Was kommt bloß nach Montag? Foto: StN

„Warum heißt der Dienstag Aftermedig?“ – Eine Frage, die wohl jeder, der mit diesem Begriff konfrontiert wird, stellen wird.

Stuttgart - Siegfried Sujer aus Schwäbisch Gmünd stellt die Frage: „Warum heißt der Dienstag Aftermedig?“ – Eine Frage, die wohl jeder, der mit diesem Begriff konfrontiert wird, stellen wird.

Betrachten wir zunächst das Wort „Montag“, die schwäbische Form ist, wie man bei Grimm erfährt, „Mentig“, woraus durch Ausfall des „n“ ein „Mêdig“ wurde. Die Römer nannten diesen Wochentag „dies Lunae“ = Tag der Göttin Luna (Luna ist der Name für den Mond). Der Dienstag hatte bei den Römern den Namen „dies Martis“ (= Tag des Gottes Mars). Auch die Germanen widmeten die Wochentage ihren Göttern, so war der erste Wochentag der Tag des Mondes, der zweite der Tag des germanischen Gottes Tyr oder Ziu, was dem römischen Mars entspricht. Die ersten schriftlichen Aufzeichnungen im Althochdeutschen belegen dies mit den Namen „manetag“ (mane = Mond) und „ziestag“ (für Ziu).

Den Namen Dienstag, auf Schwäbisch „Dãêschdig“, auf den Begriff „Dienst“ zurückzuführen, ist schon aus logischer Betrachtung unrealistisch, denn auch an anderen Tagen müssen Dienste ausgeübt werden. Die Schreibart Dienstag gründet sich auf die unrichtige Ableitung des Wortes Dienst, denn die Aussprache verlangt ein kurzes „i“ und kein langes „ie“. Insofern schauen wir am besten in die Vergangenheit dieses Wochentages hinein. Im 13. Jahrhundert kamen die Bezeichnungen „dinsdag, dingsdag“, im 14. Jahrhundert. „dingestag“ auf, was auf den mit dem latinisierten Namen „Mars Thingsus“ belegten nordisch-germanischen Gott Tyr, Beschützer des Things, zurückgeht. Der Begriff „Thing“ gilt von alters her für „Volks- und Gerichtsversammlung“, die immer unter freiem Himmel stattfand. „Thing“ hat sich übrigens im Wort „Ding“ in der deutschen Sprache bis heute erhalten. In der Bedeutung „Gericht“ galt das althochdeutsche „thing, ding“ bis zum Ausgang des Mittelalters. Der Name „dingestag“ hat die ursprüngliche Form „ziestag“ verdrängt, nicht jedoch im alemannischen Raum, wo es heute noch „Zischdig“ (alem.) heißt.

Im 15./16. Jahrhundert wurde aus dem „ziestag“ bzw. „zistag“ ein „zinstag“, was darauf hinzuweisen scheint, als ob an diesem Tag die Vermögen eingeschätzt und die Zinsen eingezogen wurden. Eine volksetymologische Erklärung! Auch der „Zinstag“, schwäbisch „Zãêschdig/Zischdig“, entspricht weiterhin dem Tag des altdeutschen Gottes Ziu, des nordischen Tyr, der dem Mars entspricht – so im Grimm’schen Wörterbuch erläutert.

Wie aber kommt der Name „Aftermontag“ zustande? In der Diözese Augsburg wurde – es muss vor 1330 gewesen sein – der Name „Ziestag“ durch „Aftermontag“ (= Tag nach dem Montag) ersetzt. Der Grund dafür war, die Erinnerung an den heidnischen Gott Ziu aus dem Sprachgebrauch zu löschen, der hohen Geistlichkeit war die heidnische Wortwahl „Ziestag“ offensichtlich ein Dorn im Auge.

In der „Etymologie des Schwäbischen“ von Hermann Wax erfährt man, dass heute noch Aftermontag, gesprochen „Afdår­mêdig“, über das Bayrische Schwaben bis südlich von Ulm, vereinzelt noch bis vor Ehingen an der Donau reicht. Auch im Raum Heidenheim, das früher zum Bistum Augsburg gehörte, ist Aftermontag zu Hause. Der Spruch des Tages kommt von Eva Walter aus Köngen: „I kann essa ond trenka, was i will – d’Arbe schmeckt mir meh!“ Schreiben Sie uns: Zentralredaktion, Postfach 10 44 52, 70039 Stuttgart, ­Stichwort: Schwäbisch, Fax: 07 11 / 72 05 - 73 09; E-Mail: land@stn.zgs.de