Im Strudelbachtal bei Eberdingen im Kreis Ludwigsburg tummeln sich wohl mehrere Hundert Feuersalamander. Doch die Idylle hat deutliche Risse bekommen.
Man sollte sich eigentlich nicht an Äußerlichkeiten aufhalten. Aber beim Feuersalamander lässt sich das kaum vermeiden. Alleine seine knallige schwarz-gelbe Färbung macht ihn zu einem der schrillsten Vertreter der hiesigen Amphibienwelt. Dazu kommt seine beachtliche Größe. Manche Exemplare sollen es auf mehr als 20 Zentimeter bringen. Allerdings muss man viel Glück haben, einen Feuersalamander zu Gesicht zu bekommen. Die Tiere stehen auf der Roten Liste für Baden-Württemberg in der Kategorie gefährdet. Selbst im Strudelbachtal, einem Hotspot im Kreis Ludwigsburg, bröckeln die Bestände.
Die bezaubernde Naturoase bei Eberdingen bietet ganzjährig gute Bedingungen für Feuersalamander. Die Tiere lieben schnell fließende und kühle Gewässer wie den Strudelbach. Ein Pluspunkt ist zudem der Laubwald. So können sich die Schwanzlurche in Erdlöchern verstecken, in Totholz oder unter Steinen. Überdies würden „die Talabschnitte mit Trockenmauern und feuchten Hohlräumen und Spalten in deren Hintergemäuer gerne als Winterquartier und auch als Sommerlebensraum mit reichem Nahrungsangebot genutzt“, erklärt Andreas Fritz, Pressesprecher des Landratsamts in Ludwigsburg.
Zwischen 2000 und 4000 Salamander lebten zuletzt in dem Tal
Kein Zufall also, dass sich im Strudelbachtal ein Feuersalamander-Vorkommen von landesweiter Bedeutung entwickelt hat. Flächendeckend wird der Bestand auf Landkreisebene zwar nicht erhoben. Das Landratsamt hatte jedoch im Jahr 2015 ein Gutachten in Auftrag gegeben. Demnach krabbelten und huschten in einem Korridor zwischen der Kreisgrenze bei Eberdingen und Vaihingen-Riet geschätzt 2000 bis 4000 Tiere durch das Strudelbachtal. Ähnlich relevante Populationen seien auch im Kreuzbachtal zu vermuten, das parallel zum Strudelbach an der Kreisgrenze verläuft, erklärt Andreas Fritz. Doch dort sei der Bestand nicht dezidiert erfasst worden.
Das Problem ist nur, dass auch die scheinbar heile Lurchi-Welt im Strudelbachtal längst dicke Risse bekommen hat. Aus einem älteren Gutachten lässt sich herauslesen, dass sich im Jahr 2004 in dem Gebiet noch rund 5400 erwachsene Feuersalamander getummelt haben. Die Population ist folglich innerhalb von nur wenigen Jahren um wenigstens 1400 Exemplare, vielleicht aber sogar um mehr als die Hälfte eingebrochen.
Es sei in der Expertise aus dem Jahr 2004 darauf hingewiesen worden, dass eine „sehr hohe Zahl“ von Salamandern an der dortigen Straße Opfer von Fahrzeugen geworden seien. Vor dem Hintergrund sei „von einem verkehrsbedingt weiterhin anhaltenden Rückgang der Bestände auszugehen“, gibt Andreas Fritz zu bedenken. Während der Frühjahrswanderung der Feuersalamander sei eine nächtliche Sperrung der Kreisstraße zwischen dem Ortsausgang Eberdingen und der Häldenmühle in Richtung Weissach zum Schutz der Lurche „unverzichtbar“.
Larven können in ungeeignete Gebiete mitgerissen werden
Aber nicht nur Autos, Lastwagen und Co. können zur Todesfall für die nachtaktiven Amphibien werden. Auch der Klimawandel setzt ihnen zu. Die allgemein zunehmenden Temperaturen und Trockenphasen führten zum frühzeitigen Austrocknen der zur Entwicklung der Larven notwendigen Gewässer, erläutert Andreas Fritz. „Gerade Quellbereiche und kleinere Fließgewässer sind davon besonders betroffen“, betont der Kreishaus-Sprecher.
In längeren Trockenphasen seien die Amphibien darüber hinaus weniger aktiv und die Nahrungssuche eingebremst. Häufiger werdende Starkregen und die ungebremste Einleitung von Niederschlagswasser in die Quellbäche habe ferner zur Folge, dass Kleingewässer ausgespült und Larven in ungeeignete Abschnitte verfrachtet beziehungsweise mitgerissen würden.
Ein Damoklesschwert schwebt insbesondere über den Feuersalamandern, die in zentraleren Gebieten im Landkreis Ludwigsburg wie dem Enz- und Neckartal Schnecken und anderes Getier jagen. Für diese Kolonien besteht laut Fritz die Gefahr, aufgrund des anhaltend starken Flächenverbrauchs, der intensiven Nutzungen des Geländes, des vergleichsweise geringen Waldanteils sowie der hohen Verkehrsdichte zunehmend isoliert zu werden. Letztlich könnten die Populationen sogar ausbluten, wenn die Lurche beim Queren von Straßen unter den Reifen von Fahrzeugen zermalmt werden.
„Es ist daher von einem verkehrsbedingt weiterhin anhaltenden Rückgang der Bestände auszugehen.“
Andreas Fritz, Pressesprecher des Landratsamts
So weit ist es aber zum Glück noch nicht. „Beachtliche Vorkommen“ finde man vor allem noch in den laubwaldreichen Randgebieten des Landkreises, berichtet Fritz. Im Glemswald, Stromberg und dem Schwäbisch-Fränkischen Wald besiedele der Feuersalamander bevorzugt schwerer zugängliche Keuperklingen mit kleineren Klingenbächen, so dass die dortigen Populationen weniger wahrgenommen würden. Im Zentrum des Landkreises seien weitere Bestände bekannt, beispielsweise bei Bietigheim-Bissingen, Markgröningen, Mundelsheim und Steinheim.
Respekt vor Sperrungen
Laubwälder fördern
Um die Bestände der Feuersalamander zu sichern, müssten laut Landratsamt Ludwigsburg alte Laubwälder gefördert und erhalten werden, speziell im Umfeld von Quellbächen oder stehenden Gewässern, die als Laichplätze dienen. Altholz sollte zudem in den Habitaten bleiben.
Tödliche Seuche
Privatleute können zum Schutz der Tiere beitragen, indem sie beispielsweise Straßensperren während der Wanderzeit von Amphibien respektieren, oder Punkte melden, an denen viele Salamander überfahren werden. Zudem sollte man kleinere Still- und Fließgewässer nicht betreten oder mit dem Mountainbike durchfahren. Sonst besteht die Gefahr, die Erreger der Salamanderpest zu verbreiten, die in Teilen von Deutschland grassiert – und für die Lurche tödlich ist.