Eine faszinierende Kulisse tut sich für diejenigen auf, die sich auf die bunt beleuchtete Erlebniswelt einlassen. Foto: Werner Kuhnle

Das Weihnachtshaus in Erdmannhausen (Kreis Ludwigsburg) verzaubert. Was steckt hinter dieser leuchtenden Attraktion? Ein Blick hinter die Kulissen.

Es beginnt mit einem Flimmern, das sich aus der Dunkelheit schält – einem bunten Schimmern, das die Novemberkälte schon beim ersten Anblick vergessen lässt. Das Licht am Erdmannhäuser Weihnachtshaus wirkt wie ein verirrter Sternenschwarm, der beschlossen hat, sesshaft zu werden.

 

Figuren wie Micky Maus, das Rentier Sven oder aber die heilige Familie in ihrer Krippe strahlen. Ein grünlich beleuchteter Nadelbaum scheint sich ein wenig zu strecken, als wolle er noch ein paar Lämpchen mehr tragen. Rund 100.000 LED-Leuchten hat die Familie Niehues-Zimmermann installiert. Da glitzert es in Bonbonfarben, warm und weich, und an manchen Stellen so dicht gewebt, dass es einem vorkommt, als ob es kein Haus gäbe, sondern nur diese Welt zum Träumen und Schwelgen.

Die Besucher lassen sich verzaubern. Foto: Werner Kuhnle

Für einen Moment steht man davor wie ein Kind: überwältigt, geblendet, staunend. Das Erdmannhäuser Weihnachtshaus ist nicht einfach ein Haus – es ist ein Versprechen. Eines, das für ein oder zwei Stunden die Welt unbeschwerter macht. Und Geschichten erzählt, die Eltern schon oft mit ihren Kleinen in Büchern oder Filmen durchschritten haben.

„Alles begann mit Rudolf“ – Die Anfänge des Weihnachtshauses

Beim Rundgang erinnert Andreas Niehues-Zimmermann an die Anfänge vor etwa 14 Jahren. Alles begann mit einer Figur am Eingang – dem großen Rentier Rudolf. „Kinder blieben davor stehen“, sagt er. Rudolf habe groß und stolz gewirkt. „Da dachten wir: Wir machen mehr draus.“ Mehr – das ist eine Untertreibung, wenn man die heutige Lichtkulisse sieht.

Jedes Jahr kommt etwas Neues hinzu. Dieses Mal haben Andreas und seine Frau Sybille ein Rapunzel-Tableau gestaltet, mit Turm und einer davor sitzenden Märchengestalt aus goldenem Haar. Neu ist zwar nicht die Meerjungfrau Arielle, aber sie hat ein neues Set aus Muscheln, Netzen und einer Kutsche aus Seepferdchen bekommen. Auch ein neues Zelt gibt es, liebevoll dekoriert, warm ausgeleuchtet: der Magic Forest, mit Schmetterlingen und vielen kleinen Blickfängen.

Man merkt Andreas Niehues-Zimmermann nur in leisen Nebenbemerkungen an, wie stolz er auf alles ist – der Westfale, geboren in Lüdinghausen bei Dortmund, ist keiner, der sich selbst gerne reden hört. Aber er hat mit handwerklichem Geschick seiner ideenreichen Frau viele Wünsche erfüllt. Man spürt, wie viel Sorgfalt das Zusammenspiel der Figuren und deren Geschichten jede Ecke durchzieht.

Das Paar hat in diesem Jahr auch eine Ausstellung auf die Beine gestellt. Auf Plakaten wird erzählt, wie Weihnachten etwa in Venezuela gefeiert wird oder in Japan. Nicht missionarisch, sondern einladend. „Wir wollen das Verbindende fördern“, sagt Andreas Niehues-Zimmermann. „Zu uns kommen alle: Muslime, Christen und Menschen, die einfach Freude am Licht haben.“

„Wegen der vielen Lichter“ – Weihnachtshaus wird zum Magnet für Familien

Weihnachtshits erschallen aus den Lautsprechern. Zwischen den Besuchern steht Tim aus Erdmannhausen, der mit seiner Frau und den beiden Kindern hier verweilt. Er ist jedes Jahr da. „Wegen der vielen Lichter. Und weil die Kinder es lieben“, sagt er und lacht, während sein Nachwuchs irgendwo im Weihnachtshaus unterwegs ist und womöglich die lebensgroße Nachbildung von „Die Schöne und das Biest“ bestaunt.

Vor der Ausgabe duftet es nach Kinderpunsch und Glühwein. Nachbarn haben Leckereien mitgebracht: Plätzchen, kleine Kuchen, manchmal auch herzhafte Überraschungen. Alles umsonst, versteht sich. Ohne Fleiß keinen Preis: Rund 80 bis 90 Prozent der Arbeit verrichtet das Paar Niehues-Zimmermann selbst – acht Monate lang, sagen sie, manchmal bis spät in den Abend hinein und auf eigene Kosten. Einen Eintritt zu verlangen – das kommt für sie nicht infrage: „Dann wäre es nicht mehr dasselbe“, sagt der Hausherr.

Ein besonderer Moment ist immer die Begrüßung um 17 Uhr. Dann wird es kurz still. Die Kinder treten vor, manchmal schüchtern, manchmal mit leuchtenden Augen, und man ruft im Stile Harry Potters gemeinsam: „Lumos!“ Und mit diesem Zauberwort bricht das Licht in seiner ganzen Pracht hervor. „Zu uns kommen Menschen mit Herz“, sagt Sybille Zimmermann. „Und wir zeigen unseres.“

Sonderführung für behinderte Menschen berührt

Dass es kein leeres Wort ist, zeigte sich kürzlich, als die beiden eine Sonderführung für Menschen mit Behinderungen organisierten. Der SWR war dabei, die Besucher gerührt, und einige blieben danach einfach noch.

Wertschätzung erfährt das Weihnachtshaus inzwischen auch durch die Gemeinde, deren Bürgermeister Marcus Kohler schon mal da war. „Man hat uns geholfen, die Parkplatzprobleme zu lösen“, erzählt Andreas Niehues-Zimmermann. Die Wiese eines Landwirts sowie der Parkplatz einer Firma in der Nähe entlasteten bei Andrang.

Frei nimmt sich das Ehepaar nur am ersten Weihnachtstag. „Dann bleiben hier die Lichter aus“, sagt der Hauseigentümer. Verwandte aus München reisten an – da wolle man auch mal seine Ruhe haben. Seinen Seelenfrieden braucht jeder, erst recht zu Weihnachten.

Weihnachtshaus Erdmannhausen

Öffnungszeiten
An Wochentagen ist das Weihnachtshaus immer von 17 bis 20.30 Uhr geöffnet. Familien mit Kindern sind meistens beim ersten Schwung dabei bis etwa 18.30 Uhr.

Wochenende
Das Weihnachtshaus ist an den Wochenenden etwas länger zugänglich. Um 21 Uhr endet in der Regel der Betrieb.