Wenn in Besigheim gefeiert wird, wird gerne mit Champagner angestoßen. Foto: Simon Granville

Wie eine schwäbische Kleinstadt im Kreis Ludwigsburg zum edelsten aller Getränke kam und warum dort weitaus mehr Champagner fließt als überall sonst im Land.

Besigheim ist in vielerlei Hinsicht ein besonderer Flecken Erde. Das Städtchen an Neckar und Enz wird als schönster Weinort gehandelt, besticht durch seine idyllische Lage und seine malerische Altstadt. Außerdem wird in Besigheim weitaus mehr Champagner getrunken als in jeder anderen schwäbischen Kleinstadt. Oder auch Großstadt. Woran liegt das?

 

Selbstverständlich kommt der edle Tropfen aus dem französischen Weinbaugebiet Champagne – eine andere Herkunft könnte er auch gar nicht haben, schließlich darf sich nur Champagner nennen, was dort an- und ausgebaut wurde. Stichwort geschützte Herkunftsbezeichnung.

Champagner auf dem Weihnachtsmarkt

Aber zurück nach Besigheim: Dort gibt es gerne mal ein Gläschen des edlen Schaumweins. Beim Weihnachtsmarkt zum Beispiel oder beim Winzerfest. Welcher Ort kann das schon von sich behaupten?

Die Verbindung von Besigheim zur Champagne liegt in einer Städtepartnerschaft begründet, die im Übrigen in diesem Jahr ihr 60-jähriges Bestehen feiert. Das 5000-Einwohner-Städtchen Aÿ liegt in der Region Champagne-Ardenne, wenige Kilometer von der Stadt Epernay entfernt. Was den Champagner angeht, ist Aÿ eine der renommiertesten Grand-Cru-Lagen, der Schaumwein von dort als von ganz besonderer Qualität.

Dass die beiden Orte damals in Form einer Städtepartnerschaft zusammenkamen, lag an ihren Weinbautraditionen. Die Freundschaft bahnte sich schon Anfang der 1960er-Jahre an, 1966 wurde schließlich die Partnerschaftsurkunde unterzeichnet. Bei der Feierlichkeit dazu in Aÿ sei die Stimmung sehr gut gewesen, so viel ist überliefert. Überhaupt seien die Champagner-Proben oft recht feucht-fröhlich abgelaufen.

„Champagner hat ja damals noch niemand bei uns getrunken“, erinnern sich Elisabeth Landsperger und Margrit Baumgärtner aus Besigheim, die beide von Anfang an in die Städtepartnerschaft mit Aÿ involviert waren und es bis heute sind.

Auch Annette Kobar engagiert sich schon lange im Partnerschaftsausschuss der Stadt Besigheim. Sie erinnert sich noch genau an ihren ersten Champagner. Sie war zum Schüleraustausch in Aÿ, in jenem Jahr wurde das 20-jährige Bestehen der Städtepartnerschaft gefeiert. „Ich war 16 Jahre alt und mochte den Champagner nicht“, erzählt sie heute lachend. Deshalb habe sie Orangensaft dazugeleert. „Den Franzosen ist das Gesicht runtergefallen. Die lachen bis heute über die Geschichte.“

Man kann durchaus behaupten, dass sich die Besigheimer inzwischen an den Champagner gewöhnt haben. „Wir sind schon stolz, dass wir nicht eine ,ganz normale’ Weinstadt zum Partner haben, sondern eine Stadt in der Champagne“, sagt Margrit Baumgärtner.

„Ganz wunderbares Produkt“

Dieses „ganz wunderbare Produkt“ wie Annette Kobar die perlenden Erzeugnisse aus Aÿ nennt, bringen die Mitglieder des Partnerschaftsausschusses heute gerne anderen Menschen nahe. Etwa bei besagten Festen in Besigheim oder beim Spätlingsmarkt im Landratsamt Ludwigsburg. Da gibt es dann den „Einstiegs-Champagner“, die Cuvée Tradition von Henri Goutorbe oder den etwas trockeneren Extra-Brut von Egrot e filles. Oder darf’s ein Gläschen von Michel Gentilhommes Brut Rosé sein? Die Cuvée ist ziemlich besonders, sehr trocken, ein bisschen Holz, sehr elegant.

Im Mai fahren die Besigheimer anlässlich des Partnerschafts-Jubiläums wieder zu ihren Freunden nach Aÿ, im Oktober erfolgt der Gegenbesuch. Ziemlich sicher wird bei den Feierlichkeiten zu 60 Jahren Städtepartnerschaft auch das eine oder andere Fläschchen Champagner entkorkt.