beiden Mitglieder des Gesamtelternbeirats Ostfildern die Firma Kitamia GmbH gegründet. Maria Krämer tritt als Geschäftsführerin auf.
Beide betonen: Kitamia kann mehr, als Essensbestellungen vereinfachen: Öffnungs- und Schließzeiten der Einrichtung mitteilen, Kinder abmelden, Infos austauschen, Events erstellen, Elterngespräche vereinbaren. Das alles funktioniere über die App. Das Konzept sei aus dem Gesamtelternbeirat zusammen mit den Einrichtungen und den Eltern entstanden. Im evangelischen Olga-Kindergarten in Nellingen wird Kitamia bereits seit 2021 genutzt. „Seither sind der Kindergarten und die Eltern entlastet“, sagt Maria Krämer.
Bislang habe allein die Koordination der Mittagsmenüs das Personal in der Einrichtung ein bis zwei Stunden am Tag gebunden, nun sei der Prozess insoweit automatisiert, als dass Eltern bis 7.59 Uhr per Klick bestimmen könnten, was ihr Kind noch am selben Tag mittags isst oder ob die Speise vielleicht doch abbestellt werden soll.
Jetzt ist Klinken putzen angesagt
Der Olga-Kindergarten ist bisher die einzige Einrichtung, die Kitamia nutzt. Wenn es nach den Erfindern geht, soll sich das ändern. Schon heute gebe es Insellösungen durch diverse Apps, deren Funktionen könne man zusammenführen. „Das gibt es so noch nicht“, sagt Maria Krämer. Das Duo ist daher mit Klinken putzen beschäftigt. Beim Trägerverbund des evangelischen Kirchenbezirks Bernhausen habe man ebenso vorgesprochen wie bei der Stuttgarter Jugendhausgesellschaft, der Kindersportschule Ruit und beim Präsidenten des Gemeindetags, denn „uns geht es nicht nur um Kindergärten, sondern um alle Institutionen, die Kinder betreuen“, sagt Maria Krämer. Mit der Stadtverwaltung Ostfildern und den Gemeinderatsfraktionen sei man ebenso intensiv im Austausch. Deren Rückmeldung sei positiv. Beschlüsse oder Anträge gebe es indes noch nicht. Maria Krämer sagt: „Die Verwaltungsmühlen laufen in einer anderen Geschwindigkeit als wir das tun.“
Weitere Informationen im Internet unter www.kitamia.de