Darmkrebs gehört zu den häufigsten Krebserkrankungen – ist jedoch gut behandelbar, wenn er früh erkannt wird. Professor Dr. Arthur Schmidt, Chefarzt der Gastroenterologie, beantwortet die wichtigsten Fragen rund um Symptome, Vorsorge und moderne Behandlungsmöglichkeiten.
Professor Schmidt, wie häufig ist Darmkrebs eigentlich und welche Teile des Darms können betroffen sein?
Darmkrebs gehört zu den häufigsten Krebserkrankungen. Bei Männern ist er die dritthäufigste, bei Frauen die zweithäufigste Krebsart.
Grundsätzlich können alle Abschnitte des Dickdarms betroffen sein, auch der Enddarm. Im Dünndarm tritt Darmkrebs dagegen nur sehr selten auf.
Was sind typische Symptome von Darmkrebs?
Darmkrebs verläuft in den frühen Krankheitsstadien meistens symptomlos. In den fortgeschrittenen Stadien ist das häufigste Symptom dagegen der Abgang von Blut im Stuhl. Selten treten auch Schmerzen oder Gewichtsverluste auf.
Wie wird Darmkrebs heute diagnostiziert?
Wir diagnostizieren Darmkrebs mithilfe einer Darmspiegelung (Koloskopie), optimalerweise im Rahmen der Darmkrebsvorsorgeuntersuchung. Natürlich gibt es auch Patientinnen und Patienten, die wegen Symptomen zur Darmspiegelung kommen – dann wird dort die Diagnose gestellt.
Bin ich während der Darmspiegelung wach?
Nein, die Darmspiegelung wird nicht im Wachzustand durchgeführt. Üblicherweise legen wir die Patientinnen und Patienten mithilfe eines Medikaments schlafen (Sedierung), sodass diese nichts von der Untersuchung mitbekommen. Die Darmspiegelung ist damit eine Untersuchung, die völlig schmerzfrei verläuft.
Kann Künstliche Intelligenz zur frühen Diagnose von Darmkrebs beitragen?
Wir setzen Künstliche Intelligenz (KI) bereits in der klinischen Routine ein. Im Rahmen der Vorsorgeuntersuchung haben wir KI-Systeme, die automatisiert Vorläuferbefunde, sogenannte Polypen, erkennen und so die Genauigkeit der Krebsvorsorge erhöhen.
Gibt es Altersgruppen, die von Darmkrebs besonders betroffen sind?
Am häufigsten betroffen sind Patientinnen und Patienten über 50 Jahre – deswegen ist die Darmkrebsvorsorge auch ab 50 Jahren empfohlen. Wenn es eine familiäre Belastung gibt, also Verwandte ersten Grades mit Darmkrebserkrankung, dann sollte eine Vorsorge früher erfolgen.
Wir sehen allerdings im Moment tatsächlich eine steigende Häufung der Erkrankung bei den unter 50-Jährigen. In den USA ist zum Beispiel in einigen Leitlinien bereits die Darmkrebsvorsorge mit 45 Jahren empfohlen.
Wie wird Darmkrebs behandelt und wie stehen die Heilungschancen?
Die Behandlungsart und die Heilungschancen hängen ganz wesentlich vom Erkrankungsstadium ab, das wir bei der Erstdiagnose haben. In sehr frühen Stadien können wir endoskopisch behandeln, also ohne Operation.
Die fortgeschrittenen Stadien bedürfen in der Regel einer chirurgischen Behandlung, einer etwas radikaleren Operation. Dabei wird im Wesentlichen ein Teil des Dickdarms entfernt.
In weiter fortgeschrittenen Stadien führen wir eine Kombination aus Strahlentherapie und Chemotherapie durch.
Gibt es aktuell neue Entwicklungen oder Forschungen im Bereich Darmkrebs?
Ja, es gibt derzeit einige interessante Entwicklungen im Bereich Darmkrebs. Es kommen regelmäßig neue Medikamente auf den Markt. Immuntherapie spielt dabei auch eine große Rolle.
Außerdem gibt es bereits heute Ansätze, wo wir Operationen vermeiden können, insbesondere in den Frühstadien. Hier gibt es neue endoskopische Techniken und auch neue Methoden der Strahlen- und Immuntherapie, die im Einzelfall eine Operation insbesondere von Enddarmkrebs vermeiden können.
Sind Probiotika wirklich so sinnvoll oder sind sie eher ein Hype aus dem Internet?
Probiotika sind bei bestimmten Erkrankungen sinnvoll, zum Beispiel bei Durchfallerkrankungen, die etwa nach einer Antibiotikatherapie auftreten. Auch beim sogenannten Reizdarm kann ihr Einsatz sinnvoll sein.
Beim Darmkrebs gibt es bislang jedoch keine Indikation für Probiotika.
Warum ist das Robert Bosch Krankenhaus für die Behandlung von Darmkrebs besonders gut geeignet?
Im Robert Bosch Krankenhaus stehen alle Fachabteilungen und Spezialisten zur Verfügung, die Patientinnen und Patienten für eine umfassende Darmkrebsbehandlung benötigen. Zudem sind wir ein zertifiziertes Darmkrebszentrum.
Wir verfügen über moderne diagnostische Verfahren wie MRT, Sonographie und Endoskopie. Durch die enge interdisziplinäre Zusammenarbeit können wir unseren Patientinnen und Patienten eine individuell abgestimmte und bestmögliche Behandlung bieten.
Info: Mehr erfahren zu Darmkrebs auf der Webseite des Robert Bosch Krankenhaus.




