Alle freuen sich mit: Fabiana Mottis, die Libera von Allianz MTV Stuttgart, wird nach der Partie gegen THY Istanbul als beste Spielerin ausgezeichnet. Foto: Baumann/Julia Rahn

Die Stuttgarter Volleyballerinnen legen auf europäischer Bühne einen tollen Auftritt hin – und der Geschäftsführer sagt: „So sind wir schwer zu schlagen.“

Die erste Glückwunsch-Nachricht ging unmittelbar nach dem verwandelten Matchball ein. Eline Timmerman, die mit den Stuttgarter Volleyballerinnen 2024 das Triple gewonnen hat und mittlerweile bei Galatasaray Istanbul spielt, schrieb den früheren Kolleginnen voller Enthusiasmus: „Jaaaa – wir kommen!“

 

Auch bei Allianz MTV Stuttgart war die Freude riesengroß. Über die Fortsetzung der internationalen Reise. Aber vor allem über den gelungenen Auftritt. „Wenn wir so spielen“, sagte Geschäftsführer Aurel Irion am Ende eines denkwürdigen Europapokal-Abends, „dann sind wir nur schwer zu schlagen.“

Davide Mazzanti lobt Allianz MTV Stuttgart

2:3 hatte der Bundesliga-Spitzenreiter das Achtelfinal-Hinspiel im CEV-Cup (vergleichbar mit der Europa League im Fußball) bei THY Istanbul verloren – und das Duell dank einer herausragenden Leistung in der ausverkauften Scharrena doch noch für sich entschieden. Das Rückspiel gewann das Team von Konstantin Bitter unerwartet deutlich mit 3:0 (25:20, 25:21, 25:21). „Unsere Block-Abwehr war super, zudem haben wir sehr gut gepunktet“, sagte der MTV-Coach, „das ist stark gewesen.“ Und hat auch den Kollegen beeindruckt.

Ratlos: Davide Mazzanti, der Trainer von THY Istanbul. Foto: Imago/Eibner

Nach der Pleite saß Davide Mazzanti, der frühere italienische Nationaltrainer, ziemlich frustriert auf seinem Stuhl am Spielfeldrand. „Ich bin sehr enttäuscht, denn wir haben heute ohne Risiko gespielt, und ohne Risiko ist es nicht möglich, gegen so einen guten Gegner zu gewinnen“, sagte der Coach von THY Istanbul, „Stuttgart war sehr mutig, ist als Team aufgetreten. Das System und der Trainer sind großartig.“ Nun wartet allerdings eine noch größere Herausforderung.

Drei Ex-Stuttgarterinnen bei Galatasaray Istanbul

Der Modus im CEV-Cup ist etwas unübersichtlich, denn die Achtelfinal-Sieger ziehen nicht direkt ins Viertelfinale ein. Zwischengeschaltet ist eine Play-off-Runde, deren vier Gewinner dann im Viertelfinale gegen vier Teams spielen, die in der Champions League in ihren Vorrundengruppen den dritten Platz belegt haben. In diesen Play-offs trifft Allianz MTV Stuttgart nun in der letzten Januar- und der ersten Februar-Woche auf Galatasaray Istanbul. Der Club hat im Gegensatz zu seinen großen Stadtrivalen Vakifbank, Fenerbahce und Eczacibasi zwar den Sprung in die Königsklasse verpasst, hält in der türkischen Liga aber Anschluss an das Top-Trio. „Da stehen noch mehr Superstars als bei THY Istanbul auf dem Feld, es wird eine noch größere Herausforderung“, meinte Konstantin Bitter über das Galatasaray-Team, zu dem in Eline Timmermann, Britt Bongaerts und Kaja Grobelna drei Ex-Stuttgarterinnen gehören, „wir sind krasser Außenseiter – aber nicht chancenlos.“

Das Selbstvertrauen, auf das sich diese Aussage stützt, hat sich Allianz MTV Stuttgart in einer bislang makellosen Saison erarbeitet – erst in der Bundesliga, in der nur ein Satz abgegeben wurde, dann mit dem Einzug ins Pokalfinale und nun auch noch mit dem Coup im CEV-Cup. „Wir haben durch diesen 3:0-Sieg gegen ein europäisches Top-Team gezeigt, dass wir auch international mithalten können. Das macht uns stolz“, erklärte Geschäftsführer Aurel Irion, „und es war zugleich ein wichtiges Zeichen: Wir haben die These, dass die Bundesliga an Niveau verloren hat, eindrucksvoll widerlegt. Sie ist weiterhin konkurrenzfähig.“ Zumindest an der Spitze.

Konstantin Bitter freut sich über die Unberechenbarkeit

Höchst beachtlich ist, wie schnell sich in Stuttgart nach dem Abgang der Legenden Krystal Rivers, Roosa Koskelo und Maria Segura Palleres ein neues, starkes Team entwickelt hat – dessen herausragende Eigenschaft die Variabilität ist. Auch in den beiden Partien gegen THY Istanbul ließ Konstantin Bitter in zwei unterschiedlichen Formationen spielen. „Weil alle bereit sind und das Selbstverständnis haben, gut zu sein, wenn es zählt, können wir uns solche Umstellungen erlauben, ohne den Rhythmus zu verlieren“, sagte der MTV-Trainer, „dadurch sind wir absolut unberechenbar. Kein Gegner weiß, was auf ihn zukommt.“

Das jubelnde MTV-Team zeigt seine Solidarität mit Libera Yurika Bamba, die derzeit wegen eines Trauerfalls in der Familie in ihrer japanischen Heimat weilt. Foto: Baumann

Wie gut der Kader besetzt ist, zeigte sich nun auch im CEV-Cup. Statt Yurika Bamba, die nach dem Tod ihrer Mutter derzeit in ihrer japanischen Heimat weilt, spielte Fabiana Mottis – und die zweite Libera verteidigte derart überragend, dass sie als beste Akteurin der Partie ausgezeichnet wurde. Nach dem Siegerfoto, auf dem die Stuttgarterinnen mit vier in die Höhe gestreckten Fingern ihr Mitgefühl mit ihrer Nummer vier Yurika Bamba ausgedrückt hatten, meinte Fabiana Mottis: „Wir haben auch für sie gewonnen. Ich habe alles gegeben für das Team, es war ein unglaubliches Gefühl.“ Ein Sonderlob für ihre Leistung erhielt die Schweizerin von ihrem Trainer. „Fabiana Mottis zeigt, was wir in ihr gesehen haben: Sie hat die Persönlichkeit, um so eine Chance zu nutzen“, sagte Konstantin Bitter, „und damit steht sie sinnbildlich für ein großartiges Team.“

Das schon bald die nächsten Auftritte auf europäischer Bühne haben wird. Eline Timmerman lässt schön grüßen.