Auf gut Schwäbisch Woher stammt der Begriff „Luggeleskäs“?

Von Roland Groner 

 Foto: Grafik/Lange
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Ute Wilhelm aus Weinstadt möchte wissen, woher der Begriff Luggeleskäs kommt und wie man ihn herstellt.

Stuttgart - Aus Weinstadt schreibt Leserin Ute Wilhelm: „Mein Vater, Jahrgang 1914, machte früher immer Luggeleskäs. Können Sie mir sagen, woher der Begriff kommt und wie man Luggeleskäs herstellt?“ Leserin Heide Volk interessiert sich auch für „Bibbeleskäs“. Leser Jürgen Braun aus Schornbach teilt den Nachwuchs des Federviehs wie folgt ein: „Hühnchen sind Bibberle, Entchen sind Schliggerle und die Gösel Luggele. Da die Luggele als empfindlich gelten, brauchen sie in den ersten Tagen etwas mehr Zuwendung und besondere Kost, früher in Form des Luggeleskäses.“

Was die Einteilung des Geflügels betrifft, steht unser Leser etwas in Diskrepanz zu den Angaben in Fischers Wörterbuch. Dort wird die Nachkommenschaft etwas anders geordnet. Bibbå(r)le sind junge Hühnchen, junge Gänschen und junge Entchen, als Luggåle gelten kleine Hühner und Enten und Schliggårle ist der Name für junge Enten. Selbstverständlich kann es lokale Abweichungen geben.

Interessant ist, wie es zu diesen Namen kam. Betrachten wir es bei dem Wort Luggåle. „Luck!“ ist der Lockruf für die Hühner. „Komm, Luggåle, luck, luck, luck!“, ruft die Bäuerin, wenn sie ihre Hühner füttern will. Andere Lockrufe sind „bibibi“ / biwiwi!“ und „schlick, schlick, schlick!“, deshalb die Namen Bibbå(r)le und Schliggårle.

Das Wort „locken“ und seine Nebenform „lucken“ existieren schon seit über tausend Jahren, im Althochdeutschen hießen sie „locchon / lokkon“ und „lucchan“, im Mittelhochdeutschen gebrauchte man sie als „locken“ und „lücken / lucken“. Wie im Grimm’schen Wörterbuch zu lesen ist, scheint „locken“ zunächst ein altes Weidmanns- und Hirtenwort zu sein, wobei man mit „lock!“ und „luck!“ und anderen Rufen Falken, Hunde sowie Herden zur Folge oder zum Herkommen bewegte. Doch auch die Tiere selbst locken sich mit entsprechenden Rufen, insbesondere in der Begattungszeit oder bei der Pflege der Jungen. Von dem Dichter Friedrich von Logau (1605–1655) stammen die Verse: „hannen (= den hähnen) sind die frauen günstig, weil sie ihre männer lehren, wie sie jhnen sollen locken, sie mit lust und kost verehren.“

Jetzt aber zurück zum Luggåleskäs. Er ist ein Milchkäse, dem fein geschnittene Brennnesseln zugegeben werden und womit die Luggåle aufgepäppelt werden. Er wird auch Bibbåleskäs und Hêåleskäs genannt. Ohne Brennnesseln, dafür mit Kümmel und Salz ist er eine gesunde Speise für uns Menschen. Der schwäbische Spruch des Tages kommt von Leserin Herta Pfau aus Leutenbach. Sie schreibt: „Oiner, der uff Tischsitta koin so großa Wert legt, hot g’moint: ,Mit dr Gabel essa isch a Ehr, aber mit am Löffel ­griagt mr mehr!‘“

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