Der Biber ist zurück. Für die örtlichen Behörden ist das nicht ausschließlich ein Grund zur Freude – wie ein Fall in Altbach zeigt.
Lange war der pummelige Vierbeiner nahezu ausgerottet. Seit einigen Jahren kehrt er aber in seine angestammte Heimat zurück – nicht immer zur Freude der örtlichen Behörden. Angenagte Bäume können ein Sicherheitsrisiko sein, beispielsweise im Heinrich-Mayer-Park in Altbach. „Der Park ist ein beliebtes Ausflugsziel“, weiß Altbachs Grünflächenamtsleiter Mario Flietner. Der Gemeinde obliegt die Verkehrssicherungspflicht. Sobald die Temperaturen wieder steigen, werden wieder viele Menschen die grüne Oase zum Verweilen, picknicken und für Freizeitaktivitäten mit Kindern nutzen.
Dort, wo sich Biber und Mensch im Park die Freifläche teilen, ist die Gemeindeverwaltung besonders aufmerksam. Der Bauhof schützt Bäume mit Maschendrahtzaun vor den scharfen Biberzähnen. Bei einigen Bäumen kamen die Bauhofmitarbeiter aber zu spät.
„Sie sind sehr schnell“, sagt Flietner über die Nagegeschwindigkeit der Biber. In einer Nacht könnten sich die Tiere mehrere Zentimeter tief in einen Baumstamm knabbern, sodass das Gehölz nur noch gefällt werden kann. Immer wieder müssen Bereiche des Parks vom Bauhof gesperrt werden, wenn der Biber wieder aktiv war und Baumstämme angenagt hat.
Biber leben bei Altbach
Landesweit haben sich die Tiere in den vergangenen Jahren immer weiter vermehrt. Die Biberverordnung Baden-Württemberg wurde deshalb kürzlich erlassen. Die geschützten Tiere dürfen seitdem einfacher getötet werden. Dazu soll es aber nur kommen, wenn andere Möglichkeiten wie ein Vergrämen nicht gewirkt haben. Soweit sei man aber in Altbach noch lange nicht, versichert Flietner.
„Das ist die Natur“, sagt er. Damit müsse man umgehen. Es ist eine Art Katz-und-Mais-Spiel zwischen dem Biber und dem Bauhof. Dass der Biber von selbst weiterzieht, scheint derzeit eher unwahrscheinlich. Immerhin leben die Tiere bereits seit einigen Jahren am Altbacher Altarm des Neckars. Und natürliche Feinde haben ausgewachsene Tiere dort nicht.
Unklar ist, wie viele Biber sich am Altarm des Neckars tummeln. Normalerweise sind die Tiere – nach den Capybaras die zweitgrößten Nagetiere der Weit – jedenfalls keine Einzelgänger. Sie leben in Familien mit einem Elternpaar und bis zu zwei Generationen an Jungtieren. Ein Biberrevier erstreckt sich typischerweise über einen bis fünf Kilometer Gewässerufer, abhängig vom Nahrungsangebot.
Tatsächlich gesehen werden die Tiere äußerst selten, wie Bauhofleiter Gerhard Redle beim Vor-Ort-Termin erklärt. Der Biber ist einerseits ein eher scheues Tier. Hinzu kommt, dass er vor allem nachtaktiv ist. Umso deutlicher sind allerdings die Spuren, die die Tiere hinterlassen.
Warum fällen Biber Bäume?
Grundsätzlich sind die pelzigen Pflanzenfresser nicht besonders wählerisch bei der Nahrung. Gras, Rinde, Kräuter, Obst und Gemüse stehen auf dem Speiseplan. Klettern können die Tiere nicht besonders gut. Die frischen Knospen und jungen, nahrhaften Zweige der Baumkronen lassen dem Biber jedoch das Wasser im Mund zusammenlaufen.
Wenn der Baum gefällt ist, gelangt der Nager an das köstliche Grün. Angeknabberte Bäume, die gefällt werden mussten, werden vom Biber in Altbach nicht weiterbearbeitet. Wenn es nichts mehr zu holen gibt, lässt der Biber den Baumstamm in Ruhe.
Dass die Tiere Bäume fällen, ist offenbar tief in ihrer Natur verwurzelt. Und sie sind nicht allein an den Blättern der Bäume interessiert. Sie bauen mit den Stämmen Biberburgen und Dämme. Die Dämme werden aber nur dann gebaut, wenn der Wasserstand zu niedrig ist oder stark schwangt. Der Biber mag es nämlich nicht, wenn der Eingang zu seinem Bau über der Wasseroberfläche liegt. Auf das Nagen kann der Biber nicht verzichten, selbst wenn er es wollte. Seine Zähne wachsen ständig weiter und müssen abgewetzt werden.
Baden-Württembergs Biber
Tiere
Die Biberpopulation in Baden-Württemberg wird zwischenzeitlich auf rund 12.400 Tiere geschätzt, wie das Land zu Beginn dieses Jahres mitteilte. Bis ins 19. Jahrhundert wurden die Tiere stark bejagt. Ihr Fleisch galt als Delikatesse. Aufgrund des Schuppenschwanzes wurde das Tier als Fisch eingestuft, der auch in der Fastenzeit gegessen werden konnte. Aus dem warmen Fell wurden vor allem Hüte gemacht.
Wirken
Durch die Bautätigkeiten des Bibers entstehen vielfach naturnahe Gewässer. So schafft der Biber neue Lebensräume, von den zahlreiche andere Arten profitieren. Für diese Renaturierungen müssen keine Steuergelder ausgegeben werden. Bei Verkehrsanlagen können durch die Aktivitäten der Biber allerdings Schäden entstehen, Überflutungen können Unfälle verursachen. Trinkwasserbrunnen können verunreinigt, Kläranlagen in ihrer Leistung beeinträchtigt, Dämme in ihrer Standsicherheit gefährdet werden.