Viele Weinstädter hängen offensichtlich auch an ihrem Bädle im Ortsteil Strümpfelbach. Foto: Gottfried Stoppel

Viele Bürger haben in der Bürgerfragestunde des Gemeinderats gegen die beabsichtigten Schließungen der Freibäder in Strümpfelbach und Beutelsbach protestiert. Wie reagierte die Stadt?

Applaus und Buh-Rufe begleiten den Sitzungsbeginn in der Endersbacher Jahnhalle. Auf der Tagesordnung des Gemeinderats von Weinstadt steht die Vorberatung über die von der Verwaltung beabsichtigte Schließung der Freibäder in Beutelsbach und Strümpfelbach. In den Tagen und Wochen zuvor hatte die Bürgerinitiative S’Freibädle Beutelsbach die Werbetrommel gerührt für ihren schon zum Jahresanfang der Stadt unterbreiteten Vorschlag, dass ein noch zu gründender Verein sukzessive den Betrieb des dortigen Bädles übernehmen könnte.

 

Mehr als 700 Mitbürger unterschrieben ihren Antrag, weitere gut 400 schlossen sich ihrer Social-Media-Gruppe an. Ihrem Aufruf zur Gemeinderatssitzung an diesem Donnerstagabend zu kommen, waren offensichtlich ebenfalls viele gefolgt. Mehrere hundert Besucher füllten die Halle. Im Halbrund saßen und standen sie dicht um das Gremium. Als „Rekordbeteiligung“ bezeichnete der Weinstädter Oberbürgermeister Michael Scharmann das riesengroße Interesse.

Kritiker übergeben 910 Seiten starken Fragenkatalog

Darunter waren auch Liebhaber des Strümpfelbacher Freibads. So war es ein Strümpfelbacher, der im Namen seiner Mitbürger gewaltig viele Fragen mitgebracht hat. 910 Seiten stark war der Katalog, den er dem Oberbürgermeister übergab. Scharmann wusste wohl, was da auf ihn zukommt. Denn schon im Vorgriff kündigte er in seinen einführenden Worten zur Bürgerfragestunde als ersten Punkt der Tagesordnung an, dass es am 7. Juli eine Bürger-Dialog-Veranstaltung zu den Konsolidierungsplänen der Verwaltung geben werde.

Finanziell düstere Zeiten für Weinstadt

Zudem ging er einerseits auf das Haushaltsloch von 4,6 Millionen Euro ein und die auch in den kommenden Jahren finanziell düsteren Aussichten, die es notwendig machen, langfristig Kosten einzusparen, und die freiwillige Aufgaben wie den Betrieb von Freibädern in immer größere Konkurrenz zu Pflichtaufgaben der Kommune bringen. „Aber für mich persönlich und für viele Ratsmitglieder haben Freibäder einen sehr hohen gesellschaftlichen Wert“, argumentierte er andererseits unter Applaus für den Neubau eines zentralen Freibads. „Die goldenen Zeiten, in denen es immer nur aufwärts geht, sind leider aktuell vorbei.“ Was sehr viele Menschen unter den Schließungsgegnern im Saal mit Buh-Rufen quittierten.

Was sind die Kritikpunkte der Schließungsgegner?

Als Kritikpunkte brachten sie in der anschließenden, zeitlich auf eine Stunde beschränkten Bürgerfragestunde vor allem eine noch weiter steigende Verkehrsbelastung rund um die Schulen vor, die sich in direkter Nachbarschaft zum neuen Hallenbad befinden, das mit dem geplanten Freibad-Neubau zum Kombi-Bad bis 2028 erweitert werden soll. Auf die Belange von Kindern werde bei den Plänen der Verwaltung zu wenig geachtet, monierte ein dem Zusammenhang eine Frau und beklagte neben der Verkehrsbelastung, dass es am neuen Freibad-Standort keine großen Schatten spendenden Bäume wie in den bestehenden beiden Freibädern geben werde.

Wie reagiert der OB auf die Kritik?

Scharmann ging auf die Schließungsgegner zu. „Wenn es Menschen gibt, die – und das ist ein ausschlaggebender Aspekt – die Verantwortung für den Betrieb übernehmen und durch ein breites ehrenamtliches Engagement den städtischen Haushalt verlässlich und dauerhaft entlasten, bietet dies natürlich ebenfalls eine Chance, eine Alternative“, sagte er und bot an, die eigentlich für den 24. Juli geplante Entscheidung des Gemeinderats zu vertagen. „Wir räumen den potenziellen Bädles-Vereinen bis Mitte September Zeit ein, um tragbare Konzepte auszuarbeiten und uns vorzulegen.“ Mit den Konzepten werde sich das Stadtparlament dann in seiner Sitzung am 1. Oktober befassen und in der folgenden am 23. Oktober die weitere Vorgehensweise beschließen. „Wichtig ist, eine zukunftsfähige Lösung für Weinstadt zu finden, die finanziell tragbar, planbar und auf Dauer angelegt ist – nicht, dass wir plötzlich ganz ohne Freibad dastehen.“

Als im Anschluss an die Bürgerfragestunde dann der Kämmerer Ralf Weingärtner vor der Beratung über die Freibäder-Strategie der Verwaltung die Haushaltssituation ausführlich darlegte, verließen einige Besucher die Halle.