Die 1,3 Kilometer lange, kurvenreiche Straße zwischen Weilimdorf und Schloss Solitude hat sich zu einem Unfallschwerpunkt entwickelt. Trotzdem wird im Sommer 2025 nur ein kritischer Bereich entschärft.
Zu einer der schönsten Straßen der Landeshauptstadt zählt fraglos die Bergheimer Steige in Weilimdorf. Sie ist rund 1,3 Kilometer lang und schlängelt sich durch den Wald bis zum Parkplatz Schloss Solitude. Fast 200 Höhenmeter werden dabei überwunden, was eine schöne Herausforderung für viele Fahrradfahrer darstellt.
35 Unfälle vergangenes Jahr
Doch in den vergangenen Jahren hat sich die wichtige Verbindung für Weilimdorf mit dem Fildergebiet zu einem Unfallschwerpunkt entwickelt. Allein 35 Unfälle wurden im vergangenen Jahr registriert. „Sie konzentrieren sich auf die Kurvenbereiche“, bestätigt Charlotte Weller von der Polizeipressestelle. Erst vor wenigen Tagen kam das Auto eines 55-Jährigen von der Straße ab, überschlug sich und blieb anschließend im Wald liegen. Der Mann wurde glücklicherweise nur leicht verletzt.
Obwohl hier Tempo 50 gestattet ist, sollte man auf die erlaubte Höchstgeschwindigkeit verzichten. Die Kurven sind tückisch, eng und der Fahrbahnbelag in etlichen Bereichen in keinem guten Zustand. Zudem ist die Bergheimer Steige so schmal, dass auf ihr sogar ein Durchfahrtsverbot für Fahrzeuge über 2,2 Meter Breite gilt. Dennoch sind viele überbreite Fahrzeuge vom Sprinter bis zum Kleinlastwagen jeden Tag dort unterwegs, manchmal auch große Lastwagen.
Bergheimer Steige: Regelmäßige Kontrollen
„Das Problem mit den vielen unberechtigten Durchfahrten ist bekannt“, sagt Charlotte Weller. Die Stuttgarter Polizei kontrolliere deshalb mehrmals im Monat, zuletzt am 27. August. Dabei wurden 15 Fahrer erwischt, die mit ihren Fahrzeugen dort nichts verloren hatten und zur Kasse gebeten wurden.
Doch laut Polizei zeitigen selbst die regelmäßigen Kontrollen nur wenig Wirkung. „Dies liegt zum einen an den langen Umwegen über Gerlingen oder sogar über Stuttgart-Mitte“, sagt die Polizeisprecherin. Dies führe dazu, dass das Durchfahrtverbot kaum akzeptiert wird. Ein weiterer Grund für die hohe Zahl an Missachtungen seien auch Verkehrsstörungen auf der Autobahn im Bereich der A8/A81 zwischen Kreuz Stuttgart und Leonberger Dreieck, bei der der Ausweichverkehr durch Navigation über die Bergheimer Steige geführt werde.
Kurve wird entschärft
Das Tiefbauamt will sich nun des Sorgenkindes annehmen. „Der aktuelle Zustand der Straße ist in jedem Fall verkehrssicher, jedoch dringend sanierungsbedürftig“, sagt Laura Orlik von der Pressestelle der Stadt Stuttgart. 2025 soll deshalb im Rahmen einer Vollsperrung im Sommer zumindest ein unfallträchtiger Kurvenbereich saniert und entschärft werden. Voraussetzung, sagt Orlik, sei jedoch, dass die notwendigen natur- und artenschutzrechtlichen Genehmigungen vorliegen. Und: „Die Sommerferien reichen nicht für die Maßnahmen.“ Die Hangsituation der Bergheimer Steige und die Baustellenlogistik seien herausfordernd, weshalb für diese Arbeiten eine Bauzeit von rund vier Monaten angesetzt werden müsse. Die Kosten liegen bei geschätzten 650 000 Euro.
All das ist den Freien Wählern im Stuttgarter Rathaus zu wenig: Sie fordern erneut eine komplette Sanierung der Bergheimer Steige, um die die Stadt nicht herum kommt. Der letzte Antrag der Freien Wähler bei den Etatberatungen im Dezember 2023 hatte – wieder einmal – keine Mehrheit gefunden. „Im Ergebnis drohen jetzt mindestens zwei Vollsperrungen: Eine, die nur dazu dient, einen kleinen Teil der Strecke zu sanieren, um den Unfallschwerpunkt zu entschärfen - und eine zweite, wenn der Gemeinderat möglicherweise im nächsten Doppelhaushalt das Geld für die Sanierung der gesamten Bergheimer Steige bereitstellt“, heißt es in dem Antrag der Freien Wähler. Dieses Szenario sollte, auch mit Blick auf den Einzelhandel in Weilimdorf, unbedingt vermieden werden.
Freie Wähler wollen Komplettsanierung
„Deshalb schlagen wir vor, die Entschärfung des Unfallschwerpunkts und die Komplettsanierung der Bergheimer Steige im Rahmen einer einzigen Vollsperrung zu erledigen.“ Die Verwaltung soll klären, ob das 2025 möglich wäre. Zudem wollen die Freien Wähler wissen, ob Geld herangezogen werden könne, das bei anderen Straßenbauprojekten nicht gebraucht oder wegen Verzögerungen nicht abgerufen werden könne.
Eine grundhafte Sanierung der Bergheimer Steige würde laut Tiefbauamt eine Vollsperrung von rund zwei Jahren zur Folge haben und mit etwa fünf Millionen Euro zu Buche schlagen. Was eine Verbreiterung der Straße kosten und wie lange die Realisierung dauern würde, können die städtischen Bauexperten noch nicht beziffern. Auf Grund der Straßenführung in Hanglage und bewaldetem Gebiet ist eine durchgehende Verbreiterung der Straße baulich sehr aufwendig und hätte zudem starke Eingriffe in den Waldbestand und die Natur zur Folge.