Tänzchen nach erfolgreicher Arbeit: El Bilal Touré feiert seinen Treffer zum 2:0 gegen Holstein Kiel. In unserer Bildergalerie blicken wir auf die Partie zurück. Foto: Baumann

Lange drehte sich im Angriff des VfB Stuttgart alles um die Rekordeinkäufe Deniz Undav und Ermedin Demirovic. Nun stiehlt ihnen ein anderer die Show.

Eine Frage blieb nach aufreibenden 90 Minuten offen. „Ich weiß nicht, was er diese Woche gegessen hat“, sagte Deniz Undav über El Bilal Touré. Ergänzt um ein unter Konkurrenten, die die beiden Sturmpartner nun mal ebenso sind, seltenes, aber ehrlich gemeintes Kompliment: „Der hat so viel Qualität, der Junge. Ich hoffe, dass er der Mannschaft noch viel helfen kann.“

 

Mit seinem Auftritt beim 2:1 Sieg des VfB Stuttgart gegen Holstein Kiel stahl Touré seinem Kollegen die Show. Ein Tor und eine Vorlage zierten die Bilanz des 23-Jährigen. Beides aus der Kategorie besonders sehenswert. Die Führung (19.) leitete Touré mit einem Sololauf über den halben Platz ein, an dessen Ende ein Steckpass auf Vollender Undav stand. „Weltklasse gemacht! Der Ball kommt perfekt. Wenn er kurz wartet, bin ich im Abseits und dann war es ein Sahnelupfer. Boah, boah, geiler Ball, noch besserer Abschluss, nehm’ ich mit,“ schilderte Undav den Treffer in der ihm eigenen Art. Beim Treffer zum 2:0 (61.) benötigte der malische Nationalspieler keine Mithilfe. Sein Power-Schlenzer knallte aus 25 Metern unhaltbar ins Eck. Womit der Stürmer bewies, dass der VfB auch Tore von außerhalb des Strafraums erzielen kann.

Dank El Bilal Touré.

Es war seine Woche, schließlich drehte sich auch schon nach dem 1:0 in Turin vieles um den Siegtorschützen. Der nach der gelb-roten Karte für Jeff Chabot und einem umkämpften Arbeitssieg gegen den Aufsteiger von einem „toller Abschluss einer Woche, in der wir viel erreicht haben“, sprach. „Nach unseren Erfolgen bei Juventus und gegen Kiel wollen wir diesen Lauf jetzt gemeinsam fortsetzen.“ Am besten schon am Dienstag (20.45 Uhr) im Pokal gegen den 1. FC Kaiserslautern sowie am Freitag (20.30 Uhr) in der Bundesliga in Leverkusen. Für den VfB geht es weiter Schlag auf Schlag.

Hoeneß: „Er ist jetzt voll da und dran“

Da ist es kein Fehler, wenn der Kader qualitativ viele Optionen bereit hält. Gerade im Angriff. Vor dem Start in die Spielzeit drehte sich beim Vizemeister alles um die beiden Rekord-Einkäufe Undav und Ermedin Demirovic. Rund 50 Millionen Euro war dem VfB das Gesamtpaket wert. El Bilal Touré war da zunächst nur eine Randnotiz, als er kurz vor Schließung des Transferfensters von Atalanta Bergamo nach Stuttgart wechselte. Für eine vergleichsweise bescheidene Leihgebühr von 2,5 Millionen Euro samt Kaufoption in Höhe von 16 Millionen Euro. Angesichts der immensen Summen, die für jeden Punktgewinn in der Champions League ausgeschüttet werden (700 000 Euro), hat sich die Leihe praktisch schon bezahlt gemacht.

Hatte gegen Kiel einen schweren Stand: Ermedin Demirovic Foto: Baumann

Nun tritt Stürmer Nummer drei aus dem Schatten. „Er ist jetzt voll da und dran. So, wie es die anderen zuvor waren“, sagte Hoeneß nach der Partie gegen Kiel und zielte damit vor allem auf Demirovic. Der 26-Jährige hat zwar wettbewerbsübergreifend schon sechs Tore erzielt, konnte zuletzt aber nicht immer überzeugen. Zu häufig hängt Demirovic in der Luft.

Auch, weil er einen komplett anderen Stürmertyp darstellt als Touré. Der Bosnier ist eher Abnehmer und Vollstrecker. In den vergangenen Partien erreichten ihn nur wenige Bälle. „Elbi“, wie sie ihn beim VfB nennen, erscheint vielseitiger. Gegen Kiel kam er auf sechs Torschussbeteiligungen – Bestwert der Partie. Auf den Flügeln ist er genauso einsetzbar wie im Zentrum, was vor allem seinem Tempo zu verdanken ist. Hoeneß pries Touré als „spielstarken Stürmer. Er ist schnell, kopfballstark, beidfüßig. Und kann besonders lange Bälle gut ablegen. Mit diesen Qualitäten hilft er uns enorm.“ Zumindest für den Moment mehr als Demirovic, der gegen Kiel nach 62 Minuten für Touré eingewechselt wurde. Viele Pluspunkte konnte er in der zerfahrenen Schlussphase in Unterzahl nicht mehr sammeln.

Die kommenden Wochen werden zeigen, ob und inwieweit der 23-Jährige dem 20-Millionen-Euro-Einkauf vom FC Augsburg den Rang ablaufen kann. Auch Undav kann sich einer Startelf-Garantie nicht sicher sein. Angesichts der vielen weiteren englischen Wochen wird Hoeneß ohnehin weiter auf Rotation setzen, auch im Angriff. Das machte er am Wochenende noch einmal deutlich.

Touré gilt nicht gerade als extrovertiert

Touré wird den Konkurrenzdruck hochhalten. Auch wenn der Wandervogel aus Afrika bei seinem vierten Verein im vierten Land innerhalb von vier Jahren (nach Bergamo/Italien, Almeria/Spanien und Stade Reims/Frankreich) noch nicht vollständig beim VfB angekommen sei, wie Sportvorstand Fabian Wohlgemuth berichtete. „Es bedarf einer Zeit, sich in die Mannschaft zu integrieren. In diesem Prozess befindet er sich noch immer.“ Zumal Touré kein Deutsch und nur wenig Englisch spricht, die Kommunikation auf Umwegen über die French Connection innerhalb der Mannschaft läuft. Als nicht gerade „extrovertierten Typen“ charakterisierte Wohlgemuth den Stürmer. Als Antipode zu Undav gewissermaßen. Dafür harmoniert das Duo im Moment ausgesprochen gut.