Die Beförderung des Torwarts zur neuen Nummer eins ist mutig, aber konsequent, meint David Scheu. Nun kommt es darauf an, ihm auch bei Schwankungen den Rücken zu stärken.
Noch steht der Transfersommer ganz am Anfang, noch wird sich viel tun im Kader des VfB Stuttgart – eine zentrale Weiche hat der Club aber bereits gestellt. Der Aufstieg von Torhüter Dennis Seimen (20) zur neuen Nummer eins schafft früh Klarheit auf einer wichtigen Position, auf der Alexander Nübel drei Jahre lang für viel Stabilität gesorgt hat.
Dass intern zuletzt über die Beförderung des Bundesliga-unerfahrenen Toptalents nochmals diskutiert wurde, ist nachvollziehbar. Schließlich warten auf den VfB große Aufgaben und Gegner in einer Saison mit Auftritten in der Champions League. Die Entscheidung ist daher mutig – vor allem aber konsequent.
Seimen ist Talentstatus entwachsen
Denn: Dass die Stuttgarter auf den Youngster setzen, stellt mitnichten ein Wagnis ohne jede Gewähr dar. Seimen ist dem Status des hoffnungsvollen Talents schon länger entwachsen, er hat zwei Spielzeiten als Profi hinter sich, in denen er ein großer Stabilitätsfaktor seiner Mannschaften war. Erst beim VfB II in der dritten Liga, dann beim SC Paderborn in der zweiten Liga, gekrönt vom Aufstieg.
Schon jetzt verfügt er über eine hohe Präsenz im Strafraumspiel und starke Reflexe im Eins-gegen-eins. Dass der gebürtige Heilbronner im eigenen Nachwuchs des VfB spielte, verleiht der Personalie eine wichtige Signalwirkung nach Jahren ohne große Durchlässigkeit zwischen Jugend und Profis – ist aber nicht der Grund der Beförderung. Dennis Seimen hat seine Fähigkeiten nachgewiesen.
Seimen ist nicht die einzige junge Nummer eins
Dass der nächste Schritt jetzt ein großer ist, steht außer Frage. Natürlich befindet sich das Stuttgarter Eigengewächs noch lange nicht am Ende seiner Entwicklung, natürlich werden ihm Fehler unterlaufen. Es wäre jedoch ein Trugschluss zu glauben, dass die Verpflichtung eines erfahrenen Schlussmanns diese Risiken ausgeschlossen hätte.
Und: Viele Bundesligisten setzen mittlerweile auf hochveranlagte, gut ausgebildete junge Torhüter und machen damit gute Erfahrungen. In der abgelaufenen Saison zählten der Freiburger Noah Atubolu (24), der Bremer Mio Backhaus (22) und – wenn er denn spielte – Bayerns Torwart-Kronprinz Jonas Urbig (22) zu den besten Schlussmännern der Liga. So weit ist Seimen selbstredend noch nicht, sein Bundesliga-Debüt steht ja erst noch aus. Nun wird es darauf ankommen, den Weg mit aller Konsequenz zu gehen und dem Keeper auch bei Schwankungen den Rücken zu stärken. Dann kann es eine Erfolgsgeschichte werden.