Die Polizei hat am Stuttgarter Flughafen immer wieder besondere Einsätze (Archivbild). Foto: SDMG/Sven Kohls

Ein 18-Jähriger wollte von Stuttgart in die Türkei und weiter nach Syrien fliegen – offenbar für die Terrororganisation Islamischer Staat. Doch dann klickten die Handschellen.

Eigentlich wollte er sich offenbar zu einem IS-Kämpfer in Syrien ausbilden lassen – doch der Weg endet bereits am Stuttgarter Flughafen. Unter dem Verdacht, für die Terrormiliz Islamischer Staat als Krieger tätig werden zu wollen, ist am Donnerstag gegen 11 Uhr ein 18-Jähriger festgenommen worden. Das Hessische Landeskriminalamt war ihm bereits auf der Spur. Zuvor war ein 27-Jähriger am Flughafen Hannover beim Ausreiseversuch ins Netz gegangen. Beide stammen aus dem nordhessischen Kassel. Was wollte der Jüngere aber in Stuttgart?

 

Den Männern mit Bezügen in die radikale islamistische Szene wird vorgeworfen, eine schwere staatsgefährdende Gewalttat vorbereitet zu haben. Beide haben den deutschen Pass. Nach Informationen unserer Zeitung befand sich der 18-Jährige bei der Passkontrolle eines Fluges nach Istanbul, als die Polizeikräfte unter der Federführung des Hessischen Landeskriminalamts zugriffen. Dabei waren auch Beamte der Bundespolizeiinspektion Flughafen Stuttgart im Einsatz. „Eine konkrete Gefährdung für die Bevölkerung bestand zu keinem Zeitpunkt“, sagt Dominik Mies, Sprecher der Staatsanwaltschaft Frankfurt.

Warum der Mann aus Kassel in Stuttgart abfliegen wollte

Nach Angaben des Staatsanwalts waren den Zugriffen in Stuttgart und Hannover länderübergreifende Ermittlungen diverser Strafverfolgungsbehörden vorausgegangen. Dabei gerieten auch die beiden Männer aus dem Raum Kassel ins Visier – und bald schon der Verdacht, dass sie via Istanbul nach Syrien ausreisen wollten, um sich dort mutmaßlich ausbilden zu lassen – und an Kampfhandlungen im Ausland teilzunehmen. Bei Wohnungsdurchsuchungen in Kassel wurden eine Armbrust, diverses IS-Propagandamaterial und mehrere Mobiltelefone sichergestellt.

Der Zugriff auf den 27-jährigen Tatverdächtigen in Hannover erfolgte am Donnerstag gegen 3.45 Uhr, so Staatsanwaltssprecher Mies gegenüber unserer Zeitung. Dies hatte der 18-Jährige offenbar nicht mitbekommen, als er sich am Vormittag auf dem Weg zum Stuttgarter Flughafen machte. Mehr als sieben Stunden später klickten auch bei ihm die Handschellen. Warum der junge Mann aus Kassel von Stuttgart aus seinen Weg zum IS-Kämpfer antreten wollte, dafür hat Oberstaatsanwalt Mies eine Erklärung: „Er wollte mit einer weiteren Person den Flug antreten, und diese kommt aus Baden-Württemberg.“ Diese Person, zu denen er keine näheren Angaben macht, blieb auf freiem Fuß.