An diesem Dienstag um 17.30 Uhr werden Lichter an diesem neunarmigen Chanukka-Leuchter auf dem Stuttgarter Schlossplatz entzündet. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Das Blutbad vom Bondi Beach im fernen Australien bewegt auch die jüdische Gemeinde in Stuttgart. Sie lässt sich davon jedoch nicht abhalten, das Chanukka-Fest zu feiern.

Die Nachricht vom Terrorangriff am Bondi Beach in Sydney mit 15 Toten überschattet das jüdische Chanukka-Fest weltweit. In Stuttgart kam die jüdische Gemeinde am Sonntagabend wie geplant zu einem großen Empfang zusammen, um den Auftakt des achttägigen Lichterfestes zu feiern. Man zählte rund 300 Gäste – mehr als in den vergangenen beiden Jahren. Der Überfall der Hamas auf Israel vom 7. Oktober 2023 hatte zuletzt Besucher Abstand nehmen lassen. Und auch jetzt, angesichts des Blutbads in Australien zögerten anfangs offenbar manche, an dem Fest teilzunehmen oder kamen mit „gemischten Gefühlen“, wie Barbara Traub, Vorstandssprecherin der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württembergs (IRGW), am Montag sagte. Am Ende war der Saal jedoch voll – auch voller Entschlossenheit, vor dem Terror nicht zurückzuweichen. „Wir lassen uns davon nicht abhalten “, betonte Traub. Den Auftakt der Feier bildete eine Gedenkminute, dann wurde Chanukka gefeiert – von jung bis alt: „Wir wollen zeigen, dass wir zu dieser Gesellschaft gehören“, sagte die Vorstandssprecherin.

 

Auch Landesbischof Gohl nimmt teil – „als Zeichen der Solidarität“

Das zeigte die jüdische Gemeinde am Montagabend auch auf dem Platz der ehemaligen Synagoge in Heilbronn und auf dem Rathausvorplatz in Aalen, wo jeweils Lichter am Leuchter Chanukkia entzündet wurden. Traub nahm in Aalen teil; in der dortigen, von Zuwanderern gegründeten sogenannte Zweigstelle der jüdischen Gemeinde, fand zum ersten Mal überhaupt eine Chanukka-Feier statt.

An diesem Dienstag, um 17.30 Uhr, werden auf dem Schlossplatz in Stuttgart die Chanukka-Lichter entzündet – in Beisein von Rabbiner und Kantor. Anschließend werden traditionell Sufganiot, ein Hefegebäck ähnlich wie Krapfen, und Wein gereicht. Barbara Traub wird ein Grußwort sprechen. Sie werde darin auch die Ereignisse in Australien erwähnen, sagte sie. Der Polizei dankte sie für ihren Einsatz zum Schutz der jüdischen Gemeinde, ebenso der Stuttgarter Bevölkerung, die sie weithin als „sehr solidarisch“ erlebe.

Die evangelische Landeskirche Württemberg erklärte am Montag, „vor dem Hintergrund des Massakers an Jüdinnen und Juden in Sydney“ werde Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl „als Zeichen der Solidarität“ das Kerzenanzünden zu Chanukka auf dem Schlossplatz besuchen.