Der VfB Stuttgart will sein Trainingsgelände der Frauen in Obertürkheim ertüchtigen. Nun drohen aber Teile der Ausbaupläne dem Rotstift der Stadt zum Opfer zu fallen.
Die Fußball-Frauen des VfB Stuttgart eilen von Erfolg zu Erfolg. Nach dem 2:0 gegen den SC Sand am vergangenen Wochenende haben sie nun auch die Tabellenführung der zweiten Bundesliga übernommen. Der nächste Aufstieg – es wäre der dritte in Folge – kündigt sich an. Im Schatten der ersten Mannschaft hat der Club aus Cannstatt seit der Kooperation mit dem VfB Obertürkheim auch seinen Nachwuchsbereich sukzessive ausgebaut. Er ist noch immer in dem Neckarvorort beheimatet.
Das Gelände an der Hafenbahnstraße ist zwar idyllisch entlang der Weinberge gelegen. Infrastrukturell bewegt es sich aber auf Kreisliga-Niveau. Das betrifft weniger die Plätze an sich – der Verein verfügt immerhin über einen Kunst- und einen Naturrasenplatz – als vielmehr das Umkleidegebäude. Es ist arg in die Jahre gekommen. Außerdem mangelt es auf der gesamten Anlage an Platz. Weshalb der VfB Stuttgart bereits vor längerem Investitionen bei der Stadt angemeldet hat. Sie ist Eigentümerin des Geländes.
Der Plan beinhaltet zwei Aspekte. Zum Einen die Erweiterung um ein zusätzliches Fußballfeld durch die Stadt. Dadurch soll der Trainingsbetrieb ausgebaut und mittelfristig ein Nachwuchsleistungszentrum (NLZ) installiert werden können. Zusätzlich soll das Vereinsheim durch ein deutlich größeres Funktionsgebäude ersetzt werden. Bei Letzterem handelt es sich um ein Projekt der beiden Kooperationsvereine. Es soll durch die Stadt mit fünf Millionen Euro bezuschusst werden.
Stadt muss in zwei Jahren 800 Millionen Euro einsparen
Nun steht aber zu befürchten, dass das Projekt Neues Funktionsgebäude dem Rotstift zum Opfer fällt. Auf Anfrage bestätigt die Stadt, dass der Baukostenzuschuss von fünf Millionen Euro auf der Streichliste steht. An diesem Freitag wird im Rathaus über den geplanten Doppelhaushalt für die Jahre 2026 und 2027 abgestimmt. Angesichts der konjunkturellen Lage steht Stuttgart vor dem größten Sparhaushalt seit der Finanzkrise 2009. Rund 800 Millionen muss die Landeshauptstadt aus dem Budget streichen.
Betroffen ist der gesamte gesellschaftliche Bereich – von Schulen über Beratungsstellen bis hin zu kulturellen Einrichtungen. Überall hagelt es Protest. Der Sport bleibt bei den Einsparungen nicht außen vor. Was beim VfB – in Obertürkheim wie in Bad Cannstatt – naturgemäß auf Unverständnis stößt. „Diese Entscheidung können wir leider nur sehr schwer akzeptieren, obgleich wir wissen, wie angespannt die derzeitige Haushaltslage der Stadt Stuttgart ist, sagt VfB-Präsident Dietmar Allgaier.
Neuer Platz: Ja, neues Funktionsgebäude: Nein
Immerhin: Das Geld für den zusätzlichen Sportplatz wird wohl bewilligt werden, wofür sich der VfB auch dankbar zeigt. Andererseits, so Allgaier, sei für eine umfassende infrastrukturelle Professionalisierung und Aufwertung des Mädchen- und Frauenfußballs eben auch ein neues Funktionsgebäude existenziell wichtig. Ein Streichen des Projekts würde den Verein in Sachen Frauenfußball um Jahre zurückwerfen. „Wir wollen gesellschaftlicher und sportlicher Vorreiter im Frauenfußball sein – gemeinsam mit der Stadt Stuttgart. Es wäre deshalb schade, wenn wir nach der verpassten Chance als Austragungsort 2029 für die Europameisterschaft nun ein erneutes eher negatives Signal an junge Sportlerinnen in der Stadt und Region senden.“
Trotz aller Appelle: Beide Wünsche werden dem VfB am Freitag wohl nicht erfüllt werden. Die Stadt erklärte, den Baukostenzuschuss für das neue Clubheim zum nächsten Doppelhaushalt für die Jahre 2028/29 wieder anmelden zu wollen. Bis dahin sollten die Vereine alle notwendigen vorbereitenden Maßnahmen durchführen und die Planung bis zum Bauantrag weiterführen. Mit anderen Worten: Bis auf Weiteres muss sich der ambitionierte VfB-Nachwuchs in Obertürkheim mit den alten Umkleiden abfinden – Kreisliga-Atmosphäre inklusive.