Der Pilzexperte Ralf Kohnen aus Baltmannsweiler (Kreis Esslingen) begeistert Kinder mit einem Naturthema. Können Erwachsene auch von ihm lernen? Und was ist essbar, was ist giftig?
Welche Pilze wachsen eigentlich im Schurwald? Welche sind essbar und welche nicht? Bei einer Exkursion von Zweit- und Viertklässlern aus Esslingen mit der Pilzschule Baden-Württemberg in Baltmannsweiler lässt sich das Naherholungsgebiet ganz neu und überraschend entdecken.
Alle Augen ruhen auf Ralf Kohnen. Der Pilzcoach hat einen Korb unter der Tischtennisplatte hervor geholt und zeigt seine Schätze. „Knollenblätterpilze haben unten eine Knolle und am Stil einen Ring“, erklärt der Ruheständler und deutet auf das stattliche Exemplar, das er an diesem Morgen vor dem Treffen mit den Grundschülerinnen und Grundschülern aus dem Wald geholt hat.
Der Schurwald mit seinen wunderschönen Mischwäldern ist für Kohnen ein ideales Pilzrevier, das in diesem Jahr Unmengen als Spätherbstpilzen wie den Königsröhrling, die Herbsttrompeten und Herbstrotfußröhrlinge bereit hält und das möchte er schon den jüngsten seiner Exkursionsteilnehmer zeigen.
Manche Pilze sind so giftig, dass sie tödliche Wirkung haben
„Manche dieser Pilze sind tödlich giftig“, warnt Kohnen, der sich zum Pilzsachverständigen hat ausbilden lassen, die Kinder, die ihm aufmerksam lauschen. Der Ring schütze die Lamellen auf der Unterseite des Pilzhuts vor Fressfeinden wie Insekten. Doch gegen die Maden habe sich der Pilz nicht wehren können. Kohnen schneidet den Stil auf und zeigt darin die Madengänge.
Auch einen Pilz ohne Stil zaubert er hervor. Dieser Baumpilz wachse direkt am Stamm und sei bei den Menschen früher sehr beliebt gewesen als Zunderschwamm. „Den haben wir auch in der Schule. Mit dem kann man Feuer transportieren“, erklärt eines der Kinder und strahlt.
Die Zweit- und Viertklässler sind zur Exkursion mit dem Bus aus Esslingen gekommen. Sie besuchen dort in der Urbanstraße die Silcherschule, eine staatliche Grundschule mit Montessoriprofil.
Den Rheinländer hat die Liebe nach Baltmannsweiler geführt
Auch der Schwefelritterling begeistert die Kinder. Alle dürfen mal an dem kleinen, gelben Pilz riechen. Ein Junge hält sich die Nase zu, denn der Pilz riecht tatsächlich ziemlich unangenehm nach Schwefel ganz im Gegensatz zum würzigen Knoblauchschwindling, der anschließend die Runde macht.
Sogar einen Leuchtpilz hat Ralf Kohnen zu bieten. Wie das funktioniert, zeigt der Rheinländer, der einmal Metallflugzeugbaumeister gelernt hat und erst 2019 der Liebe wegen nach Baltmannsweiler gezogen ist, im Schutz seiner dunklen Jacke. Kohnen hält den Pilz vor den dunklen Hintergrund und strahlt ihn mit einer kleinen Schwarzlichtlampe an – und tatsächlich beginnt der Pilz leicht neongrün zu leuchten. Der Pilz fluoresziere, erklärt Kohnen. Aber außer für solche Effekte lohne es nicht, den Grünblättrigen Schwefelkopf zu sammeln, denn er sei giftig und verursache heftige Magen-Darm-Beschwerden.
Dann ist die Vorführung auf dem Spielplatz am Ortsrand von Baltmannsweiler fürs Erste vorbei und die Kinder haben sich mit einer Scheibe frischem Baguette samt von Kohnen selbst zubereiteter Steinpilzbutter Appetit für weitere Entdeckungen geholt.
Die Kinder aus Esslingen gehen im Schurwald auf Entdeckung
Im Gänsemarsch geht es bis zum Waldrand. Dort bleibt Kohnen stehen und erklärt den Kindern, warum sie sich im Wald trotz all der Überraschungen zügeln sollen: „Der Wald ist tagsüber das Schlafzimmer der Tiere, die jetzt ihre Ruhe brauchen“.
Es ist erstaunlich, wie gut die Kinder an diesem Vormittag diese Mahnung beherzigen, obwohl sie rechts und links des Trampelpfads zahllose Entdeckungen machen. Es duftet nach frischer Erde und der typisch würzigen Waldluft.
„Der fühlt sich an wie ein Pfannkuchen“ meint ein Zweitklässler, der einen Rotfußröhrling mit dem filzartigen Hut begutachtet. „Wer möchte einen Pilz mit nach Hause nehmen?“, fragt Ralf Kohnen in die Runde und schon strecken fast alle die Hände in die Höhe. Keine fünf Minuten später wird der Pilzexperte regelrecht belagert und muss alle Pilze in den Kinderhänden begutachten, denn natürlich dürfen nur essbare Exemplare mitgenommen werden.
Ralf Kohnen hat das Pilzhobby zum Beruf gemacht
Obwohl es um ihn wuselt und er immer wieder von Kindern umringt wird, beantwortet Kohnen alle Fragen mit großer Geduld. Es bereite ihm selbst viel Freude, das Interesse der Kinder zu erleben, bekennt der Inhaber der Pilzschule Baden-Württemberg, der sein Pilzhobby zum Beruf gemacht hat und sein Wissen gerne weitergeben möchte.
Kinder werden im Unterricht auf das Thema Wald vorbereitet
Da werden Waldchampions, ein junger Steinpilz und Maronen dem Fachmann entgegengestreckt. Einer Gruppe Mädchen haben es die lilafarbenen Lackpilze angetan. „Den alten Goldröhrling solltest du lieber im Wald lassen“, rät Kohnen einem Jungen, bei dessen Pilz sich der Hut bereits nach oben biegt, aber ansonsten sei der Pilz essbar, nur die schleimige Huthaut, die schwer verdaulich sei, rate er vor dem Braten abzuziehen.
https://imthumbs.glomex.com/dC1icTAxNTZjbDZvMmgvMjAyNS8xMC8xNi8wOS81M18xM182OGYwYzA4OTQyMDIzLmpwZw==/profile:player-960x540/image.jpgDie Zeit vergeht wie im Flug. Kohnen mahnt zum Aufbruch. Auf dem Rückweg bleibt er an einem bemoosten Baumstumpf stehen und demonstriert, wie die winzigen weißen Pilze dort beim Antippen ihr weißes Sporenpulver verteilen.
Auch in den Augen der Klassenlehrerin Antina Schart hat sich der Ausflug gelohnt. Im Sachkundeunterricht habe sie die Kinder auf das Thema Wald vorbereitet und bereits eine Exkursion mit einer Försterin am Esslinger Jägerhaus erlebt.