Von 2024 auf 2025 ist das kleine Gewässer im Wald zwischen Stetten und Plattenhardt aufwendig saniert worden. Hat das etwas verändert?
Etwa 15 bis 20 Milligramm pro Liter im Oberflächenwasser, acht bis zehn Milligramm im tiefen Gewässer: Was zunächst nach wenig klingen mag, ist tatsächlich ein Meilenstein, denn es handelt sich um die Sauerstoffwerte im Bärensee. Simone Schwiete, eine der beiden Leiterinnen des Umweltschutzreferats in Filderstadt, freut sich angesichts der Tatsache, dass der Sauerstoffgehalt am Grund des Sees vor einigen Monaten bei null lag. „Mittlerweile geht es dem See gut“, sagt sie.
Vom Herbst 2024 bis zum Frühjahr 2025 ist der Bärensee im Wald zwischen Stetten und Plattenhardt saniert und mittels Saugbagger entschlammt worden, ohne dafür das Wasser ablassen zu müssen. Entfernt wurden Sedimente vom Boden des Sees, die beispielsweise durch das Zersetzen von Blättern entstanden waren. „Fast 1000 Tonnen wurden rausgeholt, mehr als erwartet“, sagt Simone Schwiete, zudem wurde der Pflanzenbewuchs dezimiert. Die Saugbaggerung gilt im Vergleich zu anderen Verfahren als sanfter, hieß es schon 2024 aus dem Umweltschutzreferat.
Der Bärensee war lange Sorgenkind
Seit Jahren gilt der Bärensee als Sorgenkind. Die Pächter, die Anglergruppe Bärensee, hatten mehrfach wegen des niedrigen Sauerstoffgehalts Alarm geschlagen, immer wieder hatte es zudem am beliebten Spazierziel faulig gestunken. Im Winter 2016/2017 war der See schließlich umgekippt und hatte eine Tonne toter Fische zurückgelassen. Seitens der Stadt war immer wieder versucht worden, den Zustand des Gewässers zu verbessern. Ende 2020 etwa war es im Rahmen einer sogenannten Teilwinterung bis auf einen Rest abgelassen worden. Zudem hatte man Bäume gestutzt, damit weniger Laub ins Wasser fällt und sich dort zersetzen kann. Der durchschlagende Erfolg war jedoch stets ausgeblieben, sodass schließlich das große Rad gedreht werden musste.
Die Entschlammung mittels Saugbagger war teuer. Von 260 000 Euro plus 10 000 Euro fürs Monitoring war Anfang 2024 die Rede gewesen. Den See sich selbst zu überlassen, war jedoch nie eine Option gewesen, denn die Stadt ist rechtlich verpflichtet, dieses Naturdenkmal zu erhalten. Dabei sind die Voraussetzungen für den Bärensee denkbar schlecht. Das Gewässer ist künstlich angelegt, der Zufluss über eine kleine Schichtquelle ist sauerstoffarm, auch regnet es immer weniger. Laut Simone Schwiete ist die Schüttung mit den Jahren von vier auf einen Liter pro Sekunde zurückgegangen, Wasser aus einer anderen Quelle heranzuziehen, sei finanziell und auch baulich nicht darstellbar. Stattdessen versuche man nun, den Wasserstand über den Ablass stabil zu halten. Außerdem wird der Sauerstoffgehalt per Dauermesseinrichtung weiterhin beobachtet.
Bärensee: Auch die Pflanzen sind wieder in Balance
Lang musste der See nach der Großmaßnahme ruhen, doch seit dem vergangenen Herbst ist klar, dass sich der Einsatz gelohnt hat und dass die Sauerstoffwerte deutlich gestiegen sind. „Man kann sagen, dass die Entschlammung ein Erfolg war“, sagt Simone Schwiete. Auch die Pflanzenwelt ist nach ihrer Beobachtung in Balance und nicht in Richtung einer Algendominanz gekippt.
Nun hoffen alle Beteiligten, dass sich auch die Tierwelt wieder erholt. Amphibien hätten in der Vergangenheit stark unter dem schlechten Zustand des Sees gelitten, „auch bei den Muscheln und Schnecken war der Bestand sehr zurückgegangen, wir hoffen, dass sich das stabilisiert“. Die Bürgerschaft könne helfen, indem sie sich an die Regeln halte, keinen Müll hinterlasse – die Anglergruppe zieht regelmäßig zum Einsammeln los – und die ausgewiesenen Ruhezonen nicht betrete.