Dem Aquatoll in Neckarsulm soll neues Leben eingehaucht werden. Letztmals planschten dort im Mai 2022 Badegäste. Foto: Stadt Neckarsulm

Das Aquatoll in Neckarsulm steht vor einem Comeback: Ein Investor plant die Wiederbelebung des Erlebnisbad. Was bislang bekannt ist.

Eines der bekanntesten Spaßbäder im Südwesten steht vor einem Comeback. Die Nachricht ist vor allem für Familien und Wasserratten eine gute: Das Aquatoll in Neckarsulm (Landkreis Heilbronn), das auch in Stuttgart und der Region viele Fans hatte, soll wieder belebt werden. An diesem Mittwoch haben Stadt und ein Investor die Pläne vorgestellt.

 

Bei seiner Eröffnung 1990 war das Freizeitbad mit seinem Wildwasserkanal als europaweit einzigartige Badelandschaft gefeiert worden. In den Jahrzehnten danach wurde mehrmals erweitert und umgebaut, 2014 kam ein riesiges Sportbad hinzu. In Spitzenzeiten pilgerten 450 000 Badbesucher jährlich in die 26 000 Einwohner zählende Stadt. Ab dem Jahr 2018 geriet das Bad aber in finanzielle Schieflage.

Nach mehr als 30 Jahren wären größere Investitionen in das marode Bad nötig gewesen. Mögliche Geldgeber knüpften ihr Engagement aber an Bedingungen, die die Stadt nicht erfüllen konnte und wollte, sodass es dem Aquatoll im Mai 2022 endgültig den Stöpsel zog.

Neben dem Bad sind ein Museum und ein Hotel geplant

Nun soll dem Bad mit seiner stilgebenden Glaskuppel, das zwischenzeitlich zum Lost Place verkam, neues Leben eingehaucht werden. Unter dem Titel „AQUAtoll 2.0“ hat die PL-IMMOINVEST GmbH aus Beindersheim große Pläne geschmiedet. Das Bad wird saniert, so das Vorhaben, und ergänzt um ein Automuseum mit Oldtimern und hochwertigen Automobilen sowie einem Hotel.

So sah das Aquatoll einmal aus. Foto: Archiv/Stadt Neckarsulm

Die Firma trage das alleinige wirtschaftliche Risiko, teilt die Stadt mit. Man habe mit der Firma aus Rheinland-Pfalz eine Absichtserklärung unterzeichnet, in der sich beide Parteien zu dem Projekt bekennen und „ihren Willen zur weiteren vertrauensvollen Zusammenarbeit“ bekunden. Der Gemeinderat hatte das Vorhaben Ende Januar einstimmig beschlossen.

„Das ist eine große Chance, das Erlebnisbad mit neuem Leben zu füllen und wieder zu einem Anziehungspunkt zu machen“, sagt Oberbürgermeister Steffen Hertwig (SPD). „Das Aquatoll fehlt vielen, und deshalb ist die Perspektive der Sanierung heute eine Möglichkeit, die uns allen Hoffnung macht.“ Das Konzept sei „schlüssig“, zwar sei noch ein langer Weg zu gehen und, „Erfolg ist nicht garantiert. Aber die Wiedergeburt des Aquatoll ist greifbar“, so der 56-Jährige.

In dem sogenannten Letter of intend (LOI) stellen die Beteiligten klar, dass die Stadt Neckarsulm „keinerlei Investitions- oder Folgekosten“ trägt, heißt es. Daran waren in der Vergangenheit alle Versuche gescheitert, das Erlebnisbad zu retten. Der Stadt war teils auch vorgeworfen worden, sie hätte zuvor nicht genug in den Erhalt des Aquatolls investiert. Das hatten die Verantwortlichen stets zurückgewiesen.

Aquatoll soll für alle Altersgruppen etwas bieten

Die Charakteristik des Bads mit seiner Kuppel soll erhalten bleiben. Die Technik und die Tragekonstruktion im Untergeschoss müssen von Grund auf modernisiert werden. Angebote im Bereich Gesundheit und Wellness sollen hinzukommen. Das Aquatoll soll aber weiterhin das bleiben, was es vor seiner Schließung war: ein Familienbad. „Wir wollen alle Altersgruppen erreichen und zusammenführen: Familien, Kinder und Jugendliche, Senioren“, sagt Piyer Lahdo, Prokurist bei PL-IMMOINVEST. Er verspricht auch, dass die Eintrittspreise nicht astronomisch hoch sein werden. Denn eins ist sicher: Das Projekt wird Millionen verschlingen.

Was das ganze Projekt an Kosten verschlingen wird, ist noch nicht bekannt. Bei früheren Versuchen Geldgeber zu finden, waren Summe von fast 40 Millionen Euro im Gespräch. Einige Details zum Museum und dem Hotel wurden am Mittwoch hingegen bekannt. Ein Bau mit maximal drei Stockwerken mit etwa 45 Zimmern plus Veranstaltungsräumen soll südlich des Bads entstehen.

So könnte das neue Hotel aussehen Foto: Bechler/Grabbe

Das Automuseum ist neben dem Sportbad, das in städtischer Hand bleibt, geplant. Es soll in den dortigen Hang integriert werden. Auf zwei Etagen sollen Oldtimer und hochwertige Sportwagen ausgestellt werden. „Eine Werkstatt und ein Gastrobereich auf der Empore runden das Raumprogramm ab. Das Automuseum eignet sich damit auch als passender Ort für Veranstaltungen zu besonderen Anlässen wie zum Beispiel Jubiläen oder Fahrzeugpräsentationen“, heißt es in der Pressemitteilung.

Der endgültige Vertrag zwischen Stadt und Investor, inklusive Grundstücksverkauf, soll „in den nächsten Monaten“ unterschrieben werden. Bis sich im Aquatoll wieder Badegäste in die Becken und Rutschen stürzen, dürften noch mindestens zwei Jahre vergehen.