In Christoph Sonntags Kleinkunstwettbewerb treten im Porsche-Zentrum Stuttgart zwei ganz unterschiedliche Comedians an.
Seit dreißig Jahren könnte man den Goldenen Bullen als eine der bedeutendsten Auszeichnungen der deutschen Finanzszene kennen. Nun ist es an der Zeit, ihn als „einen der wichtigsten Kleinkunstpreise in Deutschland“ zu etablieren, sagt Christoph Sonntag über seinen immer noch neuen Live-Comedy-Wettbewerb. Vergangenes Jahr in der Suppenküche der Ulmer Gold-Ochsen-Brauerei gestartet, hat der schwäbische Kabarettist die Veranstaltung nun nach Stuttgart heimgeholt.
Nach Auftaktshows im Event-Center der Sparda-Welt ist man übergangsweise im stylishen Porsche-Zentrum am Pragsattel zu Gast. Gewiss keine schlechte Alternative, umringt von „den besten Autos der Welt“ (so Sonntag). Nur fünf davon mussten hinausgefahren werden, um Platz für 200 Zuschauer zu schaffen, wie der Porsche-Geschäftsführer Ralph Müller berichtet. Auch die Terrasse, wo es Freibier und in der Pause Maultaschen mit Kartoffelsalat gibt, eignet sich prima für solche Veranstaltungen. Und selbst der Sound für den musikalischen Rahmen von Tausendsassa Berti Kiolbassa und Pur-Mann Cherry Gehring stimmt inzwischen.
Hohe Ansprüche beim Publikumspreis
Die Gesetze des Goldenen Bullen sind streng, denn es handelt sich um einen Publikumspreis. In zehn Kategorien wie Einzigartigkeit und Pointendichte können bis zu zehn Punkte vergeben werden. Wobei Christoph Sonntag weiß: „Es kann keine 100 Punkte geben, denn wenn etwas sehr witzig ist, kann es nicht so furchtbar aktuell sein.“ Volle zehn Sympathiepunkte jedenfalls könnten schon mal an Kai Bosch gehen, der sagt, dass er mit seiner Geburt, die 13 Wochen zu früh war, „eine Tetraspastik erworben“ habe.
Der in Waiblingen Geborene und in Backnang Aufgewachsene ist also mehr als nur nebenbei Inklusionsbotschafter, der „nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern mit erhobenen Mundwinkeln“ aus seinem „Luxus light“-Leben erzählt.
Etwa, dass er mit seiner Bahncard 100 zwar jeden Zug, aber nicht jeden Aufzug nehmen könne, weil viele schon wieder oder immer noch defekt sind. Dabei sei es doch „super, dass du auf Festivals gehst, obwohl du eine Behinderung hast“, so habe er es jedenfalls auf seiner „Lieblingshausparty“ gehört. Und wenn eine Soziologiestudentin im elften Semester schwadroniert, „jeder Mensch ist einzigartig, jede Gruppierung verdient ihre Stimme in der Gesellschaft“, dann stelle sich Kai Bosch vor, wie das wohl wäre, wenn Stotterer auf der Straße demonstrieren – im Kanon?
Auch der zweite Kandidat des Abends hat ein Handicap – er ist Engländer. Dafür aber sind die Wortkaskaden des „nach den Beatles und Jürgen Klopp berühmtesten Liverpoolers“ (Sonntag) atemberaubend schnell. Tim Whelan heißt der Wahl-Berliner, was sich nicht wie W-Lan ausspreche, obwohl sein Großvater Fritz ein Router war und am Ende in der Fritz-Box landete. Ja, diese Briten und ihr schwarzer Humor . . .
Christoph Sonntag fühlt sich allerdings auch an Helge Schneider erinnert, denn Tim Whelan setzt sich zwischendurch ans Klavier und interpretiert stimmgewaltig kleine Grotesken wie „Do You know it’s Spargelzeit“ oder „Sometimes I feel like a Cat on the Train – let mijaut“. Nebenbei erinnert er an den Unterschied zwischen Comedians und Kabarettisten: „Die einen machen es wegen dem Geld, die anderen wegen des Geldes“, um noch eins draufzusetzen: „Ich mache es des Geldes wegen.“
Von Haus aus ist Tim Whelan Buchhalter, nun aber könne er auf Partys prahlen mit „ich bin Stand-up-Comedian“. – „Echt, du siehst aus wie ein Buchhalter.“ Kai Bosch hingegen, der an der Uni Hohenheim Kommunikationswissenschaften studierte, habe sich als Comedian selbstständig gemacht, damit er sagen könne, „ich bin Geschäftsführer bei Bosch.“
Vorentscheide im Herbst, Finale im Winter
Welcher von den beiden nun besser ankam? Wir wissen es nicht, denn erst beim Finale des „großen Kleinkunstpreises“ wird der bronzene, silberne und eben der Goldene Bulle verliehen. Dafür schwebt Christoph Sonntag ein ganz besonderer Veranstaltungsort vor – wenn sich dabei nicht zwei Brauereien in die Quere kommen.
Der Goldene Bulle Weitere Vorentscheide sind am 8. September, 6. Oktober und 3. November 2025, dann wieder in der Sparda-Welt. Der Austragungsort für die Preisverleihung am 8. Dezember soll im September bekannt gegeben werden.