Dieses Kaninchen heißt nicht Leo, kommt mir aber trotzdem nicht ins Haus. Foto: imago/imagebroker

Tiere kommen mir nichts ins Haus: Selbst dann nicht wenn sie Leo heißen. Unser Autor hadert in der Humor-Kolumne mit seinem tierischen Schicksal.

Und wenn er zehnmal Leo heißt und sein Name sich auf das größte aller Genies, den Jahrtausend-Künstler Leonardo da Vinci, bezieht: Nein, das Schulkaninchen Leo, für das der Hausmeister nicht mehr sorgen will, kommt mir nicht ins Haus. Da kann der Leo noch so possierlich aussehen und die Tochter noch so inbrünstig betteln.

 

Leo heißt er also, weil er immer so intelligent aus dem Holzhäuschen guckt, das gerade offen im Garten steht – „zur Probe, echt nur zu Probe“, sagt meine Tochter. Und weil sie weiß, dass ich ein gläubiger Mensch bin, hat sie urplötzlich den neuen Papst Leo XIV. als Namenspaten für unseren Leo, den möglicherweise Ersten, erkoren. Eine Respektlosigkeit gegenüber dem Pontifex Maximus und der Kurie sondersgleichen, wie ich finde.

Ich bin gegen Haustiere

Ich bin gegen Haustiere, das kommt noch von meinen Urahnen, die nicht nur im Weinberg des Herren dienten, sondern auch im eigenen Weingarten Grünen Veltliner anbauten, die gesunde Alternative zu grünem Tee, weil der Grüne Veltliner im Gegensatz zum grünen Tee sofort verzehrfertig ist, während man den Tee ja noch mühsam aufbrühen muss.

Dieses Kaninchen heißt erst recht nicht Leo. Und kommt mir erst recht nicht ins Haus. Foto: Sandra Hintermayr

Gegen Haustiere also bin ich, nicht nur weil Katzen gern vom Dach fallen, sondern auch mehr Vögel fressen als alle Windräder weltweit, und gegen Hunde bin ich, weil mir die Hundebesitzer die Hundescheiße in rote Plastikbeutel verpackt auf das Wiesle schmeißen, dereinst der Weinberg meiner Urahnen. Schildkröten sind langweilig und blockieren den Kühlschrank und Hamster laufen die ganze Zeit sinnlos im Rad.

Tiere gehören in den Stall

So wie alle meine Vorfahren finde ich, dass Tiere in den Stall gehören – und nicht ins Haus. Und jetzt ein Kaninchen. Jeder weiß, dass sie mehr fressen als eine Kuh, dass sie sich unter jeder Stallwand selbst durch steinharten Boden wühlen, um in freier Wildbahn jämmerlich zugrunde zu gehen. Selbst wenn sie bis Mitternacht den Füchsen, Dachsen, Wieseln, Mardern und Autofahrern entkommen, den Sonnenaufgang erleben sie sicher nicht.

Wobei – da gibt es doch dieses Gedicht von Christian Morgenstern, in dem es um einen Hasen auf einer Wiese geht, den ein Mensch mit seinem Fernglas beäugt und nicht ahnt, dass er in ebensolcher Weise von Gott betrachtet wird: „Ihn aber sieht hinwiederum, ein Gott von fern an, mild und stumm.“ Tja, nun sitzt der kleine Löffelzwerg im Garten, hat die Blumenrabatten mit dem kühnen Forschergeist seines ersten Namenspatronen sofort für verzehrfertig erkannt, guckt intelligent und dient als Beweis für das Wirken des Höchsten. In Gottes Namen, liebe Tochter, dann soll das Vieh halt ins Haus.