Um das Defizit der Veranstalterin von Frühlingsfest und Volksfest zu verringern, haben die Stadträte eine Erhöhung des Platzgeldes für die Zelte beschlossen.
Demokratie kann sehr mühsam sein. Das war am Freitag im Wirtschaftsausschuss der Stadt Stuttgart zu erleben. Das Ziel war eigentlich klar: Die Veranstaltungsgesellschaft in.Stuttgart soll beim Frühlingsfest und Volksfest nicht drauflegen. Sprich, die Veranstaltungen sollen sich selbst tragen, kein Geld der Steuerzahler dafür nötig sein.
Wie fällt die Erhöhung aus?
Das haben die Stadträte nicht geschafft. Nicht ganz. Und nur weil das Frühlingsfest schon vor der Türe steht, gab es tatsächlich nach einem Jahr Diskussion eine Entscheidung. Mit knapper Mehrheit entschieden die Stadträte, die Platzgelder für die Festwirte fürs Frühlingsfest und Volksfest um 36 Prozent anzuheben. Bisher zahlten die drei Festzelte beim Frühlingsfest insgesamt 268 739 Euro an Platzgeld, das erhöht sich dieses Jahr auf 365 485 Euro. Beim Volksfest zahlten die sieben Zelte bisher 737 619 Euro, das erhöht sich auf 1 003 162 Euro.
Gemeinsam mit der bereits beschlossenen Erhöhung für die Karussells, Buden und Imbisse der Schausteller sind damit die Kosten fürs Volksfest gedeckt. Beim Frühlingsfest fehlen nach wie vor 30 000 Euro. Die will man von 2027 an durch eine Verschiebung der Öffnungszeiten sparen. Indem man den Platz statt um 13 Uhr erst um 14 Uhr öffnet, muss man Ordner und Sanitäter auch erst eine Stunde später bestellen.
Opfer des eigenen Erfolges
Das Defizit hatte Andreas Kroll, Chef der Veranstaltungsgesellschaft in.Stuttgart, bereits vor einem Jahr angesprochen. Man war Opfer des eigenen Erfolgs geworden. Mehr Besucher bedeuten mehr Ausgaben für Ordner, Sanitäter, Brand- und Anwohnerschutz, die Sicherheit allgemein. Die Kosten für das DRK lagen 2019 beim Frühlingsfest bei 95 000 Euro, 2025 bei 356 000 Euro. Die für Sicherheit stiegen von 486 000 auf 615 000 Euro. Weder der Wirtschafts- noch der Finanzplan erlauben solche Defizite, sagt Wirtschaftsbürgermeister Thomas Fuhrmann. Das summiert sich auf ein Minus von 400 000 Euro in diesem Jahr.
Weil man das erkannt hat, hatte Kroll im März 2025 das Gespräch mit den Wirten gesucht, sagt er am Freitag. Mehrmals habe man sich ausgetauscht, Vorschläge geprüft, verworfen. Die Wirte hatten vorgeschlagen, die Gebühren um 20 Prozent zu erhöhen, dann stufenweise anzupassen auf die 36 Prozent. Das hätte aber das Defizit nicht beseitigt. Eine Einigung gab es nicht. Zum dritten Male befasste sich der Wirtschaftsausschuss mit der Sache.
Was für Vorschläge gab es?
Und wieder kamen neue Vorschläge auf den Tisch. Die CDU fand, man könne den Beitrag der Wirte an der Strahlkraft der Feste durchaus monetär würdigen. Die Gebühr fürs Frühlingsfest für dieses Jahr solle man gar nicht erhöhen, beim Volksfest wollte man nicht um 36 Prozent erhöhen, sondern bis zu 36 Prozent. Was sogar Parteifreund und Kämmerer Thomas Fuhrmann erklärungsbedürftig fand. Denn das würde ja bedeuten, er könne dann nach Gusto und im Alleingang die Gebühr festlegen. Die FDP und die Freien Wähler fanden das auch gut.
Die Linken nicht. Sie plädierten für eine Erhöhung der Gebühren um 45 Prozent beim Frühlingsfest und beim Volksfest. Und die Wirte könnten gleich auch noch die Wasenboje finanzieren. Da hätte auch die SPD mitgehen können. Die Grünen finden auch, dass „wir kostendeckend arbeiten müssen“. Zumindest mittelfristig. Man könne nicht den Bürgern wegen der schwierigen Haushaltslage Erhöhungen von Gebühren zumuten, und auf dem Wasen Geld zuschießen. Thorsten Puttenat (Puls) fand den Vorgang insgesamt befremdlich. Man habe der Verwaltung und in.Stuttgart aufgegeben, eine Kostendeckung zu erreichen. Das sei nicht erreicht, trotzdem stimme man über die tupfengleiche Vorlage ab wie bereits zuvor.
Wie geht es weiter?
Nur dieses Mal konnte man die Entscheidung nicht aufschieben. Am 18. April beginnt das Frühlingsfest. Also gab es noch Pendeldiplomatie, man wanderte umher und versuchte sich ab- und auszusprechen. Schließlich wurden die Anträge einer nach dem anderen abgestimmt. Keiner fand eine Mehrheit, außer dem Antrag der Verwaltung. Das bedeutet, die Wirte bezahlen künftig 36 Prozent mehr Platzgeld. Damit ist es für dieses Jahr getan.
Doch künftig will man diesen „sehr unglücklichen Vorgang“, wie Florian Pitschel (Grüne) diese zähe Verfahren nannte, auf andere Beine stellen. Eine Umsatzpacht ist in der Diskussion. Sie wird in München erhoben. Und beteiligt die Veranstalterin und damit den Steuerzahler am Erfolg der Feste und der Zelte. Doch noch hat man keine genaue Vorstellung, wie sich das umsetzen ließe. Es bleibt mühsam.