Wer zahlt die Feste auf dem Wasen? Foto: IMAGO/Arnulf Hettrich

Die Feste auf dem Wasen kosten die Stadt zu viel Geld. Deshalb müssen die Schausteller höhere Gebühren zahlen. Um den Beitrag der Wirte wird weiter gerungen.

Es wird Zeit für eine Entscheidung. Daran lässt Andreas Kroll keinen Zweifel. Der Chef der Veranstaltungsgesellschaft in.Stuttgart und damit Herr der Feste auf dem Wasen sagt, dass die Stadträte am 27. Februar eine Entscheidung treffen müssen, wie sich die Wirte an den Kosten beteiligen.

 

Welche Vorschläge gibt es?

Einige Vorschläge gibt es. Zu gerne hätten auch einige Fraktionen, dass sich die Brauereien und die Wirte an der Finanzierung der Wasenboje beteiligen. Monatelang zieht sich die Diskussion schon, mehrmals debattierten die Stadträte, verschoben die Abstimmung aber immer wieder. Was vor allem daran lag, dass der Auftrag an in.Stuttgart war, das Einvernehmen mit den Betroffenen zu suchen.

Bei den Schaustellern gelang das. Deren Platzgebühren hat der Gemeinderat schon vor Monaten um bis zu 40 Prozent erhöht. Schon der Gerechtigkeit wegen, müsse man bei den Wirten nachziehen, sagt Kroll. Zudem seien die Bierzelte „wesentliche Kostentreiber“. Und der Aufwand beim Zeltwechsel, der längere Betrieb der Logen und der Schutz der Anwohner seien tatsächlich Kosten, die fast ausschließlich die Gäste der Zelte verursachen.

Für die Schausteller und Imbissbetreiber gelten bereits höhere Gebühren. Foto: Bernd Weißbrod/dpa

„Doch die Gespräche haben sich schwierig gestaltet“, sagt Kroll. Beispielhaft dafür war der Vorschlag pro Sitzplatz in den Zelten einen zusätzlichen Euro je Tag zu verlangen. Da kam der Einwand der Wirte, es sei ja nicht an jedem Tag voll, man zahle dann für nicht besetzte Plätze. Daraufhin schlug in.Stuttgart vor, die zusätzliche Platzgebühr nur für freitags, samstags und vor Feiertagen zu erheben. Damit konnten manche Wirte leben, andere nicht. Und so zogen sich die Gespräche.

Doch nun muss etwas passieren. Denn am 18. April beginnt das Stuttgarter Frühlingsfest. Und momentan ist die Veranstaltungsgesellschaft weit entfernt von der Erfüllung des Wirtschaftsplanes für 2026. Die Vorgabe ist es „das Ergebnis neutral zu stellen“, sagt Kroll. Das heißt, die Einnahmen zu erhöhen, um die gestiegenen Kosten zu decken.

Warum steigen die Kosten?

Die sind enorm gestiegen. Was auch am Erfolg der Feste liegt. „Wir profitieren nicht von einer Steigerung des Besucherzahlen“, sagt Kroll. Mit mehr Gästen wachsen auch die Auf- und Ausgaben für die Wache des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), für Brand- und Anwohnerschutz und Sicherheit. Die Kosten für das DRK lagen 2019 beim Frühlingsfest bei 95 000 Euro, 2025 bei 356 000 Euro. Die für Sicherheit stiegen von 486 000 auf 615 000 Euro. Weder der Wirtschafts- noch der Finanzplan erlauben solche Defizite, sagt Wirtschaftsbürgermeister Thomas Fuhrmann. Das summiert sich auf ein Minus von 400 000 Euro in diesem Jahr.

Nun hatten sie ja jüngst in München eine ähnliche Diskussion. Der Präsident des Bayerischen Brauerbunds, Georg Schneider, Chef einer Brauerei, schlug vor: „Bei einer Veranstaltung wie dem Oktoberfest sollte man darüber nachdenken, Eintritt zu verlangen.“ Man könne so ein Fest nicht ausschließlich über den Bierkonsum finanzieren. Sprich, weil die Kosten steigen und man so viel Gebühren von den Wirten verlange, seien die praktisch gezwungen, das Bier jedes Jahr teurer zu machen. Die Stadt München erteilte dem Gedanken umgehend eine Absage.

Auch Kroll hält dies für keine gute Idee. „Ein Volksfest ist ein Volksfest“, sagt er, „es ist eine Begegnungsstätte für sehr viele Menschen, die einfach über den Platz gehen, sich umschauen, die nicht konsumieren müssen.“ Dieser Charakter würde sich grundlegend ändern. Für das Historische Volksfest auf dem Schlossplatz hätte man darüber nachdenken können. Das war ja von der Stadt ersatzlos gestrichen worden. Aber auch da hätte man sich nicht täuschen sollen. Die Kosten für das Abriegeln des Platzes seien enorm. Und eine Festung ist nicht sehr anziehend.

Gebühren müssen erhöht werden

Das zeigte sich vor allem beim gemeinsamen Fußballschauen auf dem Schlossplatz während der EM 2024. Schon ohne Eintritt schreckte der Eindruck eines Hochsicherheitstrakts und lange Schlangen wegen der Kontrollen viele ab, „das widerspricht dem einladenden Sinne des Historischen Volksfests und auch des Cannstatter Volksfests“.

Also bleiben die Gebühren. Da gibt es verschiedene Vorschläge. Erhöht werden müssen sie. Gibt es keine Einigung sollen sie um 36 Prozent erhöht werden. Die Preise im Gastraum von bisher 23,60 (Frühlings-) und 26,45 Euro (Volksfest) pro Quadratmeter umfassten auch die wochenlange Auf- und Abbauzeit. Aus dem Gemeinderat gab es Vorschläge wie in München auf eine Umsatzpacht umzustellen. Kroll hält das für richtig. Allerdings kurzfristig nicht umsetzbar. In München bedeutet das, ein Wirt zahlt für sein Zelt fürs Oktoberfest 450 000 Euro Gebühren. In Stuttgart seien es im Moment gut 100 000 Euro. Das muss nun sein Nachfolger regeln. Im März geht Kroll in Ruhestand. Doch diese Entscheidung steht noch an in seiner Amtszeit.