In der Brunnwiesenstraße in Ruit wird eine Unterkunft für Geflüchtete gebaut. Foto: Markus Brändli

Weniger Geflüchtete kommen nach Ostfildern. Was bedeutet das für die umstrittene Unterkunft in Ruit, für die ein Standort gesucht wird? In der Brunnwiesenstraße wird gebaut.

Geflüchtete will die Stadt Ostfildern möglichst dezentralisiert unterbringen. Denn ihre Integration in die Gesellschaft ist ein wichtiges Ziel. Mögliche Standorte sorgten immer wieder für heftige Diskussionen. Derzeit hat sich die Lage allerdings etwas entspannt, weil weniger Geflüchtete nach Ostfildern kommen.

 

Eltern hatten im Februar 2025 gegen die Pläne protestiert, in Ruit nahe der Grundschule und dem Weiherhag-Kindergarten eine Unterkunft für 70 alleinstehende Männer zu bauen. Obwohl sich die Mütter und Väter klar zur Willkommenskultur in der Stadt für Geflüchtete bekannten, sahen sie da Konflikte aufziehen. Die Stadt suchte daraufhin nach einem neuen Standort.

Die Bauarbeiten in der Brunnwiesenstraße laufen nach Plan. Foto: Markus Brändli

Weil die Belegungszahlen aber rückläufig sind, hat die Stadt die Pläne nun vorerst ganz zurückgestellt. „Wir sehen aktuell keinen Bedarf für einen weiteren großen Standort für alleinstehende Männer“, sagt Tanja Eisbrenner, die Pressesprecherin der Stadt Ostfildern. Die Situation habe sich entspannt, rechnet sie vor. 2025 habe es mehr Abgänge als Zugänge in den städtischen Unterkünften gegeben: Rund 200 Zugängen standen etwa 250 Abgänge gegenüber.

„Wir sehen aktuell keinen Bedarf für einen weiteren großen Standort für alleinstehende Männer.“

Tanja Eisbrenner, Pressesprecherin

Die Belegungssituation in den Unterkünften entspannt sich

Was die Belegungssituation betrifft, zeigt sich nach Eisbrenners Worten insgesamt eine gewisse Entspannung. „Im Jahr 2025 lagen die Zugänge im Bereich der klassischen Flüchtlinge mit 82 Personen deutlich unter dem Soll von 152 Personen.“ Dabei sei zu berücksichtigen, dass rund 35 Personen als Familiennachzüge noch nicht eingerechnet sind. Diese würden erst im Folgejahr statistisch erfasst und rückwirkend auf die Stadt umgelegt. „Gerade in Ostfildern war der Anteil an Familiennachzügen zuletzt überdurchschnittlich hoch.“ Aus der Ukraine kamen 58 Geflüchtete nach Ostfildern; das Soll lag bei 42 Personen. Auf Grundlage der vom Land für 2025 gemeldeten Zahlen rechnet die Stadt für 2026 mit rund 130 Personen, die in der Stadt untergebracht werden müssen.

Ein weiteres umstrittenes Projekt im Stadtteil Scharnhausen ist die geplante Unterkunft in den Wittumäckern. Sie ist für Familien und Menschen mit körperlichen Einschränkungen vorgesehen. 2027 bis 2029 soll gebaut werden. „Voraussetzung ist, dass wir bis dahin einen Bebauungsplan haben und die Finanzierung möglich ist“, schränkt Eisbrenner ein. Drei Gebäude für insgesamt 100 Bewohner sollen auf der grünen Wiese entstehen. Die Grünfläche ist ein Puffer zwischen dem Gewerbegebiet und dem gegenüberliegenden Wohngebiet und dient vor allem Kindern als Spielplatz.

Im Bau sind die 55 Wohneinheiten im Gewerbegebiet Brunnwiesenstraße. „Die Arbeiten laufen wie geplant“, sagt Eisbrenner. Die Stadtverwaltung geht davon aus, dass das Gebäude bis Ende 2026 fertiggestellt wird und ab Anfang 2027 bezogen werden kann. „Aktuell befinden wir uns noch im Rohbau: Gründung und Bodenplatte sind größtenteils abgeschlossen, und demnächst beginnen die Arbeiten an den Wänden im Erdgeschoss“, fasst Eisbrenner den Stand zusammen. Insgesamt soll das Projekt 5,2 Millionen Euro kosten.

Das ehemalige Gebäude auf dem Gelände wurde 2015 als Erstunterkunft mit Containermodulen vom Landkreis Esslingen errichtet. 2018 hat es die Stadt Ostfildern gekauft und nutzte es seither als Anschlussunterbringung. Nach fast zehn Jahren der intensiven Nutzung waren die Container völlig abgewohnt. Da die Sanierung nicht mehr möglich war, entschied sich die Stadt für den Neubau. Um die vom Landkreis geforderten Kontingente abzudecken, entstehen nun zwei getrennte, im Winkel zueinander angeordnete Gebäude.