Diese vier VfB-Profis fahren zur WM: Angelo Stiller (links oben), Torwart Alexander Nübel, Jamie Leweling (links unten) und Deniz Undav. Den kompletten WM-Kader finden Sie in unserer Bildergalerie. Foto: Imaga/Beautiful Sports (2), Rudel, Michael Weber

Angelo Stiller, Alexander Nübel, Deniz Undav und Jamie Leweling werden von Bundestrainer Julian Nagelsmann nominiert – zur zentralen Achse des DFB-Teams gehört keiner.

Erst wurde viel spekuliert, dann sickerten immer mehr Namen durch – und die Kritik an der Kommunikation von Julian Nagelsmann nahm stetig zu. Weshalb fast schon wohltuend war, wie am Donnerstag am DFB-Campus in Frankfurt der deutsche Kader für die Fußball-WM in den USA, in Mexiko und Kanada präsentiert wurde: in einem kurzen, aber emotionalen Video. Zu jedem Spieler gab es ein paar bewegende Sätze von Familienmitgliedern oder Freunden, das berührte auch den Bundestrainer. „Wir haben nicht gewürfelt und nicht gelost, sondern uns viele, viele Gedanken gemacht“, sagte Julian Nagelsmann über seine 26-köpfige Auswahl, mit der er Großes vorhat: „Wir wollen Weltmeister werden!“

 

Dazu beitragen sollen eine 40-jährige Torwart-Ikone und ein Quartett vom VfB Stuttgart. „Diese Mannschaft“, erklärte der Bundestrainer, „verkörpert den deutschen Fußball.“

Julian Nagelsmann gerät beim Thema Manuel Neuer ins Schwärmen

Das tut Manuel Neuer (FC Bayern) schon lange, zuletzt tat er es aber nicht mehr im Nationalteam. Nun folgt, zwei Jahre nach seinem Abschied, die Rückkehr – als Nummer eins. Oliver Baumann (TSG Hoffenheim), dem diese Rolle versprochen worden war, wird zurückgestuft. Wie auch Alexander Nübel (VfB Stuttgart). „Meine Aufgabe war, die drei besten Torhüter des Landes zu nominieren“, sagte Julian Nagelsmann. Deshalb habe er Manuel Neuer kontaktiert. Der Bundestrainer, der sichtlich darum bemüht war, eine positive Stimmung zu verbreiten, schwärmte von der „Aura“ des FCB-Keepers, von dessen „unglaublicher Qualität“ und seinen „vielen Titeln“. Kurzum: „Er gibt dem Team Sicherheit!“

Im Erklärmodus: Bundestrainer Julian Nagelsmann bei der Präsentation seines WM-Kaders in Frankfurt. Foto: Imago/Schüler

Folglich wird Manuel Neuer, im Gegensatz zu Oliver Baumann („Das war ein Schlag für ihn“), zur zentralen Achse des deutschen WM-Teams gehören. Zu dieser rechnet der Coach auch Joshua Kimmich, Florian Wirtz, Jamal Musiala und Kai Havertz. Weil zudem die bayerischen Defensivkräfte Jonathan Tah und Alexander Pavlovic gesetzt sein dürften, gibt es in der WM-Startelf nicht mehr allzu viele freie Plätze. Weshalb sich die Frage stellt: Welche Rolle spielen eigentlich die VfB-Profis?

Angelo Stiller musste am härtesten um seinen Platz kämpfen

Akteure mit Stuttgarter Vergangenheit (Joshua Kimmich, Antonio Rüdiger, Nick Woltemade, Waldemar Anton) stehen einige im deutschen Kader, dazu kommen neben Alexander Nübel drei weitere Profis aus dem aktuellen VfB-Team, das an diesem Samstag (20 Uhr) das Pokalfinale gegen den FC Bayern bestreiten wird. Am härtesten um seinem Platz kämpfen musste Angelo Stiller.

Den Mittelfeldregisseur des VfB hatte der Bundestrainer zunächst nicht für die Länderspiele im März in der Schweiz und gegen Ghana nominiert. Wegen einer Verletzung von Felix Nmecha (Borussia Dortmund) rückte Stiller nach und kam zweimal von Beginn an zum Einsatz. „Er war in einer schwierigen Situation, hatte extremen Druck. Mit seiner Leistung war ich superzufrieden. Er hat große Ruhe ausgestrahlt“, sagte Nagelsmann, „und auch in der Bundesliga hat er zuletzt gegen Bayer Leverkusen gezeigt, was in ihm steckt. Er ist ein herausragend guter Spieler. Pavlovic und Stiller sind die beiden besten tiefen Sechser in der Bundesliga.“ Dennoch wäre es eine Überraschung, würde Stiller am 14. Juni beim WM-Auftakt in Houston gegen Curaçao in der deutschen Startelf stehen. Was auch für zwei Vereinskollegen von ihm gilt.

Nagelsmann über Deniz Undav: „Er trifft extrem viel“

Dass er Deniz Undav, mit 19 Toren der gefährlichste deutsche Stürmer der Bundesliga, eine Joker-Rolle zugedacht hat, daraus machte Julian Nagelsmann nie ein Geheimnis – auch wenn der Bundestrainer bei der Nominierungsveranstaltung die besonderen Qualitäten des VfB-Stars hervorhob: „Er trifft extrem viel.“ Wie Undav muss auch Jamie Leweling davon ausgehen, zunächst mal auf der Bank zu sitzen – weil der Coach dessen Flexibilität schätzt. Der VfB-Außenbahnspieler habe eine „große Positionsvariabilität“, erklärte Nagelsmann: „Wir haben uns für ihn entschieden, weil er mehrere Positionen abdecken kann.“ Im Gegensatz zu einem weiteren VfB-Stürmer.

Chris Führich habe eine „starke Rückrunde“ absolviert und werde auch im Pokalfinale „ein tolles Spiel“ machen, meinte der Bundestrainer. Warum er, im Gegensatz zu Jamie Leweling oder Leroy Sané, nicht mit in die USA reisen dürfe? Liege daran, dass Chris Führich im Kreise des Nationalteams „nie sein komplett befreites VfB-Gesicht“ habe zeigen können: „Er war ein absoluter Härtefall.“ Wie auch Maximilian Mittelstädt.

Beim Linksverteidiger des VfB habe ihm die Absage „extrem wehgetan“, sagte der Bundestrainer. Denn: Sportlich habe sich Mittelstädt „nicht viel“ vorzuwerfen. Letztlich sei ihm zum Verhängnis geworden, dass er im Vorfeld der WM-Qualifikation „kurz geschwächelt“ habe. In dieser Zeit hätten sich David Raum und Nathaniel Brown etabliert, nun gebe es keinen Grund, einen der beiden auszutauschen: „Maxi hätte es verdient gehabt, dabei zu sein. Die anderen zwei aber auch.“

 Damit ist der VfB genauso zahlreich im deutschen Kader vertreten wie bei der Heim-EM 2024 (Undav, Anton, Mittelstädt, Führich). Vor zwei Jahren schied das DFB-Team im Viertelfinale in Stuttgart nach einer starken Leistung gegen den späteren Europameister Spanien unglücklich aus, und auch diesmal sieht Julian Nagelsmann seine Mannschaft für die großen Herausforderungen gut gerüstet: „Wir müssen das am besten funktionierende Team der WM sein.“