Es gibt sie noch, die guten Nachrichten. Bastian Börsig kann von seiner Kunst inzwischen leben. Wie macht der Karlsruher Maler das?
Stuttgart - Man kennt sie kaum noch, die guten Nachrichten aus dem Kunstbereich. Schwierig war die Situation für den Nachwuchs immer, Corona hat der Kunstszene noch den Rest gegeben. Bastian Börsig ist dagegen bester Dinge. Bei ihm läuft es gut. Natürlich sind auch dem 37-jährigen Maler im vergangenen Jahr Projekte geplatzt, jetzt aber hat er in der Stuttgarter Galerie Fuchs eine Einzelausstellung. Er malt gern Gegenstände – eine Handtasche oder einen Stuhl -, wobei sein Pinsel sich immer wieder selbstständig macht und ins Abstrakte abgleitet.
Preise und Stipendien
2500 Euro kostet ein kleines Format von Bastian Börsig, bei den großen Arbeiten hat er bereits die 10 000-Euro-Grenze geknackt. Die Chancen, dass in den kommenden Wochen eines der Bilder verkauft wird, stehen nicht schlecht. Denn Bastian Börsig hat schon während seines Studiums an der Karlsruher Kunstakademie Preise und danach mehrere Stipendien bekommen. So konnte er von Anfang an unabhängig vom Markt arbeiten. Besonders wichtig war aber, dass das Geld nicht zweckgebunden war und er es für seinen Lebensunterhalt verwenden durfte: „So musste ich nicht jobben gehen.“
Die Studenten-Auszeichnungen waren gut fürs Ego
Talent ist das eine, letztlich müssen Künstler aber auch die Chance bekommen, es zu entwickeln, um dann ihren Weg selbstständig gehen zu können. Es war vor allem das Stipendium der Kunststiftung Baden-Württemberg 2014, das Börsig auf seinem Weg geholfen hat. Die Preise, die er als Student bekam, „die waren gut fürs Ego“, erzählt er. „Durch die Kunststiftung kamen aber plötzlich Anfragen von Galerien, auch aus dem Ausland.“ Er entschied sich für die Berliner Galerie Wagner + Partner.
Auf Messen hat man ein größeres Publikum
Klinken putzen und mit seiner Mappe vorstellig werden musste er also nie – und ist froh darüber. „Galeristen wollen doch selber jagen gehen“, sagt er, „sie werden zugemüllt.“ Auch die Galerie Fuchs wurde über das Stipendium der Kunststiftung auf Bastian Börsig aufmerksam. Sie will seine Arbeiten auch bei der nächsten Art Karlsruhe mit einer Solo-Show vorstellen. „Auf Messen erreicht man eine viel größere Anzahl von Leuten“, sagt Börsig, „auch das ist wichtig.“
Die meisten Stipendien haben eine Altersgrenze – mit 35 Jahren ist Schluss
Inzwischen liegt er mit seinen 37 Jahren über der neuralgischen Grenze von 35 Jahren, auf die die meisten Stipendien begrenzt sind. „Danach wird es immer dünner“, sagt er. Obwohl er einige feste Sammler hat, bildeten die Stipendien bisher eine wichtige Säule seiner Einkünfte – wobei er allein gut mit den Verkäufen über die Runden käme. Er ist sogar überzeugt davon, dass er es auch während Corona alleine geschafft hätte – für die fünfköpfige Familie sind die Verkäufe dann aber doch zu wenig. „Ich bin froh, dass meine Frau ein festes Einkommen hat.“
Als Nächstes kommt New York
Laut einer Untersuchung des Instituts für Strategieentwicklung können nur zehn Prozent der Künstlerinnen und Künstler von ihrer Kunst leben – zumindest in Berlin. Vielleicht war es sogar von Vorteil, dass Börsig, der in Schwäbisch Hall geboren wurde, seit dem Studium in Karlsruhe lebt, was ein guter Standort sei. „Eine angenehme Szene, aktiv, aber unaufgeregt“, sagt er, hat seine Fühler aber auch in Richtung Ausland ausgestreckt. Als Nächstes wird er in einem Projektraum in New York ausstellen.
Ausstellungshonorare sind wichtig
Es gibt sie also, die Erfolgsgeschichten im Kunstbetrieb, die zeigen, dass das Fördersystem durchaus greift und hilft bei der Karriere. Aber auch die jüngsten Forderungen nach Ausstellungshonoraren sorgen dafür, dass Bastian Börsig von seiner Arbeit immer besser leben kann. „Seitdem die Forderung durch die Szene geht, habe ich immer wieder Ausstellungshonorare angeboten bekommen“ erzählt er, selbst kleine Off-Spaces würden sich bemühen, die Künstler zu entlohnen. „Eine sinnvolle Entwicklung“, so Börsig, „ich hatte früher viele Ausstellungen, bei denen ich am Schluss draufgelegt habe und auf den Transportkosten sitzenblieb.“
Bastian Börsig: Pillow Prototype, Galerie Fuchs, Reinsburgstraße 68A, bis 12. Februar, Di bis Fr 13–19 Uhr, Sa 11-16 Uhr