Alain Delon im Jahr 1969 Foto: AP

Schauspieler Alain Delon und Sängerin Nico  liebten sich wie sie lebten: schnell und wild.

Paris - Sich selbstzerstörerisch zu lieben, möglichst öffentlich - wer das beherzigt, hat gute Chancen, als Paar Berühmtheit zu erlangen. Die Sängerin Nico und den Schauspieler Alain Delon verband eine kurze Amour fou.

Eigentlich gehört die Geschichte nicht hierher, könnte man meinen. Ob die Sängerin Nico und den Schauspieler Alain Delon je eine Liebe verband, die über die rein körperliche hinausgeht, bleibt ihr Geheimnis. Ein Paar im herkömmlichen Sinne zumindest waren die beiden nie, schließlich war Delon zu der Zeit mit Romy Schneider liiert, Nico mit dem Filmemacher Nico Papatakis, von dem sie ihren Künstlernamen hat.

Nico und Delon lernen sich am Set von Federico Fellinis "La Dolce Vita", das süße Leben, kennen. Nico, bürgerlich Christa Päffgen, wird 1938 in Köln geboren. Mit 16 Jahren wird sie als Fotomodell entdeckt, 1954 geht sie von der Schule ab und arbeitet als Mannequin. Sie zieht nach Paris, wo sie für "Vogue" und Coco Chanel arbeitet.

Liebe auf der Überholspur

Alain Delon zählt vor allem in den 1960er und 1970er Jahren zu den populärsten französischen Stars. Seit seinem Auftritt als "Ein eiskalter Engel" (1967) ist Delon oft als Killer und Unterweltler zu sehen.

Nico und Delon lieben sich wie sie leben: schnell, wild, auf der Überholspur. Sie verbindet eine Liebe, die nach gewöhnlichen Maßstäben nicht vernünftig ist, da sie keine Aussicht auf Bestand hat. Eine Amour fou. Wer will sagen, ob das mehr oder weniger ist als die dauerhafte Liebe eines Paares?

Der schönste Mann der Welt

Für Nico ist Alain Delon "der schönste Mann der Welt". Am 11. August 1962 bringt sie seinen Sohn Aaron Päffgen, genannt Ari, zur Welt. Die 24 Jahre alte Nico macht einen verhängnisvollen Fehler, als sie den Namen des Vaters nicht registrieren lässt. Denn Delon erkennt seinen Sohn nie an - die Ähnlichkeit der beiden jedoch spricht Bände.

Delons Anwalt spricht von einer "juristisch anzuzweifelnden inexistenten Verwandtschaft", obschon Delon Ari gegenüber später durchaus eingeräumt haben soll, mit Nico geschlafen zu haben. Das zumindest schreibt Ari in seiner Autobiografie und dem Bestseller "L'amour n'oublie jamais" (Die Liebe vergisst nie), die 2001 erscheint.

Auch Nico scheint ihre enttäuschte Liebe in ihrer Kunst zu verarbeiten. In dem Song "These days", der 1967 auf ihrem ersten Soloalbum "Chelsea Girl" erscheint, singt sie die Liedzeilen "I had a lover, I don't think I'll risk another" (Ich hatte einen Liebhaber, ich denke nicht, das ich einen weiteren riskieren werde). Vielleicht meint sie damit aber auch Lou Reed, mit dem sie in der Zwischenzeit nicht nur zusammen mit der Band The Velvet Underground die berühmte Platte "The Velvet Undergrund and Nico" aufgenommen, sondern auch eine Affäre hatte.

Nico ist mit der Erziehung überfordert

Ari wächst in seinen frühen Tagen in der New Yorker Underground-Szene auf: Er sitzt auf den Knien von Andy Warhol, reitet auf den Schultern von Bob Dylan, wird von Lou Reed und John Cale von The Velvet Underground verhätschelt. Er verleibt sich die Reste der Drogenpartys ein: bunte Pillen und Wodka. Nico ist mit der Erziehung überfordert und überantwortet ihren Sohn ihrer Mutter, die allerdings an der Parkinsonkrankheit leidet.

Alain Delons Mutter Edith, die seit ihrer zweiten Ehe den Familienname Boulogne trägt, erfährt aus der Pariser Klatschpresse von der Existenz ihres mutmaßlichen Enkels. Sie lässt Ari entführen und zieht ihn in Bourg-la-Reine auf. Später schreibt sie: "Niemand kann mir je die Gewissheit nehmen, dass Ari der Sohn meines Sohns ist."

Kampf um Delons Anerkennung

Alain Delon bricht daraufhin den Kontakt zu seiner Mutter ab. Edith Boulognes zweiter Mann adoptiert Ari, aus dem Päffgen wird ein Boulogne. Nico wird nicht gefragt, ob sie mit der Adoption einverstanden ist. In New York singt Lou Reed in dem Lied "The Kids" für Nico die Zeile "They're taking her children away" (Sie nehnem ihr die Kinder weg).

Mit 17 Jahren kommt Ari wieder zu Nico. Mutter und Sohn leben symbiotisch zusammen, schlafen im selben Bett und teilen sich die Heroinnadel. Aus einem dreiwöchigen Drogenkoma holen Ari die Ärzte nur mühsam heraus. Nico nimmt die Geräusche der Herz-Lungen-Maschine auf Tonband auf, um sie in einem Song zu verwenden.

Ab und zu ein Scheck von Delon

Im Jahr 1988 schwingt sich Nico an einem heißen Sommertag auf Ibiza auf ihr Fahrrad. Sie erleidet einen Schlaganfall. Man bringt sie ins Krankenhaus, doch jede Hilfe kommt zu spät. "Es war die Sonne", sagt Ari später. "Die Sonne hat sie umgebracht." Nico liegt bei ihrer Mutter auf dem Selbstmörderfriedhof im Berliner Grunewald.

Bei Ari bleibt die Besessenheit, vom Vater anerkannt zu werden. Manchmal ist Delon nett zu Ari. Er gibt ihm einen Scheck. Schreibt ein paar Zeilen und unterzeichnet sie mit "zärtlich, Alain". Andererseits bezahlt er nie Unterhalt und sagt zu Ari: "Du hast weder meine Augen noch meine Haare. Du bist nicht mein Sohn, du wirst es nie sein." Alain Delon ist im November 75 Jahre alt geworden.

Es ist nicht bekannt, dass sich Nico und Alain Delon vor Nicos Tod noch einmal begegnet sind. Aber die Liebe vergisst nie.

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