VfB-Trainer Sebastian Hoeneß und sein Topstürmer Deniz Undav. Foto: Baumann/Hansjürgen Britsch

Beim VfB Stuttgart genießt Deniz Undav das Vertrauen der Verantwortlichen. Das bedeutet zwar keinen Freifahrtschein, bringt dem Stürmer aber Sicherheit. Und er zahlt zurück.

Selbstverständlich hatte er die Frage erwartet. Schließlich war es ja nicht nur die Pressekonferenz vor dem Spiel des VfB Stuttgart gegen Borussia Dortmund (Samstag, 18.30 Uhr) gewesen. Sondern auch der erste Austausch zwischen Sebastian Hoeneß und den Journalisten nach der Länderspielpause. Die thematisch von Deniz Undav bestimmt war. Oder besser: Vom Umgang des Bundestrainers mit dem Stuttgarter Stürmer.

 

Hoeneß also gab sich dann erwartbar diplomatisch. „Ich will nicht viel zu der Thematik sagen“, erklärte er – um dann doch deutlich zu werden. Was den Wert von Deniz Undav für eine Mannschaft bedeuten kann. In diesem Fall: Für seine vom VfB Stuttgart.

„Wir haben in Deniz einen Spieler, der häufig den Unterschied macht“, sagte Hoeneß unter anderem, als es in dem Gespräch darum ging, die generellen Stärken seiner Mannschaft hervorzuheben. Er betonte zudem: „Du brauchst am Ende immer einen, der finalisiert. Da haben wir nicht nur Deniz, aber er muss da in erster Linie genannt werden.“ Die Statistiken des Angreifers seien „enorm“.

23 Tore und 13 Vorlagen in 38 Pflichtspielen stehen in der Zwischenbilanz des 29-Jährigen, der in der ersten Saisonphase noch verletzt gewesen ist. Danach startete er im Herbst voll durch, machte – weil dann Ermedin Demirovic fehlte – nahezu jedes Spiel und sammelte schon da viele Scorerpunkte und unzählige Einsatzminuten. Dennoch berichtete Julian Nagelsmann kürzlich, er habe Undav im darauffolgenden Dezember „einen Maßnahmenkatalog“ mitgegeben.

Ins Detail ging der Bundestrainer da noch nicht. Das holte er rund um die Länderspiele gegen die Schweiz (4:3) und Ghana (2:1) nach. Im ersten der beiden Tests saß Undav komplett auf der Bank – Nagelsmann wollte lieber Kai Havertz (lange Verletzungspause) und Nick Woltemade (Formkrise) Spielminuten schenken. Undav sei eh gut drauf, meinte der Coach zudem – und begann, eher irritierende Sätze zu sagen.

Deniz Undav nämlich habe seine kreativen Momente zuvorderst dann, wenn der Gegner müde sei. Gegen Ghana spielte der VfB-Angreifer dann in der zweiten Hälfte und machte kurz vor Schluss das entscheidende Tor. Was Nagelsmann zu der Annahme verleitete, dass Undav diesen Treffer womöglich nicht gemacht hätte, wenn er zuvor „70 Minuten marschiert“ wäre. Zudem meinte der Bundestrainer betonen zu müssen, Undav habe vor seinem Treffer „nicht gut“ gespielt.

VfB-Statistik spricht für Deniz Undav

Die öffentliche Kritik trotz des Siegtores verwunderte – durchaus auch beim VfB Stuttgart. Wo die Statistiken auch gegen Nagelsmanns Einschätzungen sprechen. Undav spielt im Club nämlich fast immer von Beginn an (33 von 38 Partien), wird selten früh ausgewechselt – und sammelt seine Scorer sowohl in frühen, als auch in späteren Spielphasen.

„Deniz liefert die Antworten auf dem Platz“, sagte Sebastian Hoeneß am Donnerstag also auch. Dabei hat der Coach des VfB mit seinem Fan-Liebling auch nicht nur rosige Zeiten erlebt. In der vergangenen Saison, als es bei der ganzen Mannschaft im Frühjahr nicht mehr lief, hatte auch Undav seine Durchhänger. Natürlich gab es da hinter den Kulissen auch Gespräche, nach außen hin stärkte der Coach seinem Angreifer aber stets den Rücken. Was dieser zurückzahlte. In der Schlussphase der Saison 2024/2025 unter anderem im Pokalfinale. Und in dieser Saison erst recht.

Wie es in der Beziehung zwischen Undav und dem Bundestrainer weitergeht, ist offen. Für Sebastian Hoeneß ist eines aber klar. Sportliche Antworten werde der Stürmer „auch die nächsten Wochen wieder“ geben.

Martin Harnik spielte von 2010 bis 2016 für den VfB Stuttgart. Foto: IMAGO/DeFodi Images

Auch deshalb ist es für einen ehemaligen VfB-Stürmer nicht richtig gewesen, dass Julian Nagelsmann sich in seiner Rollendefinition schon jetzt im März auf Undavs Jokerrolle im Nationalteam festgelegt hat. „Bei der EM hatte Julian Nagelsmann auch diese Rollenverteilung, die ich sehr gut und wichtig finde“, sagte Martin Harnik zwar. Der Österreicher fügte in seinem eigenen Podcast „Flatterball“ aber auch an: „Bei Undav sehe ich es aufgrund der Leistungen von ihm und der Nicht-Leistungen seiner Konkurrenten für zu frühzeitig an.“

Nun suche der Bundestrainer beim Stuttgarter „die Nadel im Heuhaufen, er sucht nach Gründen, um seine Entscheidung, die er unnötigerweise frühzeitig getroffen hat, zu untermauern“. Das sei, so Harnik, „ein fataler Führungsfehler.“