Im Sindelfinger Mercedes-Benz-Werk sind Um- und Neubauten geplant. Foto: Marijan Murat/dpa

Gegen den viel diskutierten Niedergang der Automobilindustrie setzt Mercedes-Benz in Sindelfingen neue Entwicklungspläne. Die Euphorie der Stadträte ist groß.

Seit weit mehr als 100 Jahren bestimmt das Automobilwerk das Bild von Sindelfingen. Stadt und Werk sind eng miteinander verwoben und gewachsen. Geht es „dem Daimler“ gut, blüht die Stadt auf. Viele der heute markanten Einrichtungen wie Badezentrum, Oktogon und Glaspalast konnten in der Vergangenheit nur dank sprudelnder Gewerbesteuerquellen gebaut werden. Wenn durch wirtschaftliche Probleme die Steuereinnahmen sinken, macht sich das sofort im Stadtsäckel bemerkbar.

 

Aktuell geht es der Automobilindustrie in Deutschland schlecht. Und das macht sich in Sindelfingen besonders bemerkbar. Das Geld fehlt an allen Ecken und Enden. Um so erfreuter sind Politik und Verwaltung, dass Mercedes-Benz seinen Standort in Sindelfingen erweitern möchte. Um den Flächenverbrauch niedrig zu halten, sind Erweiterungen in die Höhe geplant. Darüber hatten Werksvertreter in den vergangenen Jahren mit der Stadtverwaltung verhandelt und einen Rahmenplan erstellt.

Symbolische Grundsteinlegung für nachhaltigen „Next Generation Paintshop“ am Mercedes-Benz Standort Sindelfingen im April 2025. Foto: Mercedes-Benz AG/Archiv

Auf welche Höhe die Mercedes-Benz-Bauten beschränkt sein sollen

Auf 34 Meter und in Ausnahmefällen mit technischen Aufbauten bis zu 50 Meter soll das Werk in bestimmten Arealen wachsen dürfen, erläuterte die Baubürgermeisterin Corinna Clemens am Dienstag im Gemeinderat den Rahmenplan. An der Hanns-Martin-Schleyer-Straße, die den Eingang zur Innenstadt säumt, soll die Höhe der Bauten auf maximal 25 Meter beschränkt werden. „In der zweiten Reihe sind auch höhere technische Aufbauten möglich“, so Clemens.

Die Stadträte aller Fraktionen nahmen die Pläne erfreut zur Kenntnis. „Das ist ein klares Bekenntnis von Mercedes-Benz zum Standort Sindelfingen“, sagte Sabine Kober von den Grünen. Von „einer Entwicklung für das Werk und für Sindelfingen“, sprach Maike Stahl von der CDU. „Das ist absolut positiv und ganz und gar nicht selbstverständlich, dass in der jetzigen Zeit solch große Investitionen gemacht werden“, befand Andreas Beyer von der FDP.

Ein Wäldchen soll für Kühlung und Frischluft sorgen

Noch nicht fertig sind die Überlegungen, wie die Ausgleichsmaßnahmen für die Neubauten aussehen sollen. Der ursprünglich geplante See am Mittelpfad, der durch das abfließende Wasser von Dächern gespeist werden sollte, sei nicht umzusetzen, erklärte die Baubürgermeisterin Clemens. „Wir wissen vom Flugfeld, wie technisch schwierig es ist, ein stehendes Gewässer zu handeln. Und es ist auch sehr teuer.“ Aktuell plant die Verwaltung die Schaffung eines kleinen Wäldchens, das für Kühlung und Frischluft sorgen soll. Die Planung muss noch konkretisiert werden.

Das Votum des Gremiums für den Rahmenplan zur Erweiterung des Mercedes-Benz-Werks war einstimmig. Geschlossen votierten die Räte für die Erweiterung in die Höhe.