Nach Jahrzehnten ohne Konkurrenz muss sich Kirchbergs Bürgermeister erstmals wieder erklären. Erfahrung trifft auf neue Ideen – entschieden wird am Sonntag an der Urne.
Wenn in Kirchberg an der Murr am Sonntag zu den Wahlurnen gerufen wird, geht es um mehr als nur einen Verwaltungsakt. Es geht um Kontinuität oder Kurswechsel, Vertrautes oder Neuanfang. Der 62-jährige Frank Hornek, seit 1994 im Amt, tritt gegen den 15 Jahre jüngeren Polizeibeamten Lars Herold an – ein Duell, das es seit mehr als zwei Jahrzehnten nicht mehr gegeben hat.
Hornek, nach Reinhold Sczuka momentan der dienstälteste Bürgermeister im Rems-Murr-Kreis, war bei den letzten beiden Wahlen ohne Gegenkandidaten angetreten, 2018 holte er 91,2 Prozent der Stimmen. Die Wahlbeteiligung dümpelte allerdings bei mageren 35 Prozent. Und: Immer wieder wurden andere Namen auf die Stimmzettel geschrieben. Ein stiller Protest?
Unwetter, Unzufriedenheit und eine WhatsApp-Revolution
Zündfunke für die neue Dynamik war schließlich das schwere Unwetter im Sommer 2024. Einige Kirchberger fühlten sich offenbar vom Rathaus im Stich gelassen. Aus dieser Lücke erwuchs Herolds Stärke: Der Polizeibeamte gründete die WhatsApp-Gruppe „Wir in Kirchberg“, die sich bald zu einem digitalen Dorfplatz entwickelte – mit Untergruppen für Nachbarschaftshilfe, Foodsharing und ÖPNV-Beschwerden.
„Ich will Dinge anders machen, bürgernäher“, sagt Herold. Der gebürtige Oberschwabe lebt seit 2018 mit Frau und Kindern in Kirchberg, engagiert sich im Kindergarten und in der Schule. Die WhatsApp-Gruppen sind für ihn Ausdruck eines neuen Miteinanders.
Kein Visionär, sondern Realist – Hornek setzt auf Erfahrung
Hornek hingegen setzt auf seine Erfahrung: „Ich bin kein Visionär, sondern Realist“, erklärte er bei der Kandidatenvorstellung laut einem Bericht der „Backnanger Kreiszeitung“ und listete seine Erfolge auf: eine schuldenfreie Gemeinde seit 2015, zwölf Kitagruppen ohne Neubauten, eine neue Gemeindehalle im Bau.
Doch sein Blick geht weniger nach vorn. Die nächsten Jahre sollen für Sanierungen genutzt werden, ein weiteres Baugebiet müsse her.
„Ich werde jeden anhören“ – Herold setzt auf Bürgernähe
Herold punktet mit Ideen: ein kostenloser Ortsbus, Tempo-30-Kontrollen, Solarparks, ein Dorfcafé, ein Jugendtreff. Vor allem aber: zuhören. „Ich werde sicher nicht für alles sofort eine Lösung haben, aber ich werde jeden anhören“, verspricht er für den Fall seiner Wahl.
Ob das reicht? Am kommenden Sonntag wird es sich herausstellen. Eines hat der zweite Bewerber jedenfalls jetzt schon für die Bürger in Kirchberg an der Murr erreicht: Sie haben eine echte Wahl.