Verwaiste Ladesäulen im Rotebühlhof. Sie sind nur noch über einen gebührenpflichtigen Parkplatz erreichbar. Foto: Sebastian Steegmüller

Die EnBW und die Betreiberin zweier Parkplätze in der Innenstadt gehen mit Pollern gegen Falschparker an Ladestationen vor. Und bestrafen Fahrer von E-Autos gleich mit.

Die Energie Baden-Württemberg AG (EnBW) hat in der Stuttgarter Innenstadt zwei große Schnellladestationen für E-Autos errichtet. Batteriebetriebene Fahrzeuge sucht man sowohl an den Ladesäulen an der Universität Stuttgart als auch am Rotebühlplatz die meiste Zeit offenbar vergeblich. „Seit einigen Wochen sind sie in der Regel verwaist“, sagt Klaus Averdung, der mit seinem Wagen ebenfalls einen Bogen um die beiden Elektrotankstellen macht. Der Grund: Poller versperren die direkte Zufahrt. Stattdessen müssen die Nutzer über die Parkplätze am Rotebühlhof beziehungsweise an der Kepplerstraße fahren – und ein Parkticket ziehen.

 

Zu den Stromkosten kommen Parkgebühren

Der Ladevorgang dauert bei einem modernen Fahrzeug knapp 30 Minuten. Zu den Stromkosten kommt noch eine Parkgebühr von 1,50 beziehungsweise 1,80 Euro hinzu. Reicht die halbe Stunde nicht aus, verdoppelt sie sich. „Das ist absurd“, sagt Averdung. Er könne nicht verstehen, dass er extra zahlen müsse, nur um einen Schnellladeplatz anzufahren. „Wenn das so weiter geht, kann ich auch bald wieder einen normalen Benziner fahren“, so der 63-Jährige.

Die Poller versperren die direkte Durchfahrt zu den Ladesäulen im Rotebühlhof. Foto: Sebastian Steegmüller

Kaum vorstellbar, wie groß der Aufschrei wäre, müsste man an einer Tankstelle Parkgebühren bezahlen. Doch auch die Nutzer der Schnellladesäulen verschaffen ihrem Ärger Luft. Im Internet hagelt es reihenweise schlechte Bewertungen für die beiden Ladeparks. „So wird es nichts mit mehr E-Mobilität“, ist in einer Rezension zu lesen.„War öfters da zum Laden. Mal schauen, wie lange die EnBW das mitmacht, wenn keiner mehr kommt. Tolle E-Mobilität in Deutschland“, kritisiert eine E-Autofahrerin. Ein Leidensgenosse merkt an, dass die Ladesäulen am Finanzamt „nur noch in absoluten Notfällen und von Ahnungslosen angefahren werden“. Wie viele andere Nutzer vergibt er lediglich einen von fünf möglichen Sternen.

Parkende Autos blockieren Ladesäulen

Doch weshalb setzt man überhaupt auf Poller vor den Ladesäulen? „Leider wurden die Ladestationen seit ihrer Inbetriebnahme regelmäßig als Parkplätze genutzt“, teilt die EnBW in einem gemeinsamen Statement mit der Betreiberin des Parkplatzes, der Parkraumgesellschaft Baden-Württemberg (PBW), mit. Damit seien die Lademöglichkeiten blockiert worden. „Außerdem haben wir immer wieder E-Autos gesehen, die deutlich länger standen, als der eigentliche Ladevorgang dauern würde. Vermutlich auch als kostengünstige Option eines zentral gelegenen Parkplatzes“, so eine Sprecherin des Energieversorgers. „Die Schnellladesäulen im Stadtzentrum sind aber für kurze Standzeiten gedacht. Damit möglichst viele Nutzerinnen und Nutzer davon profitieren können. Ziel ist es, die Ladeinfrastruktur effizient und fair auszulasten. Ähnlich, wie man an einer Zapfsäule an der Tankstelle nicht unbegrenzt stehen bleibt.“

Grundsätzlich könne man Fahrzeuge, die an Ladesäulen parken, abschleppen lassen. „Es sollte aber das letzte Mittel sein, da hierdurch sehr hohe Kosten entstehen können“, so die EnBW-Sprecherin. Sie betont, dass man letztlich auf die Poller gesetzt habe, weil verschiedene Maßnahmen zu keiner Verbesserung der Situation geführt hätten. Eine Sprecherin der PBW fügt hinzu, dass die Absperrung kurzfristig Falschparker abgeschreckt habe. „Gemeinsam mit unserem Partner, der EnBW, haben wir entschieden, die Poller wieder zu entfernen.“ Dieser Schritt soll im September erfolgen. „Künftig setzen wir auf konsequente Parkraumkontrollen.“ Verstöße können sanktioniert werden, wodurch die Ladeplätze dauerhaft für Ladevorgänge freigehalten werden sollen. An den Ladesäulen weist ein Schild daraufhin, dass das Parken ohne Berechtigung mindestens 55 Euro kostet.