Bettina Orlopp will die Aktionäre mit guten Perspektiven für die Commerzbank überzeugen. Foto: Andreas Arnold/dpa

Die Commerzbank stemmt sich auf der Hauptversammlung mit Macht gegen einen Anschluss an die italienische Großbank Unicredit. Die Vorstandschefin Bettina Orlopp sieht sich am Drücker.

Dass die Abwehrschlacht um die Unabhängigkeit der Commerzbank auf den Showdown zuläuft, daran lässt deren Vorstandsvorsitzende Bettina Orlopp keinen Zweifel. Sie positioniert sich auf der Hauptversammlung mit klaren Empfehlungen für die Aktionäre und unüblich scharfer Kritik am Möchtegern-Übernehmer Unicredit.

 

Demnach ignoriert Unicredit-Chef Andrea Orcel „Mindestvoraussetzungen, die für jede ernsthafte Diskussion zwischen zwei eigenständigen börsennotierten Unternehmen gelten sollten, vor allem wenn sie direkte Wettbewerber sind“ – es gebe keinen vertrauensvollen Dialog sowie keinen konkreten operativen, strategischen und kulturellen Plan. Und es fehle ein „überzeugendes Angebot, das Aktionären eine angemessene Prämie bietet für die Übernahme von Kontrolle, die Risiken und den Verzicht auf künftiges Wertpotenzial“, wie Orlopp moniert.

„Trotz mehr als zehn Gesprächen keine belastbare Grundlage“

Von Beginn an sei der Prozess „von öffentlichem Druck und einer zunehmend aggressiveren Vorgehensweise geprägt“ – „über Monate haben wir ein vages, sich ständig veränderndes Bild gesehen“. Die Commerzbank habe sich stets offen, transparent, konstruktiv gezeigt. „Aber trotz mehr als zehn Gesprächen seit dem Einstieg der Unicredit im September 2024 wurde uns nie eine belastbare Grundlage vorgelegt, auf der man ernsthaft über konkrete nächste Schritte hätte sprechen können“, betont die Vorstandschefin. Stattdessen sei versucht worden, die Commerzbank als unkooperativ darzustellen. Eine Social-Media-Kampagne der Unicredit sei so weit gegangen, „dass selbst die Bafin einschreiten musste“ – also die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht.

Die Unicredit kontrolliert knapp 30 Prozent am deutschen Geldhaus und hat sich für weitere Anteile den Kaufpreis gesichert – macht nun 38,9 Prozent der Stimmrechte. Laut seinem Angebot von Anfang Mai bietet Orcel für jede Commerzbank-Aktie 0,485 neue Unicredit-Aktien. Damit sollen bis zum 16. Mai oder – bei einer Verlängerung – 3. Juli so viele Anteile ergattert werden, dass ein teureres Pflichtangebot vermieden wird.

„Unsere Aktie notierte nach der Ankündigung des Angebots zu jedem Schlusskurs oberhalb des Angebotswerts“, argumentiert Orlopp. Am 15. Mai, dem Handelstag vor Veröffentlichung ihrer begründeten Stellungnahme, habe das offerierte Umtauschverhältnis einem Preis von 34,50 Euro je Commerzbank-Aktie entsprochen. Dies sei „ein Abschlag von fast zwei Euro auf unserem Schlusskurs von 36,48 Euro am selben Tag“. Analysten bezifferten den Zielkurs schon heute im Mittel auf rund 41,50 Euro.

Warnung vor „tiefgreifenden Einschnitten und Personalabbau“

„Nehmen Sie das Angebot der Unicredit nicht an“, mahnt die Bankchefin. „Es schafft keinen Mehrwert über unsere eigenständige Strategie hinaus – im Gegenteil, das Angebot reflektiert nicht den fundamentalen Wert der Commerzbank.“ Die Umsetzungsrisiken seien enorm. Was die Unicredit als Zusammenschluss bezeichne, sei vor allem „ein Restrukturierungsvorschlag, der massiv in unser bewährtes und profitables Geschäftsmodell eingreift“. Beispielsweise planten die Italiener die Verkleinerung des internationalen Netzwerks. Dies würde „ schwächen, was uns stark macht: die Fähigkeit, den deutschen Mittelstand weltweit zu begleiten“. Auch halte sie das von der Unicredit angenommene Kostensenkungspotenzial von 1,3 Milliarden Euro bis 2028 in diesem Zeitraum nicht für realisierbar. „Die Folgen wären tiefgreifende Einschnitte, massiver Personalabbau und der Rückzug aus ganzen Geschäftsbereichen – der negative Ertragseffekt läge unserer Einschätzung nach deutlich über einer Milliarde Euro“.

Trotz allem weiterhin offen für Gespräche mit Orcel

Dass dies alles dennoch nicht das letzte Wort gewesen sein muss, wird auch deutlich. „Wir bleiben jederzeit bereit, uns zusammenzusetzen, sofern es eine echte Bereitschaft gibt, die von uns aufgezeigten Punkte zu diskutieren.“ Es sei ihre „klare Absicht, unseren Aktionären eine attraktive Prämie zu bieten, mit einem Plan, der die Erfolgsfaktoren unseres Geschäftsmodells berücksichtigt“. Auf diesem Kurs wird sie zumindest in der Wiesbadener Halle mit großem Jubel und stehenden Ovationen bestätigt.