Papst Benedikt XVI. mit einer Prachtbibel während eines Gottesdienstes im Petersdom in Rom (Juni, 2010). Foto:  

Wussten Sie, dass Protestanten 66 biblische Bücher als „kanonisch“ anerkennen und Katholiken 73? Und was heißt „deuterokanonisch“? Wir erklären es.

Stuttgart -  Das Wort Bibel (von altgriechisch „biblia“, Bücher) bezeichnet die Sammlung der heiligen Schriften von Juden und Christen. „Tanach“ ist der Name für die jüdische Bibel, die aus insgesamt 24 Büchern besteht: Tora (Weisung), Nevi (Propheten) und Ketiuvim (Schriften).

66 biblische Bücher bei Protestanten – 73 bei Katholiken

Die evangelischen Kirchen haben diese Schriften der jüdischen Bibel – des Tanach – übernommen, allerdings in 39 Bücher eingeteilt. Hinzu kommen die 27 Schriften des griechischen Neuen Testaments – zusammen 66 Bücher. Katholische Bibeln hingegen umfassen 73 Bücher.

Dieser numerische Unterschied hat folgenden Grund: Der Reformator Martin Luther (1483-1546) hatte sieben Bücher, die im Judentum aus dem Tanach ausgeschlossen worden und in der katholischen Tradition Teil der Bibel waren, aus seiner Bibelübersetzung entfernt. Diese sogenannten deuterokanonischen Schriften wurden ursprünglich in die „Vulgata“, die lateinische Übersetzung der griechischen Bibel (die auch „Septuaginta“ heißt) Ende des Vierten Jahrhunderts aufgenommen.

Bücher „erster“ und „zweiter“ Klasse

Das Wort deuterokanonisch kommt vom Griechischen „deuteros“, zweiter. Das Gegenteil ist protokanonisch (von griechisch „protos“, erster), womit alle Schriften des Alten Testaments bezeichnet werden, die in der jüdischen und evangelischen Bibel enthalten sind.

Mit deuterokanonischen Schriften ist Folgendes gemeint: Die bereits erwähnten sieben Schriften des Alten Testaments werden von der katholischen Kirche und teilweise von der orthodoxen Kirche sowie den altorientalischen Kirchen als fester Bestandteil der Bibel angesehen. Es handelt sich um das Buch Judit, das Buch Tobit, 1. und 2. Makkabäer, das Buch Baruch, die Weisheit Salomos, Jesus Sirach sowie die Anhänge zum Buch Ester und Daniel.

„Vulgata“, Septuaginta“, „Vetus Latina“

Zusammen mit den anderen Büchern des Alten Testaments (seit der „Vulgata“ sind dies 39) gelten sie als kanonisch. Dass heißt: Diese 46 Bücher wurden um das Jahr 400 von der Kirche endgültig als Teil der Bibel festgelegt (kanonisiert) und damit zum Maßstab (Kanon) des Glaubens und der Religionsausübung.

Als „Vulgata“ (von Lateinisch „vulgáta“, im Volk verbreitet) bezeichnet man die lateinische Bibelübersetzung. Seit der Spätantike hatte sie sich gegen ältere lateinische Übersetzungen durchgesetzt. Die „Vulgata“ basiert auf der lateinischen Übersetzung der biblischen Schriften aus dem Hebräischen und Griechischen durch den Kirchenvater Hieronymus (347-420 n. Chr.).

Die älteren Übersetzungen werden auch unter dem Begriff „Vetus Latina“ oder Altlateinische Bibel (von Lateinisch „vetus latina“, alte lateinische) zusammengefasst. Es handelt sich um sämtliche Übersetzungen der alt- und neutestamentlichen Schriften in die Lateinische Sprache, die vor der „Vulgata“ in Gebrauch waren. Die „Vulgata“ war in der Spätantike und im Mittelalter die maßgebliche Bibelausgabe der Kirche.

Aramäisch – die Alltagssprache zur Zeit Jesu

Die „Septuaginta“ (griechisch für „Übersetzung der Siebzig“) wiederum ist die älteste vollständige Übersetzung der hebräisch-aramäischen Bibel (Aramäisch war zur Zeit Jesu die Umgangssprache) in die antike altgriechische Alltagssprache, der sogenannten Koine. Die griechische Übersetzung entstand ab 250 v. Chr. und war bis 100 n. Chr. abgeschlossen.

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