Der phantasiegelbe Mercedes-Benz 300 SL Roadster auf einer Hebebühne in Malaysia – ein Bild aus dem Gutachten des Sachverständigen Frank Steinacker. Foto: Steinacker

Die Tippgeber legen nach: Die Identität eines von Kienle verkauften Fahrzeugs sei offensichtlich manipuliert gewesen. Der Restaurator wehrt sich erstmals im Detail gegen Fälschungsvorwürfe – er spricht seit Beginn der Ermittlungen von Rufmord.

Die Tippgeber hinter den Betrugsvorwürfen gegen den Ditzinger Oldtimer-Restaurator Klaus Kienle sehen sich nach einer Malaysia-Reise im Besitz neuer Indizien. Gemeinsam mit einem Gutachter hat Ralph Grieser, ein Oldtimer-Händler aus Mülheim-Kärlich, dort nach eigenen Angaben den gelben Roadster Mercedes-Benz 300 SL inspiziert, der im Mittelpunkt der Affäre steht. Bei einem Pressetermin zog der Gutachter Frank Steinacker (Koblenz) das Fazit, es handle sich um ein gestohlenes Auto, dessen Identität durch eine manipulierte Fahrgestellnummer leicht erkennbar gefälscht worden sei.

 

„Nicht nur für einen automobilen Fachmann sind die vorliegenden Spurenbilder so eindeutig, dass auf eine Manipulation zurück geschlossen werden müsste“, schreibt der Kfz-Sachverständige Steinacker in einem 20-seitigen Gutachten. „Für eine fachkundige Person mit Kenntnissen zu dem Modell W 198 sind die Manipulationen an der Fahrgestellnummer, der Bodynummer und der Motornummer sogar mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auszumachen.“

Das Auto stand bei Kienle im Katalog

Für Kienle sind die Aussagen brisant, da seine Firma diesen Wagen in seiner Kundenzeitschrift als Original beworben und nach eigenen Angaben „2019 im Auftrag des vorherigen Eigentümers in Kommission vermittelt“ hatte. Grieser befasst sich mit dem Fahrzeug, weil er beweisen will, dass ein von ihm gekaufter 300 SL, der dieselbe Fahrgestellnummer trägt wie das Auto in Malaysia, das Original ist.

Vor Ort habe er im August die Rechnung mit der Nummer 201960030 vom 31.10.2019 gesehen, der zufolge der gelbe Oldtimer von Kienle für 1,3 Millionen Euro nicht nur vermittelt, son dern verkauft wurde. Die Rechnung enthalte, so Grieser, den Hinweis, dass das Auto über sogenannte „matching numbers“ verfüge, also mit den Originaldokumenten übereinstimmende Teilenummern. In Oldtimerkreisen gilt dies als Ausweis der Originalität des Wagens. Gutachter Steinacker kommt hingegen zu dem Schluss, das verkaufte Auto weise keine „matching numbers“ auf.

Kienle verweist auf ein branchenübliches Handelsgeschäft

Kienle weist alle Vorwürfe weit von sich. Nach seiner Darstellung sei es ein branchenübliches Handelsgeschäft gewesen, bei dem er ein Fahrzeug übernommen und dann weiterverkauft, also vermittelt hat.

Der Oldtimer habe laut Kienles Recherchen mindestens seit Anfang der 1990er-Jahre dieselbe Fahrzeugidentifikationsnummer (FIN) getragen, die es auch hatte, als das Auto 2019 erstmals zu Kienle gekommen sei. „Der Vorwurf, die Kienle Automobiltechnik GmbH hätte das Fahrzeug oder Teile davon aufgebaut, ist somit schlichtweg gelogen und nachweislich falsch“, teilt sein Anwalt mit.

Ein Betrug könnte allerdings auch vorliegen, wenn ein Fahrzeug wider besseren Wissens als Original verkauft wird. Auch diesen Verdacht weist Kienle zurück: Aufgrund der vorliegenden Dokumentation habe es für ihn keinen Anlass gegeben, an der Rechtmäßigkeit des Wagens und den Angaben des Vorbesitzers zu zweifeln. Dieser habe erklärt, dass es sich um ein einwandfreies Fahrzeug mit „matching numbers“ handle.

Kienle spricht von Beginn an von Rufmord. Er verweist zudem darauf, dass Grieser bei Aussagen über dessen rotes Fahrzeug „nachweislich mehrfach gelogen“ habe. Strittig sind die Anzahl der Vorbesitzer und die Originalität des Motors. Mit dem Vorwurf konfrontiert, zeigt sich Grieser gelassen: Ihn verwundere nicht, dass Kienle versuche, sich mit allen Mitteln gegen die belastenden Feststellungen zu wehren.

Der Gutachter hält das gelbe Auto für Diebesgut

Gutachter Steinacker kommt zum Schluss, dass es sich bei dem Roadster in Malaysia um ein 1983 in Frankfurt gestohlenes Auto handle. Somit wäre dies der zweite Fall, in dem der Ditzinger Restaurator im Zusammenhang mit einstmals gestohlenen Fahrzeugen genannt wird.

Der belgische Unternehmer Jozef Dockx wirft Kienle vor, er habe ihm ein gestohlenes Fahrzeug mit falscher Identität verkauft. Dockx hatte von Kienle einen Mercedes Benz 300 SL Coupé erworben, dieser soll laut Dockx 1990 bei Aachen gestohlen worden sein. Ein Anwalt Kienles bezeichnete die Vorwürfe bei Bekanntwerden als „lauwarme Luft“. Dockx’ Ausführungen seien nichts als Behauptungen und Vermutungen. Das Verfahren ist am Landgericht Stuttgart anhängig.

Die Stuttgarter Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Betrugsverdacht seit dem Frühjahr gegen Kienles Firma. Grieser und der Bundestagsabgeordnete Carsten Müller (CDU) hatten das Bundeskriminalamt damals über ihren Verdacht informiert. Müller ist CDU-Mitglied wie Griesers Frau, die frühere Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner. Das Paar hat sich im Sommer getrennt. Müller sitzt dem „Parlamentskreis Automobiles Kulturgut“ vor, in dem sich die Oldtimer-Freunde des Bundestages organisieren.