Auf dem ehemaligen Güterbahnhof-Areal geht es voran. Doch einige Investoren plagt neben hohen Baukosten noch ein anderes Problem.
Die Dibag Industriebau AG war mit das erste Unternehmen, das sich auf dem 22 Hektar großen ehemaligen Güterbahnhof-Areal neben dem Wasen Flächen gesichert hatte. Von den 29 Quartieren hatte das Münchner Unternehmen vier gekauft, die alle an der Daimlerstraße liegen. Drei Quartiere sind bereits fertig und bezogen. Darunter auch die Gebäude, die die Dibag im Auftrag der Volksbank Stuttgart eG für 70 Millionen Euro errichtet hatte.
Im Jahr 2019 reichte die Dibag ihren letzten Bauantrag für das Gelände an der städtebaulich wichtigen Lage Ecke Daimler-/Mercedesstraße ein. Der Baubeginn für die zwei bis zu sechsgeschossigen Gebäude war im Jahr 2020. Das Projekt umfasst rund 20 000 Quadratmeter Büro, Dienstleistungs- und Ausstellungsflächen.
Probleme bei der Bürovermarktung
„Was den Bau angeht, so liegen wir gut im Rennen“, sagt Gerhard Münst, bei der Dibag der Technische Leiter für Stuttgart. Der Innenausbau sei nahezu fertig, die Außenanlagen in wenigen Wochen. Was schleppend verläuft, sei die Vermarktung. Ein Umstand, der laut Münst den aktuellen schwierigen Rahmenbedingungen geschuldet sei. Allein die Nachfrage nach Büros habe sich durch Corona massiv verschoben.
Von den zur Verfügung stehenden 20 000 Quadratmetern seien bisher nur 600 Quadratmeter vermarktet. Ein potenzieller Kunde für rund 9000 Quadratmeter habe jetzt abgesagt, und momentan laufen Verhandlungen mit einem Interessenten für rund 4000 Quadratmeter Fläche.
Die „fetten Jahre“, in denen sich ein qualitativ hochwertiges und äußerlich anspruchsvolles Projekt von 70 bis 80 Millionen Euro quasi von selbst vermarktet, seien vorbei. Dennoch: „Wir sind optimistisch, dass wir binnen einem Jahr eine Vollvermarktung erreichen werden“, so Münst.
„Stuttgarter Höfe“ im Zeit- und Kostenplan
Mit Bülow investiert in der Nachbarschaft ein ebenfalls namhafter Investor in die „Stuttgarter Höfe“. Das Projekt umfasst zwei Gebäude mit einer Gesamtbruttogeschossfläche von fast 27 000 Quadratmetern. Neben Büro- und Flächen für Gastronomie und Dienstleistungen entstehen 162 Wohnungen beziehungsweise Wohnapartments, ein Spielplatz sowie ein Hotel. Baubeginn war im Februar 2022. „Der Rohbau wird wohl bis Mitte 2023 fertiggestellt sein“, sagt Ina Schediwy, bei Bülow für das Projekt verantwortlich.
Die „Stuttgarter Höfe“ befinden sich im Zeit- und Kostenrahmen, so Schediwy. Mit Lieferengpässen und plötzlichen Preissteigerungen rechnet Bülow aktuell nicht, behält jedoch den Markt für die noch ausstehenden Vergaben durch Einzelausschreibungen im Auge. Die Vermarktung der Büroflächen hat begonnen. Was das Hotel betrifft, wurden bereits ein Mietvertrag mit Aparthotel Adagio abgeschlossen. Bis 2024 soll ein Hotel aus dem 4-Sterne-Segment mit 119 Apartments entstehen.
Fay Projects in den Startlöchern
Ein weiterer Investor in diesem Bereich ist FAY Projects. Das Mannheimer Unternehmen hatte 2020 das knapp 8500 Quadratmeter große Grundstück Q 20, das zwischen der neuen Benzstraße und dem Sportbad liegt, erworben. Das bis zu sechsgeschossige Gebäude ist in drei Baukörper unterteilt, die sich um einen öffentlich zugänglichen Innenhof gruppieren. Bis 2024, so das Ziel, soll der Nutzungsmix aus Büros, Hotel, Fitness und Gastronomie nach den Plänen des Kölner Architekturbüros Caspar fertig sein. „Wir bewegen uns momentan in einer schwierigen Phase“, begründet Ralf Esser, der Geschäftsführer bei der Fay-Gruppe und für das Projekt im Neckarpark verantwortlich, die Tatsache, dass die Arbeiten noch nicht begonnen haben.
Langer Abstimmungsprozess
Das anspruchsvolle Konzept sei zwar seit 2021 fertig und es wurde auch ein Bauantrag eingereicht. Doch mussten die Pläne in einem „langen Abstimmungsprozess“ mit der Stadt überarbeitet und angepasst werden. „Erst jetzt liegt die Baugenehmigung vor, und wir befinden uns in der Ausschreibungsphase“, so Esser. Doch auch die habe es in sich angesichts der schwierigen Situation der Baubranche mit steigenden Preisen, Materialknappheit und zähen Lieferketten. „Wir hoffen, noch vor der Sommerpause mehr zu unserer Zeitschiene verraten zu können“, so der Fay-Geschäftsführer.
Star-Architekten Hadi Teherani im Boot
Startschuss war 2022 für das „Parkside-Projekt“ im Areal Q 6.1. Die Ludwigsburger Strenger Holding GmbH hat mit dem Bau von 89 Wohnungen in Nachbarschaft zum Veielbrunnenpark begonnen. Im EG sind zudem Gewerbeflächen und eine Kindertagesstätte geplant. Am Freitag, 26. Mai, feiert das Unternehmen Grundsteinlegung. Bei dem Festakt wird neben OB Frank Nopper auch Star-Architekten Hadi Teherani anwesend sein, denn nach dessen Plänen wird das „Parkside-Projekt“ umgesetzt. Teherani hat unter anderem auch die legendären Kranhäuser am Kölner Rheinufer entworfen.
Nur einen Steinwurf entfernt entsteht auf 7500 Quadratmetern zwischen dem Marga-von-Etzdorf-Platz und der Benzstraße eine 4-zügige Grundschule, eine Zweifeld-Sporthalle, eine Kita für sieben Gruppen und ein Mittelzentrum für die Volkshochschule. Die Kosten für das „Bildungszentrum“ liegen laut Stadt bei 93,6 Millionen Euro. Baubeginn war 2022 und zum Schuljahr 2025/26 soll das Bildungshaus mit Leben gefüllt sein. Das Besondere spiegelt sich auch in seiner pädagogischen Ausrichtung wider. Schule und Kita sind nicht getrennt – laut Verwaltung einzigartig in Deutschland.