Wolfgang Thiel, Peter Degendorfer und Hans Mendler (von links) stellen auch im Schauraum des Kulturparks Dettinger aus. Foto: Petra Bail

Peter Degendorfer, Hans Mendler und Wolfgang Thiel bieten in Plochingen an zwei Ausstellungsorten dem grauen Alltag Paroli: Eine Kunst-Schnitzeljagd durch die Stadt ist möglich.

Egal, wo man anfängt, in der städtischen Galerie im Herzen Plochingens oder im Schauraum, mitten im idyllischen Kulturpark Dettinger – der Weg ist das Ziel. Zwischen den beiden Ausstellungsorten gibt es viel zu entdecken. Plochingen hat so viele Sehenswürdigkeiten im öffentlichen Raum, wie kaum eine andere Neckarstadt. Ein Grund mehr, sich die Stadt für einen ausgedehnten Kunstspaziergang gründlich vorzunehmen

 

Die meisten Arbeiten stammen vom künstlerischen Multitalent Wolfgang Thiel, einem der drei Protagonisten der Doppelausstellung der „3 Artisten“, die bis 12. Juli zu sehen ist. Ihm ist diese heiter-tiefgründige Sommerausstellung zu verdanken. Thiel gilt als einer wichtigsten figurativen Vertretern Süddeutschlands und hat sein Atelier im Kulturpark Dettinger.

Gemeinsames Studium an der Stuttgarter Kunstakademie

Mit Peter Degendorfer und Hans Mendler verbindet ihn eine Freundschaft seit dem Studium an der Stuttgarter Kunstakademie Anfang der 70er-Jahre. Gemeinsames Studieren, Experimentieren und Reisen schweißt die drei bis heute zusammen. Wobei man damals nicht nur lobte und feierte. In der direkten Auseinandersetzung mit den Kommilitonen habe er am meisten gelernt“, gibt Hans Mendler freimütig zu. Der Satz: „des taugt nix“, konnte dabei durchaus fallen. „Man hat sich nicht geschont.“

Trotz intensiver privater und künstlerischer Verbindung haben sich die drei Artisten in verschiedene Richtungen entwickelt und eine jeweils eigenständige künstlerische Sprache gefunden. Die Figuration ist dabei das verbindende Element, freilich auf sehr verschiedene Weise. Spontan und direkt arbeitet Peter Degendorfer. Er nimmt große Farbflächen, die er mit grafischen Formen als rätselhafte Zeichen bespielt Die Figur ist in seinem Werk fast verschwunden und taucht nur noch als hieroglyphisches Anliegen auf, durchaus mit Humor.

Bei Hans Mendler kommt die Figur zur Geltung

Anders Hans Mendler. Bei ihm kommt die Figur deutlicher zur Geltung. Sie symbolisieren die Leichtigkeit des Seins, den spielerischen Umgang, mit dem, was möglich ist in der bildenden Kunst. So entstanden auch die drei Holzköpfe, die laut Mendler etwas mit den drei Artisten zu tun haben. Die Stücke sollten eigentlich im Ofen verheizt werden, doch Mendler sah etwas in ihnen und machte Kunst daraus.

Wolfgang Thiel (rechts) zeigt beim Stadtspaziergang auch seine „Wegweisende Frauenfigur“. Foto: Petra Bail

Wolfgang Thiel hingegen inszeniert die Kunst im öffentlichen Raum, was sich in Plochingen an vielen Stellen augenfällig zeigt. Einige Appetizer seiner theatralischen Arbeiten sind im Bildhauergarten inszeniert, gleich neben dem Schauraum im Hof hinter dem Ateliergebäude zu finden. Von dort geht es quer durch den idyllischen Park zur Mosaiksäule mit Dame in der Urbanstraße 2. Das leuchtend-bunte Mosaik war einst Aushängeschild eines Modegeschäfts.

Lastwagen holt hölzerne Dame vom Betonsockel

Thiels Arbeiten geht eine sorgfältige Planung voraus. Schließlich müssen Statik und Sicherheit im öffentlichen Raum gewährleistet sein. Das wird bei der nächsten Station am Fischbrunnenplatz besonders deutlich. Dort steht eine der acht Damen, die in Plochingen sagen, wo’s langgeht. Die hölzerne Frauenfigur wurde bei einem Unfall mit einem Lkw von ihrem Betonsockel geholt. Dass sie wieder steht, ist sicherlich den sorgfältigen Berechnungen ihres Schöpfers zu verdanken.

In der Marktstraße vor der Plochingen-Info weist eine weitere Figur den Weg direkt in die städtische Galerie, zum zweiten Teil der Präsentation. Dort findet sich von allen drei Künstlern figurative Arbeiten, die auf zwei Etagen einen lebendigen Dialog entfalten. Man kann sich förmlich vorstellen, wie Mendlers Holzköpfe mit Peter Degendorfers „Sitzende“ und Wolfgang Thiels „divodiva“ lustvoll über alte Zeiten plaudern.

Kunst-Spaziergang durch Plochingen

600 Meter weiter Richtung Stumpenhof an der Einmündung Schorndorfer Straße in die Hindenburgstraße, wird der Mensch förmlich in den Himmel gehoben. Wolfgang Thiel hat für „Kleines Denkmal“ selleriegelbe, menschliche Umrisslinien für Fußgänger und Autofahrer gut sichtbar auf einen Sockel gestellt.

Ein Stadtspaziergang auf Spuren der Kunst für die ganze Familie, der zeigt: Kunst versteckt sich nicht in Galerien und Museen, sie wartet an der nächsten Ecke – zumindest in Plochingen.

„Flotter Dreier“ als Doppel-Schau

Besichtigung
Im Schauraum ist eine Besuch nach Vereinbarung unter schauraum-plochingen@gmx.de möglich. Die Galerie der Stadt Plochingen ist montags, mittwochs und samstags von 10 bis 13 Uhr, dienstags und donnerstags von 10 bis 13 Uhr und von 14 bis 17 Uhr sowie freitags von 9 bis 16 Uhr geöffnet. Eine Sonderöffnung gibt es während des Marquardtfests am 12. Juli von 11 bis 16 Uhr.

Kunstführung
Die frühere Kulturamtsleiterin Susanne Martin macht am Freitag, 3. Juli, 16 Uhr, einen Ausstellungsrundgang zwischen der Galerie der Stadt Plochingen und dem Schauraum im Kulturpark Dettinger. Kosten: sechs Euro. Eine Anmeldung ist telefonisch (0 71 53/70 05 250) oder per E-Mail (tourismus@plochingen.de) möglich.