In Stuttgart-Feuerbach, wo die Fahrprüfungen beginnen, hat der Tüv Süd eines seiner Service-Center. Foto: Ferdinando Iannone

Der Prüfverein bleibt der Mitgliederversammlung fern und kritisiert den Fahrlehrerverband Baden-Württemberg dafür, wie er die öffentliche Debatte über Abfahrtsorte für Prüfungen in Stuttgart führt. Der Verbandsvorsitzende hält dagegen.

Wie geht es in der Debatte über den Wegfall von Abfahrtsorten für Fahrprüfungen in Stuttgart und angrenzenden Kreisen weiter? Darüber hätten sich Vertreter von Fahrschulen im Land, der Verbandsseite und des Technischen Überwachungsvereins (Tüv) Süd am Samstag austauschen können. Daraus wird aber nichts. Denn die zuständige Prüforganisation hat ihre Teilnahme an der Mitgliederversammlung des Fahrlehrerverbands Baden-Württemberg (FLVBW) in Pforzheim abgesagt. Das geht aus einem Tüv-Süd-Schreiben an die Fahrschulen im gesamten Bundesland hervor, das unserer Redaktion vorliegt. In dem Brief begründet der Prüfverein seine Entscheidung und kritisiert den FLVBW.

 

Zwei Abfahrtsorte weniger

Zur Vorgeschichte: Vor rund einem Monat informierte der Tüv Süd die Fahrschulen im Bereich Stuttgart, dass zwei Abfahrtsorte – Westbahnhof und Wangen – wegfallen werden. Vom 14. April an beginnen laut dem Brief alle Prüfungen beim Tüv Süd in Feuerbach. Fahrschulen, die Filderstadt (Kreis Esslingen) als Abfahrtsort – auch Wechselplatz genannt – bevorzugen, hätten sich bis zu diesem Datum melden müssen.

Das Schreiben zog Kritik von Fahrschulen, vom Bundesverband deutscher Fahrschulunternehmen (BDFU) und eben vom FLVBW nach sich. Betriebe und die Verbände rechnen unter anderem mit steigenden Führerscheinkosten und chaotischen Situationen in Feuerbach, weil dort nun zusätzlich auch Fahrschulen abfahren, die bislang diesen Wechselplatz nicht angesteuert haben.

Auch Bietigheim und Sindelfingen betroffen

Hinzu kommt, dass die Städte Bietigheim (Kreis Ludwigsburg) und Sindelfingen (Kreis Böblingen) ihren jeweiligen Abfahrtsort verlieren. Die betroffenen Fahrschulen müssen dadurch zum verbliebenen Wechselplatz in Ludwigsburg und Böblingen dazustoßen.

Am Austausch in Pforzheim – unter anderem über das Thema Wechselplätze – beteiligt sich der Tüv Süd nicht, will die Absage aber nicht als „Zeichen von fehlendem Verantwortungsbewusstsein und Kooperationswillen oder der Scheu vor einer offenen Auseinandersetzung“ verstanden wissen.

„Tüv Süd hat sich in der Vergangenheit stets jeder Diskussion mit den Fahrschulen und dem Verband gestellt und wird dies auch weiterhin tun – allerdings unter Rahmenbedingungen, die von gegenseitigem Respekt, Sachlichkeit und dem gemeinsamen Willen zur Problemlösung geprägt sind“, teilt der Prüfverein den Betrieben in einem Schreiben mit und fügt hinzu: „Die jetzige Absage ist vielmehr die logische Konsequenz aus dem zunehmend respektlosen Umgangston, den gezielten persönlichen Angriffen und der einseitigen, öffentlichen Stimmungsmache des Verbandes gegen Tüv Süd in den vergangenen Wochen.“

Wie der FLVBW die öffentliche Debatte geführt habe, sei inakzeptabel und stelle „kein Miteinander auf Augenhöhe dar“. In einer Art und Weise, „die dem Charakter einer lösungsorientierten und vermittelnden Interessenvertretung“ aus Sicht des Tüv Süd nicht gerecht wird, habe der Verband die Diskussion eskalieren lassen.

Der Prüfverein wirft dem Verband vor, nicht zwischen Tüv Süd und den Fahrschulen vermittelt, sondern den „Weg über Presse, Behörden und Ministerien“ gewählt zu haben.

Des Weiteren sei es nicht verhältnismäßig, bei der landesweiten Versammlung am Samstag die Wechselplätze im Marktgebiet Stuttgart zu thematisieren. Der Tüv Süd rechne „unter den gegebenen Voraussetzungen“ nicht mit einem konstruktiven Austausch, sondern mit aus dem Kontext gerissenen und verkürzt dargestellten Sachverhalten.

Verbandsvorsitzender reagiert auf Kritik

Für den FLVBW reagiert der Vorsitzende Jochen Klima auf die Kritik. Er sagte bereits vor zwei Wochen, dass der Verband dem Tüv Süd alternative Prüfungsorte vorgeschlagen habe, auf die sei aber nicht reagiert worden.

Jochen Klima ist Vorsitzender des Fahrlehrerverbands Baden-Württemberg. Foto: Klima

Klima sieht es als Pflicht des FLVBW an, sich für die Interessen der Mitglieder einzusetzen. Dass der Verband mit der Presse über das Thema spricht, in der Politik darauf aufmerksam macht und es auf die Tagesordnung einer Mitgliederversammlung setzt, verteidigt er daher. „Wir haben es immer wieder gestreut, nachdem wir gemerkt haben, dass es keine Resonanz gibt“, sagt er in Bezug auf die aus seiner Sicht ausgebliebene Reaktion des Tüv Süd.

Weil auch die Kreise Ludwigsburg und Böblingen betroffen sind, sei es auch kein auf Stuttgart zugeschnittener Punkt, der am Samstag auf der Agenda steht. Der Tüv Süd hätte als Gast wieder die Gelegenheit für ein Statement gehabt. Er sei dem Tüv gegenüber in keiner Mail bösartig oder diffamierend geworden, er habe ihm lediglich vorgeworfen, dass er nicht kundenfreundlich sei.

Austausch soll künftig weitergehen

Dass der Tüv Süd nicht teilnimmt, habe er kommen sehen, sagt Klima, „aber so wirklich nachvollziehen können wir es nicht“. Zur Absage sagt er aber auch: Der Gesprächsfaden werde dadurch nicht dauerhaft zerrissen sein. Der Tüv Süd betont, der Anspruch sei es, auch künftig mit Fahrschulen und Verbänden den Austausch zu suchen – „allerdings in geeigneten Formaten, die von gegenseitiger Wertschätzung und dem gemeinsamen Willen zur Lösung der anstehenden Aufgaben geprägt sind“.