Die Betriebsratswahl bei Bosch in Feuerbach ist entschieden. Wie sich das Gremium zusammensetzt, und warum sich der Betriebsratschef eine höhere Wahlbeteiligung gewünscht hätte.
Am Standort Stuttgart-Feuerbach hatten von Dienstag bis Donnerstag 11.649 Mitarbeiter des Technologie- und Dienstleistungskonzerns Bosch die Möglichkeit, an der Betriebsratswahl teilzunehmen. 6010 der Beschäftigten stimmten ab – und nun sind die Ergebnisse bekannt.
Wie der lokale Betriebsrat mitteilt, stellt die IG-Metall-Fraktion – wie auch etwa beim Stuttgarter Autobauer Mercedes-Benz und beim Nutzfahrzeughersteller Daimler Truck – weiterhin eine klare Mehrheit im Gremium. Die „Offene Liste der IG Metall“ sicherte sich mit einem Stimmanteil von 84,62 Prozent nämlich 33 der 39 Sitze – und verbesserte sich somit im Vergleich zur vorherigen Wahl.
IG Metall dominiert bei Bosch in Feuerbach
2022, als 12.976 Mitarbeiter wahlberechtigt gewesen waren, war die IGM-Liste auf etwas mehr als 75 Prozent aller Stimmen und 31 der 39 Sitze gekommen. „Kennwort Team Fairplay“ (9,64 Prozent, 3 Sitze), „Perspektive für Feuerbach“ (8,19 Prozent, 3 Sitze), „Feuerbacher Offensive“ (5,11 Prozent, 2 Sitze) und „Mittendrin“ (1,51 Prozent, 0 Sitze) landeten auf den Plätzen hinter ihr.
Künftig sind neben der Industriegewerkschaft drei weitere – und anders lautende – Listen im Gremium vertreten. Auf die „Alternative für Feuerbach“ entfielen 10,26 Prozent der Stimmen, wodurch sie vier Vertreter stellen kann. Die Listen namens „Freie Liste“ und „Dr. Markus Langnet“ (beide 2,56 Prozent) sicherten sich je einen Sitz.
Der Wahlsieger äußert sich erfreut zu seinem Ergebnis. „Bei Bosch in Feuerbach bestätigt das Ergebnis der Listenwahl den Erfolg unserer IG-Metall-Liste. Diese Resultate zeigen, dass die Beschäftigten überall dort, wo Transformation und Kostendruck besonders spürbar sind, auf eine starke, verlässliche und durchsetzungsfähige IG Metall setzen“, wird Antonio Potenza, Kassierer und Geschäftsführer der IG Metall Stuttgart, in einer Mitteilung zitiert.
Wahl inmitten des Sparprogramms bei Bosch
Vor vier Jahren hatte die Wahlbeteiligung in Feuerbach nach IGM- und Betriebsrat-Angaben bei 50,8 Prozent gelegen, nun – inmitten des Sparprogramms bei Bosch – stieg sie leicht (51,6 Prozent). „Nach den anstrengenden Verhandlungen am Standort hätten wir uns mehr Wahlbeteiligung gewünscht. Aber mit dem Ergebnis lässt es sich gut arbeiten in den nächsten vier Jahren“, ist von Frank Sell, Betriebsratsvorsitzender am Standort Feuerbach und Listenführer der IG Metall, in dem Schreiben seines Gremiums zu lesen.
Sell, zugleich Gesamtbetriebsratschef der Autosparte Mobility, bezieht sich auf die Verhandlungen zum andauernden Sparprogramm, mit dem Bosch rund 22 000 Stellen abbauen will. Wie er kürzlich erklärte, wurden für alle Standorte inzwischen Vereinbarungen getroffen. Sell bestätigte damit eine vorherige Aussage von Bosch-Chef Stefan Hartung im Interview mit unserer Zeitung .
Die Arbeitnehmerseite konnte vereinbaren, dass betriebsbedingte Kündigungen je nach Standort und Bereich bis mindestens 2029, teilweise auch bis 2032 ausgeschlossen sind. Für die deutschen Standorte der Autosparte Mobility gilt die Zukunftssicherung, die Kündigungen bis 2027, teilweise auch bis 2029 ausschließt, weiter.
Allerdings bekommt dieser Schutz Lücken. „Betriebsbedingte Kündigungen sind für die Dauer der lokalen Vereinbarungen ausgeschlossen – vorausgesetzt, die jährlichen Ziele für den Stellenabbau werden erreicht“, teilt Bosch unserer Zeitung mit. „Wir wollen – wie bisher auch – erforderliche Maßnahmen so sozialverträglich wie möglich mit unseren Arbeitnehmervertretern gestalten“, heißt es weiter.