Zusammen mit Partner Julius Brink (links) schrieb Jonas Reckermann europäische Sportgeschichte: Die beiden holten als erstes Paar den Weltmeistertitel und olympisches Gold für den Kontinent. Sehen Sie in unserer Bildergalerie die wichtigstens Stationen einer steilen Karriere. Foto: dpa

Sie hatten alles erreicht – und dennoch viel vor. Doch alle sportlichen Pläne des Beachvolleyball-Duos Brink/Reckermann sind nun Makulatur. Rückenprobleme zwingen Letzteren zum Aufhören.

Stuttgart/Köln - Bis zum vergangenen Sommer hatten sich ja nicht besonders viele Fernsehzuschauer dafür interessiert, erwachsenen Männern beim Spielen im Sand zuzusehen. Doch dann wurde das Olympiafinale im Beachvolleyball übertragen – und über neun Millionen Deutsche sahen zu, wie sich alles änderte. Julius Brink und Jonas Reckermann holten in London als erstes europäisches Beachvolleyballteam Gold, präsentierten sich fortan als freches und unterhaltsames Duo und machten viel Lust auf mehr: auf eine Fortsetzung 2013 und eine mögliche Wiederholung des Triumphs 2016 ausgerechnet am Strand von Rio de Janeiro. „Das wäre eine Riesensache gewesen“, sagte am Donnerstag Jonas Reckermann. In dem Wissen: Daraus wird nichts.

Schon einmal hatte der Zwei-Meter-Schlaks ein Jahr lang wegen Rückenproblemen pausieren müssen, im vergangenen Herbst war eine Schulter-Operation unumgänglich, dennoch plante der 33-Jährige die Fortsetzung der Karriere – bis eine erneute Untersuchung des lädierten Rückens ein Umdenken erforderte. Eine Zyste im Rückenmarkkanal drückt auf einen Nerv der Lendenwirbelsäule, Reckermanns Arzt Antonius Kass warnt vor „irreversiblen Schäden“, weshalb sich der Volleyballer für ein sofortiges Ende der Profilaufbahn entschied – wenn auch widerwillig. „Die Entscheidung fällt mir sehr schwer, ich hätte gerne mit Julius weitergespielt“, sagte Reckermann, „aber Gesundheit kann man nicht kaufen, und die geht vor.“ Damit stand das überraschende Ende einer sportlichen Traum-Ehe fest. Was allseits bedauert wurde.

Letzter Schritt eines gemeinsamen Weges

„Es ist eine betrübliche Nachricht für den gesamten deutschen Sport“, sagte Thomas Bach, der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), der das Duo als „Aushängeschild der Olympiamannschaft“ würdigte. Julius Brink erklärte: „Die Entscheidung ist bitter, aber ich habe vollstes Verständnis für diesen Schritt.“ Den vorerst letzten eines langen gemeinsamen Weges.

2009 entschieden sich die beiden Rheinländer für eine gemeinsame Karriere und schafften sich Rahmenbedingungen, die allerhöchsten Maßstäben genügen. Management, Mediziner, Athletikcoach, Volleyballtrainer, psychologische Betreuung – jeder Teilbereich des Projekts ist mit Experten besetzt. Was zu einer einzigartigen Karriere führte. Weltmeister, zweimal Europameister, als Höhepunkt Gold bei den Sommerspielen von London. „Es hat einfach alles gepasst“, sagte Reckermann und fügte hinzu: „Auch charakterlich.“

Getrennte Wege im Privaten

Der Block-Spezialist galt mit seiner ruhigen und besonnenen Art als Gegenpol zum emotionalen Julius Brink. Sportlich ergänzten sie sich sowieso, und abseits des Sandkastens gönnten sich die beiden trotz aller Sympathie füreinander viele Freiheiten und gingen sich auch immer wieder bewusst aus dem Weg. Umso intensiver war das Verfolgen gemeinsamer sportlicher Ziele. „Julius ist ein unglaublicher Kämpfertyp“, lobte Reckermann seinen Ex-Partner zum Abschied, „mit ihm ist es nie langweilig.“

Unterhaltsam soll das Leben des Rotschopfes auch nach Ende der aktiven Karriere bleiben. Privat sorgen Ehefrau Katja und der Ende 2012 geborene Sohn Emil dafür. Beruflich wird Reckermann dem Team um Brink und dessen neuem Partner Sebastian Fuchs erhalten bleiben – in welcher Form auch immer. Klar ist für Jonas Reckermann nur: „Wir werden keine getrennten Wege gehen.“ Es muss sich ja nicht schon wieder alles ändern.

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