Das brachliegende Areal des Güterbahnhofs eröffnet dem Stuttgarter Stadtbezirk Obertürkheim eine große Chance. Dort soll ein urbanes Viertel mit rund 175 Wohnungen und ein Gewerbegebiet entstehen.
Eine vermutlich einmalige Chance für Obertürkheim nimmt immer mehr Gestalt an: Auf dem einstigen Güterbahnhof-Areal soll ein neues Stadtquartier entstehen. Rund 175 Wohnungen, eine Kita sowie Ladengeschäfte, Gewerbe- und Handelsbetriebe und Büroräume sollen auf dem 2,6 Hektar großen Streifen an den Bahngleisen Platz finden. Alexander Lange, der Geschäftsführer der a+r Architekten GmbH, die vor wenigen Wochen den städtebaulichen Wettbewerb gewonnen hatte, stellte die ersten Entwürfe für das neue Quartier vor.
Zweigeteiltes Viertel
Das neue Viertel im Ortszentrum ist in zwei Abschnitte gegliedert: Der nördliche, direkt an den Bahnhof angrenzende Teil, den die Stuttgarter Wohnungs- und Städtebaugesellschaft (SWSG) erworben hat, ist Wohnungen, Geschäften in den Erdgeschossen, eventuell einem Gesundheitshaus sowie einem Mobilitätszentrum vorbehalten. „Hier entsteht ein urbanes, autofreies Quartier mit dem Platz der Mobilität am Anfang eines begrünten Boulevards und dem Winzerplatz als verbindendes Element zwischen dem Wohnquartier und dem gewerblich genutzten Teil im südlichen Abschnitt des Areals“, beschreibt Lange das neue Wohnviertel.
140 neue Wohnungen
Auf diesem rund 9200 Quadratmeter großen Grundstück in unmittelbarer Nähe zum SWSG-Hauptsitz sollen 175 zum Teil öffentlich geförderte Wohnungen entstehen. Wegen des Bahnverkehrs werden die Gebäude zu den Gleisen hin weitgehend geschlossen sein. Sie halten den Zuglärm ab. Die Wohnungen öffnen sich zur Augsburger Straße hin. Die versetzte Anordnung der Gebäude soll die Durchlüftung garantieren. Auf den Dächern sind Photovoltaikanlagen installiert, eine Tiefgarage nimmt die Autos der Bewohner auf. In einer neuen Kita werden die Jüngsten betreut.
Flächen für Gewerbe und Handwerk
Der südliche Teil, den die Firma Aurelis Real Estate erworben hat, soll Handwerks- und Gewerbebetrieben neue Flächen bieten. „Die Gebäude lassen aber auch Büros, Lager sowie Räume für Produktions- oder Entwicklungs und Forschungsbetriebe zu. Diese Gewerbegebäude werden dann durch eine Straße erschlossen“, sagt Lange. Die Gespräche mit den Interessenten werden noch geführt und die Pläne dann konkretisiert. Den Beschäftigten und Besuchern der Gewerbebetriebe wird am hinteren Ende ein Parkhaus zur Verfügung stehen.
Barrierefreier Fußgängersteg
Auch einen Wunsch des Bezirksbeirats haben die Stuttgarter Architekten eingearbeitet: Ein Fußgängersteg, der über die Bahntrasse führt, soll das neue Viertel mit den Sportanlagen auf der gegenüberliegenden Seite verbinden. Die Auf- und Abgänge des Stegs sind geschwungen. Sie gewährleisten damit einen barrierefreien, nicht zu steilen Zugang.
Vorzeigeprojekt für Obertürkheim
Dementsprechend positiv nahmen die Bezirksbeiräte die Pläne auf. „Für Obertürkheim ist dieses Vorhaben eine große Chance. Wir wachsen um mehrere hundert Bewohner“, meinte Freie-Wähler-Bezirksbeirat Peter Aichinger. SPD-Stadtrat Michael Jantzer sieht das Vorhaben als ein Vorzeigeprojekt für Stuttgart an. Allerdings baten die Bezirksbeiräte um kleine Nachbesserungen. So wünschen sich einige Politiker eine Giebelbedachung wie im Ortskern üblich, zudem müsse ein attraktiverer Name als Güterbahnhof gefunden werden. „Obertürkheim bekommt ein wertvolles Stück Stadt geschenkt“, verspricht Martin Hasenmaile von der SWSG. Der städtische Eigenbetrieb will möglichst rasch – im Idealfall bereits 2024 – mit dem Wohnungsbau beginnen.