Bei ZF hofft man, die Kehrtwende geschafft zu haben. Foto: ZF Friedrichshafen AG

Der Autozulieferer kämpft weiter mit volatilen Märkten und mit roten Zahlen. Der Nettoverlust hat sich verdoppelt.

Der Friedrichshafener Autozulieferer ZF ist mit tiefroten Zahlen aus dem Geschäftsjahr 2025 gegangen. Der Nettoverlust verdoppelte sich gegenüber 2024 auf nunmehr 2,1 Milliarden Euro, der Umsatz sank gegenüber dem Vorjahr von 41,4 auf auf 28,8 Milliarden Euro.

 

Was zu dieser Entwicklung auf den ersten Blick nicht zu passen scheint: Die Nettoverschuldung des Konzerns mit ihren quälend hohen Zinszahlungen, verursacht vor Jahren durch den kreditfinanzierten Zukauf der Komponentenhersteller Wabco und TRW, sank zugleich auf 10,2 Milliarden Euro – ein erfreulicher Abbau von rund 250 Millionen Euro.

Bilanz mit Verzerrung

Die schlechte Bilanz, erklärte der Vorstandschef Mathias Miedreich am Donnerstag bei Vorstellung der Zahlen, enthalte eine Verzerrung: Der Stopp mehrerer unrentabler Entwicklungsprojekte im Zusammenhang mit E-Mobilität im abgelaufenen Jahr habe allein 1,6 Milliarden Euro gekostet – eine „Einmalbelastung“. Rechne man das aus dem Verlust heraus, gehe es mit der Restrukturierung des Konzerns eigentlich gut voran.

Mathias Miedreich (rechts) ist seit Oktober 2025 Vorstandschef von ZF. Foto: Felix Kästle/dpa

Restrukturierung, das bedeutet neben der Reduzierung der Produktpalette auch Personalabbau. Bis zu 14 000 Stellen allein in Deutschland sollen bekanntlich bis 2028 weg, über natürliche Fluktuation, Abfindungsprogramme oder die Reduzierung von Arbeitszeiten.

Um fünf Prozent ist das deutsche Personal im Vorjahr über die Standorte hinweg verringert worden, das waren rund 2800 Stellen. Weltweit sank die Zahl der Beschäftigten von 162 000 auf 153 000. Damit sei man im Plan, so das Management. Entlassungen will Miedreich weiter nicht kategorisch ausschließen, das sei für ihn aber die „Ultima Ratio“. Der Abbau geht aktuell weiter, erfasst nun auch die Firmenzentrale mit ihren Verwaltungsbereichen. Noch wird mit dem Betriebsrat verhandelt, aber dem Vernehmen nach rückt die Streichung wohl jeder fünften Stelle in der Zentrale näher. Niemand scheint sicher. „Wir haben auch zu viele Führungskräfte“, so Miedreich.

Neuer Chef im Hau-Ruck-Verfahren

Im Hau-Ruck-Verfahren ist der 50-jährige Vorstandsvorsitzende im vergangenen Oktober auf den Chefposten befördert worden, der Personalie war die Demission des glücklosen Holger Klein vorausgegangen. Klein hatte kurzfristige geschäftliche Erfolge vermissen lassen, hatte teure Berater ins Haus geholt, sich vor allem aber mit dem mächtigen ZF-Betriebsrat überworfen. Bei einer Kundgebung Friedrichshafener Beschäftigter gegen den Personalabbau vergangenes Jahr waren deswegen erstmals „Vorstand raus“-Rufe skandiert worden. Die dominierende Zeppelin-Stiftung unter Kontrolle der Stadt Friedrichshafen und die Uldrup-Stiftung reagierten schließlich auf die Entwicklung.

Das taten sie auch jetzt wieder, nachdem die Geschäftszahlen 2025 Kontur gewonnen hatten. Die Stadt wird sich diesmal keine Dividende aus ihrem notleidenden Unternehmen ziehen.

Im Vorjahr sowie im Vor-Vor-Jahr hatten sich die Eigentümer per Sonderbeschluss jeweils 41 Millionen überweisen lassen – obwohl das Geld nicht erwirtschaftet worden war. Der neueste Verzicht ist offenbar eine Reaktion auf erste Erfolge, die Miedreich zugeschrieben werden.

So hat ZF einen Tag vor Weihnachten den Verkauf seiner Geschäftseinheit für Fahrerassistenzsysteme, genannt ADAS, an das US-Unternehmen Harman International vermeldet, das wiederum zum südkoreanischen Samsung-Reich gehört. Der Deal steht noch unter dem Vorbehalt einer Zustimmung von Behörden. Über den Kaufpreis herrscht Stillschweigen. Wie groß der Entlastungseffekt für ZF ist, bleibt damit unklar. Das gilt auch für einen weiteren nicht weiter bezifferten Vertragserfolg von Anfang Februar. Inhalt: ZF wird bis Ende der 2030-er Jahre sein 8HP-Getriebe, das auch für den Einsatz in Hybrid-Autos adaptiert werden kann, an BMW liefern, ohnehin ein traditioneller Kunde. Dieses Getriebe, so Miedreich jetzt, werde demnächst als weiterentwickelte „Evo“-Version vermarktet werden. Auch hier gilt: Wie weit dieser Langfrist-Vertrag von kurzfristigen Problemen befreit, ist fraglich.

Neue Formen des Umgangs

Aber motivierend wirken diese Schritte allemal. Miedreich habe in kurzer Zeit neue Formen des Umgangs vorgelebt, bestätigen auch langjährige Belegschaftsvertreter. „Er weiß, was Mitbestimmung ist“, stelle sich internen Gesprächen, sei immer ansprechbar, sagt einer, der nah dran ist an den laufenden Verhandlungen. Von Demonstrationen ist derzeit keine Rede mehr. Stattdessen hat der Betriebsrat einer Verschiebung von Tariferhöhungen und Arbeitszeitsenkungen zugestimmt.

Miedreich benutzt, wenn er redet, gern Bergsteigervokabular. So auch am Donnerstag. Man befinde sich am Beginn eines „Aufstiegs“, habe dafür schon „Steine aus dem Rucksack“ genommen. Der „Gipfel“, also die Wiedererlangung der Profitabilität, sei zu sehen. Wann er denn wirklich erreicht werden kann, dazu allerdings wagt der Wanderführer am Ende doch keine Prognose.