Steigen die Echterdinger tatsächlich ein zweites Mal nacheinander ab? Bei der 0:2-Heimniederlage gegen den FC Rottenburg kommen zu viele „dumme Begebenheiten“ zusammen.
Lange Minuten nach dem Abpfiff stand das Trainerteam immer noch auf dem Kunstrasen im Sportpark Goldäcker und diskutierte. Ja, die Lage ist wahrlich nicht rosig für den Oberliga-Absteiger Calcio Leinfelden-Echterdingen. Und spätestens an diesem Sonntag muss auch dem Letzten klar geworden sein: Der Filderclub befindet sich erneut in akuter Abstiegsgefahr. Nach der 0:2-Heimniederlage im Schlüsselspiel gegen den bislang punktgleichen FC Rottenburg kommen auf die Echterdinger vier letzte Saisonspieltage mit Zittern und Bangen zu.
Die aktuelle Begegnung hat für sie schon düster angefangen, weil Verletzungen den Kader schrumpften. Emilio Amenta, mit fünf Treffern noch Calcios bester Torschütze in der laufenden Runde, fiel aus. Der Personalmangel schritt sogar so weit fort, dass der Trainer Francesco Di Frisco selbst als möglicher Wechselspieler auf der Bank Platz nahm.
Das Schlüsselspiel von Calcio Leinfelden-Echterdingen gegen den FC Rottenburg beginnt erst mit Verspätung
Und es sollte noch dicker kommen, nachdem die Begegnung mit zehnminütiger Verspätung begonnen hatte. Der Grund: Auf Anordnung des Schiedsrichters mussten die Tornetze mit Kabelbindern repariert werden. Blöd nur, dass dabei das Rottenburger Tor für die Echterdinger gefühlt komplett verschlossen wurde. Wenn die Calcio-Angeifer überhaupt einmal in den gegnerischen Strafraum kamen, war die aufmerksam agierende Rottenburger Verteidigung zur Stelle – oder der Keeper Julian Häfner als letzter Mann.
Demgegenüber präsentierten sich die Gäste spielfreudiger und mit schönen Kombinationen. Zwei frühe gute Chancen zeigten ihre Marschrichtung. Logische Konsequenz: Schon in der 15. Minute fiel das 0:1. Nick Heberle besorgte den da schon verdienten Treffer nach Vorarbeit von Ali Hamdar. Und munter ging es weiter. Die Rottenburger zwangen der Partie ihren Stempel auf und hatten die größeren Spielanteile. Wieder von links und wieder ins linke Eck geschossen folgte in der 33. Minute das 0:2 durch Aaron Leyhr.
Calcio Leinfelden-Echterdingen droht ein sportlicher Scherbenhaufen
Die Echterdinger unterlagen in den meisten Zweikämpfen, die Ballhoheit auf dem Platz gehörte eindeutig dem Team in Rot. Die Unzufriedenheit wuchs. Mit Folgen. Georgios Kaligiannidis legte sich nach einem Foulspiel kurz vor dem eigenen Strafraum mit dem Schiedsrichter an – was ihm erst Gelb und dann Gelb-Rot einbrachte. Und eine glatt rote Karte kam für hinzu, in diesem Fall für den Calcio-Sportdirektor Josip Pranic, der den Linienrichter beschimpfte. Die Nerven lagen offensichtlich blank. Abstiegskampf halt.
Immerhin: Trotz Unterzahl spielten die Gastgeber dann eine sogar bessere zweite Halbzeit. Zahlreiche Chancen blieben allerdings ungenutzt. Der Co-Trainer Adem Demir war bedient. „Wir haben dem Gegner durch zwei blöde Fehler die Chancen zum Sieg gegeben. Und dann kam noch der dumme Platzverweis“ – so fasste Demir das Spiel zusammen, nicht ohne sein Team für den beherzten Auftritt in der zweiten Hälfte zu loben. „Da haben die Jungs Herz gezeigt und Charakter bewiesen. Wenn uns der Anschlusstreffer gelungen wäre, wäre es sicher anders gelaufen.“ Dieser fiel aber nicht – bitter. Und nun droht den Echterdingern ein sportlicher Scherbenhaufen. Noch vier Spiele stehen für sie an, um den Klassenverbleib zu schaffen oder wenigstens den Relegationsplatz zu erreichen. „Wir werden mit all unserer Kraft in diese Partien gehen. Calcio gehört nicht in die Landesliga“, fügte Demir hinzu. „Da steckt einfach zu viel Herzblut und Investition in diesem Team.“
Nächste Beweismöglichkeit: am kommenden Samstag, 16. Mai, um 14 Uhr beim bereits als Absteiger feststehenden Tabellenletzten VfR Heilbronn.
„Spieler des Spiels“ bei Calcio Leinfelden-Echterdingen
Casian-Matei Ulici (Nominierungen: 3). Ihm kann man nicht vorwerfen, nicht alles versucht zu haben. Fast 100 Minuten, inklusive Nachspielzeit, ackerte Ulici über das gesamte Spielfeld. Vorne tauchte er immer wieder gefährlich auf, in der Mitte half er kollegial einem verletzten Gegenspieler und hinten klärte er noch in der 96. Spielminute nach einem langen Sprint eine brenzlige Situation.
Calcio Leinfelden-Echterdingen: Bozatziolou – Thompson (86. Morina), Olteanu, Todorovic (58. Eltayeb), Schlotterbeck (58. Andrei-Lucian Ulici) – Isik (68. Vittorio), Zekaj, Casian-Matei Ulici – Kaligiannidis, Vieira, Borges Da Silva (90.+7 Pagano).
FC Rottenburg: Häfner – Hirschka, Votentsev (82. Baur), Keisecker, Leyhr – Hamdar (64. Weber), Rohrer (90.+6 Zettel), Alfonzo (73. Bader), Heberle (83. Eberle) – Behr, Oeschger.