Im Juni vergangenen Jahres wurde der Unterstand an der einzigen Bushaltestelle in Rotenberg wegen Schäden abgebaut – und nicht wieder ersetzt. Schuld ist der Denkmalschutz.
Vor allem am Wochenende ist das beschauliche Rotenberg bei Ausflüglern beliebt. Schließlich liegt der Untertürkheimer Stadtteil nicht nur mitten in den Weinbergen, sondern lockt auch mit dem Naherholungsgebiet an der Egelseer Heide und natürlich der Grabkapelle auf dem Württemberg. Doch seit fast einem Jahr stehen Anwohner und Besucher, die den öffentlichen Nahverkehr nutzen, sprichwörtlich im Regen. Das Wartehäuschen an der einzigen Bushaltestelle musste abgebaut werden, und wurde bis heute nicht ersetzt. Ein Ende schien lange nicht in Sicht.
Besucher der Grabkapelle den ganzen Winter über ohne Schutz
„Das kann einfach nicht sein“, ärgert sich Rosemarie Hoffmann. Wie der stellvertretenden Bezirksbeirätin der Freien Wähler geht es vielen Rotenbergern. Wer mit dem Bus fahren will, muss die Bushaltestelle an der Wendeschleife am Ortseingang nutzen, Ausweichmöglichkeiten gibt es also keine. Aber nicht nur die direkten Anwohner sind betroffen. Die fehlende Unterstehmöglichkeit betrifft auch die Besucher der Grabkapelle. „Das war vor allem im Winter kein Vergnügen“, weiß Hoffmann. Dabei verkehrt die Buslinie 62 der Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) zwischen Untertürkheim und Rotenberg extra in einem verdichteten Takt – auch am Wochenende – um die Besucher zur außergewöhnlichen Sehenswürdigkeit zu bringen. Es ist eines der beliebten Ausflugsziele in der Region, die mit dem Bus erreicht werden können.
Daher hat Hoffmann bereits seit Monaten alle Hebel in Bewegung gesetzt – ohne Erfolg. Nicht nur auf ihre eigenen Anfragen Selbst hat sie keine Antwort von der SSB bekommen, aber auch über ihre Gemeinderatsfraktion konnte sie bislang noch nichts erfahren. „Es kann doch nicht so schwierig sein, wieder zwei Holzwände und ein Holzdach aufzustellen“, versteht Hoffmann die lange Wartezeit nicht.
Genehmigung des Denkmalamts dauert sieben Monate
Anscheinend doch. Das alte Häuschen genoss Bestandsschutz, musste aber aus Sicherheitsgründen abgebaut werden, nachdem ein Reisebus hineingefahren war. Das gilt für den Ersatz offensichtlich nicht. „Der historische Ortskern unterliegt dem Ensembleschutz der Gesamtkulisse“, erklärt eine SSB-Sprecherin. Daher musste eine Genehmigung vom Denkmalamt eingeholt werden. „Das hat sich leider sieben Monate hingezogen.“ Schließlich sei die Maßnahme kurzfristig und nicht von langer Hand angemeldet worden.
Doch nun ist ein Ende der Wartezeit in Sicht. „Wir haben die Genehmigung endlich erhalten“, sagt die SSB-Sprecherin. In Abstimmung mit dem Denkmalamt wird ein neues Wartehäuschen aufgebaut, „voraussichtlich in den ersten beiden Maiwochen“. Die Kosten liegen bei rund 16 000 Euro. Damit die Besucher der Grabkapelle und die Busfahrgäste nicht mehr im Regen stehen.