Giusy Lamattina mit ihrem Trüffelstand auf der Kulinart-Messe im Römerkastell Foto: Lichtgut/Christoph Schmidt

Deutschlands erste Bottega del Tartufo zieht von der Calwer Passage in die Markthalle um. Aber auch am alten Standort will die Jungunternehmerin Giusy Lamattina nach einem Umbau weitermachen.

Trüffelsuche kann nicht nur in der Natur schwierig sein, sondern auch in der Stadt. Eines der teuersten Lebensmittel der Welt – für 100 Gramm weißen Alba-Trüffel darf man schon mit 1000 Euro rechnen – ist eben nicht überall zu bekommen, sondern nur bei wenigen Feinkostspezialisten. Seit der Wiedereröffnung der Calwer Passage aber hat Stuttgart eine neue Anlaufstelle. Dort startete die inzwischen 35-jährige Giusy Lamattina mit der ersten Bottega del Tartufo, einer Trüffelboutique also.

 

Die Jungunternehmerin tritt in die Fußstapfen von Timo Hildebrand

Nach gut einem Jahr zieht die Jungunternehmerin nun damit um – dorthin, wo sie eigentlich immer schon hinwollte: in die Markthalle. Wegen technischer Probleme und weil die Aufbauarbeiten nur außerhalb der Öffnungszeiten möglich sind, hat sich der Neustart verzögert. Lamattina geht aber von einer Eröffnung noch in der kommenden Woche aus. Möglich wurde dies durch den Rückzug des veganen Vhy-Standes von Timo Hildebrand, der im Stuttgarter Westen weiterhin erfolgreich sein gleichnamiges Restaurant betreibt. Der Märkte-Stuttgart- und Markthallenchef Thomas Lehmann freut sich, Giusy Lamattina „für uns gewinnen zu können“, nachdem die Standfläche neu ausgeschrieben wurde. „Das Angebot passt wunderbar hier rein und ist eine tolle Ergänzung.“ Zwar werden in der Markthalle schon länger „mehr so nebenher“ auch Trüffel verkauft, wie Lehmann sagt. Die Breite des Angebots der Bottega del Tartufo aber ist einzigartig, und: „Wir werden unser Sortiment noch erweitern“, so Lamattina, und auch Verkostungen anbieten.

Rund hundert Produkte mit Trüffel sind im Sortiment

Trüffelfans wissen, dass bald ein Saisonwechsel von Winter- auf Sommertrüffel ansteht. Zuletzt war der Nero Pregiato für 1,70 Euro das Gramm zu haben, für den Bianchetto, den es in einer kurzen Übergangszeit geben wird, rechnet Giusy Lamattina mit 80 Cent pro Gramm. La Bottega del Tartufo bezieht die Edelpilze direkt von eigenen Trüffeljägern und -sammlern. Neben frischen Knollen werden rund hundert mit Trüffel veredelte Produkte wie Butter, Öl, Creme, Saucen, Pasta, Risotto oder Chips angeboten. Neu im Programm sind handwerklich hergestellte und verfeinerte Käsesorten. „Wir haben eine exklusive Kooperation mit den besten Produzenten in Italien“, sagt Lamattina, die in Deutschland die Master-Franchise-Rechte für La Bottega del Tartufo hat. Mehr als vierzig Boutiquen gibt es, die meisten davon in Italien. In Deutschland ist die in Stuttgart bislang die einzige, aber wenn sich der neue Standort in der Markthalle gut etabliert hat, ist eine Expansion etwa nach München durchaus vorstellbar.

Der Laden in der Calwer Passage bleibt derweil erhalten. „Die Erwartungen von uns allen dort waren höher“, sagt Lamattina angesprochen auf die immer noch bestehenden Anlaufschwierigkeiten der Shopping- und Gastropassage. Aber mit etwas mehr Zeit und viel Eigeninitiative glaubt sie weiterhin an den Erfolg des Vorzeigeobjekts, in dem es zwar schon erste Schließungen gegeben hat, aber mit der Pasticceria da Sergio auch eine hoffnungsvolle Neueröffnung. Giusy Lamattina betreibt dort unter ihrem Namen ein Taschen- und Modegeschäft, das bislang nahtlos in die Trüffelboutique überging und derzeit umgebaut wird. „Wir haben schon viele Stammkunden, zu 90 Prozent aus eigener Werbung hauptsächlich auf Social Media“, sagt sie. Und damit meint sie nicht nur Liebhaber von Trüffeln, die in der Calwer Passage zumindest mit einigen abgepackten Produkten weiterhin fündig sein werden.