Im Zoo Karlsruhe ist die 47-jährige Claudia Vollhardt für die Elefanten zuständig. Die Biologin schafft es dort, unterschiedliche Tiere zu integrieren. Wie gelingt das?
Die Tiertrainerin Claudia Vollhardt ist seit zehn Jahren im Zoo Karlsruhe tätig. Dort ist die studierte Biologin Kuratorin der Dickhäuter und auch für die Afrika-Savanne und für das Revier Lauterberg verantwortlich.
Auf dem Lauterberg befinden sich unter anderem Eulenanlagen und eine Luchsanlage und leben auch Rote Pandas, die im vergangenen Sommer zwei Junge bekommen haben. Ein Panda klettert auch im Winter draußen auf einem Baum herum. Im Gespräch mit Vollhardt wird schnell klar, was sie besonders gerne macht: „Meine Passion ist das Training“, sagt sie. Für alle Tiere wendet sie dieselbe Technik an. Sie zeigt den Tierpflegern, wie sie mit den Tieren umgehen sollen, damit diese freiwillig kooperativ sind.
Altersresidenz für Elefanten im Zoo Karlsruhe
Dieses Prinzip heißt Protected Contact – geschützter Kontakt. Zwischen Tier und Pfleger gibt es immer noch ein Gitter oder einen Zaun. Gelernt hat sie dies und die Integration bei ihrer zehnjährigen Tätigkeit im Loro-Parque auf der kanarischen Insel Teneriffa. Bereits dort hat sie mit dem heutigen Karlsruher Zoodirektor Matthias Reinschmidt zusammengearbeitet. Auf der Insel hat sie in dem Zoo in Puerto de la Cruz im Norden Teneriffas mit Schwertwalen gearbeitet und bei den sehr sozial unterschiedlichen Typen neue Tiere integriert.
Im Zoo Karlsruhe nun kümmert sie sich in der Altersresidenz um die Integration der Asiatischen Elefanten. Auch ihr Chef, Zoodirektor Reinschmidt ist über die besondere Einrichtung stolz: „Elefanten sind sehr charismatische Tiere. Deshalb freut es mich besonders, dass wir mit unserer in Deutschland einzigartigen Haltungsform ein Tierschutzprojekt verwirklichen konnten, das mir ganz besonders am Herzen liegt.“ Diese Einrichtung gibt es seit 2019 im Zoo Karlsruhe.
Zoo Karlsruhe: Elefanten kommen aus verschiedenen Zoos
Zur Integration und Zusammenführung der Elefanten-Seniorinnen aus unterschiedlichen Zoos brauchte es viel Zeit und Geduld, um die Elefanten im Karlsruher Zoo zusammenzubringen. „Es wurde vorher sehr viel trainiert“, erklärt Vollhardt. Erst mal mit Abstand, ohne Berührung, nur, dass sich die Dickhäuter sehen. Dann, in den nächsten Stufen sollen sie mit den Pflegern und der Trainerin zusammen kooperieren, beispielsweise dass sie auf Zuruf gerne kommen. Dafür gibt es stets Leckerlis für die Elefanten.
Sie machen dabei positive Erfahrungen, wenn sie kooperieren. Irgendwann wird dann das Tor zwischen den zuvor noch unbekannten Dickhäutern ein wenig geöffnet und wieder geschlossen. Und wieder beobachtet, wie sich die Tiere verhalten. Und dann wird stückweise das Tor immer weiter geöffnet, bis sich eines Tages die Elefanten direkt treffen dürfen und dann hoffentlich verstehen.
Ob die Wilhelma-Elefanten in den Zoo Karlsruhe kommen, entscheidet das EEP
Denn, der spannendste Moment ist für die Tiertrainerin das Zusammenführen der Tiere, die sich vorher nicht kannten. Den Moment erleben, in dem sie sich direkt treffen. Werden sie freundlich miteinander umgehen? Das ist nicht zu hundert Prozent sicher. Denn, das ist der Elefantenflüsterin auch bewusst: „Eine Garantie gibt es keine.“ In Karlsruhe hat es bislang gut geklappt, dass etwa aus drei teils zeitweise Unbekannten oder ehemals nicht verträglichen Tieren eine harmonische Dickhäuter-Gemeinschaft wurde. Zuletzt bei den Elefanten-Damen Jenny (43), Saida (53) und Indra (30).
Ob eines Tages auch mal Pama (59) oder Zella (58) aus der Stuttgarter Wilhelma hier untergebracht werden, ist noch völlig offen. Das entscheidet das EEP, das Europäische Erhaltungszuchtprogramm der EAZA (Europäische Vereinigung von Zoos und Aquarien).