Korntal-Münchingen hatte große Pläne, um den Bürgerservice zu verbessern. Doch der Gemeinderat lehnt das vom Bürgermeister gewünschte Personal ab – und umgebaut wird nur minimal.
Die Menschen in Korntal-Münchingen sind mit dem Bürgerservice in ihrer Stadt unzufrieden. Sie finden die Öffnungszeiten zu kurz und die Bearbeitungszeiten ihrer Anliegen zu lang. Für sämtliche Themen müssen sie einen Termin vereinbaren, der je nach gewünschter Dienstleistung anderthalb bis zwei Wochen später ist, vor Ferien können es bis zu drei Wochen Wartezeit sein. „Wir sind von Beschwerden überrannt worden“, sagte der Bürgermeister Alexander Noak (parteilos). Der Unmut kommt aus der Bevölkerung wie aus dem Gemeinderat. Also habe er, der Rathauschef, mit seinem Team viel Arbeit investiert, um ein Konzept zu erarbeiten – „auf Antrag des Gemeinderats“, erinnerte Alexander Noak.
Der Gemeinderat möchte zwar nach wie vor, dass sich der Bürgerservice verbessert. Doch er lehnt es ab, das von der Stadtverwaltung für die Umsetzung beantragte zusätzliche Personal zu genehmigen – weil die Kommune in einer finanziellen Schieflage ist. Der Vorschlag der Verwaltung war vom Tisch, nachdem genau so viele Räte ihm zustimmten wie ihn ablehnten. Das hat Folgen.
„Wir können uns keine weiteren Stellen leisten, aber wir brauchen sie“
Um die klamme Stadtkasse weiß freilich auch der Bürgermeister, der sich vor Kurzem den Frust von der Seele redete. Daher beantragte die Stadtverwaltung eine 75-Prozent-Stelle statt der ursprünglich gewünschten 1,5 Stellen. Dies sei eine Mindestanforderung, um die Neukonzeption mit dem Servicepoint umsetzen zu können, sagte sie. Und berichtete, die Versuche, mit dem bestehenden Personal das neue Konzept zu realisieren, seien fehlgeschlagen. „Wir können uns keine weiteren Stellen leisten, aber wir brauchen sie“, sagte der Bürgermeister. Alexander Noak betonte auch, dass im Rathaus nicht zu viel Personal sitze. „Wir haben um Stellen immer gekämpft.“
Am Servicepoint können die Bürger ohne Termin einfache Dienstleistungen sofort erledigen, wie Ausweise abholen oder Dokumente beantragen. Außerdem können sie dort Termine für umfangreichere Angelegenheiten vereinbaren. Mit abgespeckter Stellenaufstockung wären laut der Verwaltung längere Öffnungszeiten jedoch weiterhin nicht möglich.
Es drohen längere Warte- und Bearbeitungszeiten
Die Leiterin des Bürgerservices, Diana Jäger-Hein, erläuterte, was der Servicepoint ohne die 75-Prozent-Stelle bedeuten würde: Bürger müssten dann auch mal vier Wochen auf einen Termin warten. Ebenso würden sich die Bearbeitungszeiten verlängern. Albrecht Gaiser (Grüne) wies darauf hin, dass die Stadt aufgrund des Wegfalls von bisherigen und künftigen weil befristeten Stellen mehr spare, als die neue Stelle kosten würde (jährlich 42 000 Euro).
Peter Ott, der Chef der FDP, stimmte dennoch gegen die Aufstockung. Auch forderte er, die Digitalisierung voranzutreiben. Oliver Nauth, der Vorsitzende der CDU, sieht das ähnlich, vor allem wegen weiter steigender Personalkosten. Für nächstes Jahr rechnet die Stadt mit knapp über 25 Millionen Euro. 2025 waren es rund 22,5 Millionen. „An manchen Stellen werden wir in den sauren Apfel beißen müssen“, meint Oliver Nauth.
Dagegen sind sich Verwaltung und Gemeinderat einig, dass der Umbau des Bürgerservices Korntal möglichst günstig sein muss. In Münchingen sind weniger Veränderungen erforderlich, denn die Stadt hat in der Lammgasse bereits eine Gewerbeeinheit gekauft für zusätzliche Arbeitsplätze. Ursprünglich kalkulierte die Stadt für Umbau und Sanierung mit Kosten von etwa einer halben Million Euro. Mittlerweile hat sie ihre großen Pläne auch hier stark eingedampft: Maximal 150 000 Euro will sie noch ausgeben – und das Konzept selbst in die Hand nehmen statt ein Planungsbüro zu beauftragen. Ziel sei, „den Räumlichkeiten lediglich durch Möblierung, Akustikelemente und gegebenenfalls Bodenbeläge neuen Glanz zu verleihen“.