Das große Ziel ist, das letzte Spiel der Football-Saison in der MHP-Arena zu bestreiten: Suni Musa, Geschäftsführer von Stuttgart Surge, mit VfB-Marketing-Vorstand Rouven Kasper (re.). Foto: Baumann/Julia Rahn

Stuttgart Surge glaubt an seine Titelchance in der European League of Football, hat allerdings auch wirtschaftliche Herausforderungen zu bewältigen. Geschäftsführer Suni Musa ist, was die Zukunft angeht, sehr optimistisch.

Sportlich könnte die Aufgabe in der neuen Saison der European League of Football (ELF) größer kaum sein: Stuttgart Surge will unbedingt das Finale am 7. September in der MHP-Arena erreichen. Doch auch wirtschaftlich gibt es viel zu tun. „Wir wollen“, sagt Geschäftsführer Suni Musa, „nicht immer nur Löcher stopfen müssen.“

 

Herr Musa, wie groß sind die wirtschaftlichen Herausforderungen, vor denen Stuttgart Surge steht?

Das lässt sich nicht in einem oder zwei Sätzen beantworten – bei keinem Unternehmen.

Wir bieten Ihnen den nötigen Raum.

Die vergangene Saison war schwierig. Die Fußball-EM hat alles überstrahlt, dieses Überangebot war in allen Sportarten zu spüren. Wir mussten zudem in zwei neue Stadien wechseln. Die Spiele in Sinsheim und Reutlingen waren weniger lukrativ als erhofft, und natürlich haben wir auch den Wunsch gehabt, dass nach der Rückkehr ins Gazi-Stadion dort noch mehr los ist.

Stand am Ende der Saison ein Minus?

Wir hätten mit mehr Wachstum gerechnet, haben unser Plansoll nicht erreicht. Das Loch, das durch den geringeren Umsatz entstanden ist, war nicht so einfach zu stopfen. Das haben wir lange gespürt.

Um welche Größenordnung ging es?

Diese Zahlen bleiben intern.

In welcher wirtschaftlichen Situation wird Stuttgart Surge Mitte Mai in die ELF-Saison 2025 starten?

Unser Etat liegt weiterhin bei rund 1,7 Millionen Euro, aber wir haben Einsparungen vorgenommen – beim Budget für die Weiterentwicklung, bei der Personalplanung, auch im sportlichen Bereich. Zugleich müssen wir bei der Vermarktung zulegen. Klar ist: So wie im vergangenen Jahr darf es nicht noch einmal laufen.

Suni Musa Foto: Baumann/Hansjürgen Britsch

Das große Ziel Ihres Teams ist, ins ELF-Finale am 7. September in der Stuttgarter MHP-Arena einzuziehen. Ist das trotz der Kürzungen im sportlichen Bereich möglich?

Wir sparen, ohne an sportlicher Qualität zu verlieren.

Wie geht das?

Wir haben mit den Spielern und ihren Beratern härter verhandelt. Und wir hatten Glück bei der Zuteilung der Gegner. Wir sind mit einem Tross von 80 Leuten und reichlich Übergepäck unterwegs – jeder Flug kostet uns einen mittleren fünfstelligen Betrag. In dieser Saison müssen wir nicht fliegen, haben zudem weniger lange Busreisen. Unsere Reisekosten werden sich reduzieren.

2025 findet keine Fußball-EM statt. Macht es das einfacher?

Es gibt eine neue Herausforderung: die wirtschaftliche Lage. Viele Unternehmen haben die Sparflamme gezündet. Wenn die Umsätze sinken, sollte man nach meiner Erfahrung erst recht ins Marketing investieren, aber ich verstehe natürlich die Vorgehensweise. In der Realität lassen sich derartige Investitionen bei der aktuellen Wirtschaftslage, dem dadurch resultierenden Personalabbau und sonstigen Einsparungen in großen Unternehmen nur schwer erklären.

Müssen sich die Fans um die Zukunft von Stuttgart Surge sorgen?

Nein. Wir haben in den letzten zwei Monaten neue Investoren gefunden, die großes Format haben, perfekt zu uns passen und uns eine gute Perspektive geben. Sie tragen nicht nur zu unserer wirtschaftlichen Stabilisierung bei, sondern machen uns zukunftsfähig. Mit ihrem Know-how sind die neuen Investoren auch strategisch für Stuttgart Surge unfassbar wichtig.

Dafür ändert sich die Struktur der Gesellschafter.

Richtig. Wir werden künftig mehr Anteilseigner sein. Doch aufgrund der angespannten finanziellen Lage mussten wir diesen Weg gehen. Wir wollten uns fit für die Zukunft machen und nicht immer nur Löcher stopfen müssen.

Wie lauten die mittelfristigen Ziele von Stuttgart Surge?

Wir wollen eine große Franchise sein, die vor großem Publikum spielt. Daran arbeiten wir.

Es wird immer gesagt, dass Europa für American Football ein riesengroßer Markt sei, weil viele Menschen die US-Superliga NFL schauen. Aber ist diese Begeisterung übertragbar? Und wenn ja: Kann auch Stuttgart Surge davon profitieren?

Davon bin ich überzeugt, was auch mit einfacher Wahrscheinlichkeitsrechnung zu tun hat.

Wir sind gespannt.

Wenn in München ein NFL-Spiel stattfindet, dann gab es rund drei Millionen Ticket-Anfragen. Ich bin mir ganz sicher, dass es gelingen kann, einen Teil dieser Football-Begeisterten für einen Besuch in der ELF gewinnen zu können. Und noch eine Rechnung gibt es: Im Großraum Stuttgart leben vier Millionen Menschen – wenn wir nur 0,25 Prozent von ihnen zusätzlich in Bewegung setzen können, ist das Gazi-Stadion voll.

Warum gelingt das bisher nicht?

Wir sind erst viereinhalb Jahre alt, spielen erst seit zwei Jahren erfolgreich. Noch fehlt es uns an der nötigen Reichweite.

Wie ist die Strategie?

Wir müssen die Leute nur einmal zu uns ins Stadion bringen – damit sie sehen, was für einen geilen Sport auf höchstem europäischen Niveau wir bieten. Viele von ihnen werden wiederkommen.

Die Zahl der Football-Begeisterten wird also nicht überschätzt?

Nein. Es gibt ein großes Potenzial. Ganz sicher. Dies zeigt ja schon unser steigender Zuschauerschnitt.

Wichtig für die Entwicklung der Clubs ist, dass die ELF als Ganzes funktioniert. Wie steht die Liga finanziell da?

Da habe ich nur oberflächliche Einblicke. Aber wenn ich sehe, was passiert und was sich entwickelt, dann ist das eine Menge – etwa beim Thema Vermarktung. Zum Beispiel kann man die ELF jetzt als Gamepass auf DAZN buchen. Das ist in Sachen Professionalität ein großer Sprung .

In der vergangenen Saison gab es in der Liga sehr große Leistungsunterschiede. Wird das wieder so sein?

Ich erwarte die spannendste Saison der ELF-Geschichte. Es ist höchst erstaunlich, wie sich einzelne Teams entwickelt haben, da kann ich nur Respekt zollen. Die Spitze wird diesmal viel breiter sein, für die sechs Play-off-Plätze gibt es mindestens zehn Anwärter. Sportlich könnte die Herausforderung für uns größer kaum sein. Dennoch zählen wir zu den Mitfavoriten auf den Titel.

Wird es die ELF in dieser Form in fünf Jahren noch geben?

Alles andere wäre sehr, sehr schade. Denn Stuttgart Surge wird in fünf Jahren auf jeden Fall noch da sein – und das auf einem noch höheren Niveau als heute.