Erstmals bei der Parade dabei: Stuttgarts OB Frank Nopper Foto: Ferdinando Iannone/Lichtgut/Ferdinando Iannone

Die CSD-Kulturwochen – Motto „Vielfalt leben. Jetzt erst recht!“ – sind eingeläutet: Im Rathaus begrüßte OB Frank Nopper die Regenbogen-Community zum Empfang. Er wird erstmals bei der Stuttgart Pride dabei sein.

„Einen besseren Song zum Auftakt gibt es nicht.“ Kulturvermittlerin und Moderatorin Sara Dahme spricht aus, was viele im großen Saal des Stuttgarter Rathauses denken. Just hat Sängerin Steffi List mit Tracy Chapmans „Talkin’ Bout a Revolution“ den CSD-Empfang eröffnet. Seit 15 Jahren läutet er die Christopher Street Day-Kulturwochen ein. 2024 stehen sie unter dem Motto „Vielfalt leben. Jetzt erst recht!“, das große Finale, die CSD-Parade, ist am Samstag, 27. Juli: Die Stuttgart Pride samt Kundgebung und Hocketse. Diese politische Demonstration erinnert an das, was sich in der Nacht zum 28. Juni 1969 in und vor dem Stonewall Inn in der New Yorker Christopher Street ereignete: Queere Menschen standen auf und wehrten sie sich erfolgreich gegen brutale, ungerechtfertigte Polizeirazzien.

 

Für Stonewall und die Rechte der Regenbogen-Community gehen seit 1979 in Stuttgart die Menschen auf die Straße. Damals noch wenige, über die Jahrzehnte Tausende. Und 2024 könnte es eine der größten Paraden werden. „Stand heute haben sich schon 150 Gruppen angemeldet, kommt alle“, freute sich Marco Schreier, im Vorstand der IG CSD Stuttgart für die Organisation der Parade zuständig.

OB Nopper auf dem VfB-Wagen

Erstmals dabei: Stuttgarts Oberbürgermeister Frank Nopper auf dem Wagen des VfB Stuttgart. Nicht nur weil er Mitglied sei. Auch weil sich in der vermeintlichen „Männerdomäne“ Fußball viele nicht trauten, sich zu outen, dort eine andere sexuelle Orientierung noch immer tabu sei, so der OB – mit fuchsiafarbener Krawatte und rosa Stecktuch. Viel Beifall und Schmunzler erntete er, als er erklärte, warum er nun persönlich mitmache. „Weil man mit zunehmendem Alter reifer, weiser und einsichtiger wird.“ Außerdem habe Detlef Raasch, geschäftsführender CSD-Vorstand, „heuer mit besonders charmanten Worten eingeladen“. Zudem bildeten seine städtischen Kolleginnen und Kollegen eine Laufgruppe und hätten zur Teilnahme aufgerufen. Schließlich gelte es in Zeiten starken Gegenwinds und Angriffen gegen die queere Community, ein Zeichen zu setzen.

Es gibt in Deutschland so viele CSDs wie nie, im Land allein 22. Doch, so Bundeskriminalamt und Bundesinnenministerium, nahmen 2023 Übergriffe und Hasskriminalität gegen lesbische, schwule, bisexuelle und queere Menschen um etwa 49 Prozent zu, gegen trans*, intergeschlechtliche und nicht-binäre Menschen um 105 Prozent. Raasch bat um eine Schweigeminute für die Opfer von Queerfeindlichkeit. „Wir haben viel geschafft. Unglaublich, dass manche wieder unsere Rechte einschränken wollen, das lassen wir nicht zu. Die Wahlergebnisse sind erschreckend.“ Deshalb sei das Motto eine Ansage. „Wir tragen auch Verantwortung für die Communities in queerfeindlichen Ländern wie Ungarn und Rumänien.“ Raasch dankte der Polizei für die gute Zusammenarbeit, Stuttgarts Polizeipräsident Markus Eisenbraun ist dieses Jahr Teil der CSD-Jury.

Rechte queerer Menschen nicht verhandelbar

Was der Verein in Deutschland von Bundes- und Landesebene, Gesellschaft und internationalen Gremien fordert, war im Programm des Rathausempfangs zu lesen. Vorstandsmitglied Alexander Prinz beschrieb, welcher der 29 Punkte für ihn zu den wichtigsten gehört: „Artikel 3, Absatz 2 des Grundgesetzes um das Merkmal der sexuellen Orientierung ergänzen und insgesamt die Fokussierung auf Geschlecht als binäres Konstrukt abschaffen.“

Man kämpfe für Vielfalt, Respekt, Akzeptanz und Gleichberechtigung, unterstrich Olcay Miyanyedi von der Türkischen Gemeinde – für seine Mit-Schirmpersonen 2024 Lisa Strelkowa (LGBTJews) und Atahan Demirel (Queer Muslimische Allianz) sprechend. „Rechte queerer Menschen sind Menschenrechte, das ist nicht verhandelbar.“